Francesco Silvestri (auch Francesco Silvestri da Ferrara, Francesco de' Silvestri, latinisiert Franciscus Sylvester Ferrariensis, auch Ferrariensis da Ferrara) OP (* 1474 in Ferrara; † 19. September 1528 in Rennes) war ein italienischer Dominikaner, Theologe und Vertreter des Thomismus. Von 1525 bis zu seinem Tod war er Generalmeister des Dominikanerordens. Bekannt wurde er insbesondere durch seinen Kommentar zu Thomas von Aquins Summa contra gentiles.

Leben Silvestri wurde 1474 in Ferrara geboren. Im Alter von etwa 14 Jahren trat er in den Dominikanerorden ein. Er erhielt eine philosophisch-theologische Ausbildung und war anschließend als Lehrer für Philosophie und Theologie an verschiedenen Studienhäusern seines Ordens tätig.

Er lehrte unter anderem in Mantua, Mailand und Bologna. 1515 beziehungsweise 1516 erlangte er den Grad eines Magisters der Theologie. Neben seiner Lehrtätigkeit übernahm er verschiedene Leitungsämter innerhalb des Dominikanerordens. Er war Prior in Ferrara und Bologna und wurde 1519 zum Generalvikar der lombardischen Kongregation des Ordens gewählt.

1519 wurde Silvestri zum Inquisitor von Bologna ernannt; dieses Amt übte er bis 1525 aus. Während seiner Amtszeit war er zugleich von 1521 bis 1524 Regent des dominikanischen Studium generale in Bologna und wurde 1524 zum Prior des dortigen Klosters San Domenico gewählt. In dieser Zeit gehörte er zu den einflussreicheren Theologen seines Ordens.

1524 ernannte ihn Papst Clemens VII. zum Generalvikar des gesamten Dominikanerordens. Auf dem Generalkapitel des Ordens in Rom wurde Silvestri im Juni 1525 zum Generalmeister gewählt. Damit war er der zweite Nachfolger des Kardinals Cajetan.

Als Generalmeister visitierte er zahlreiche Dominikanerkonvente in Italien, Frankreich und den Niederlanden und bemühte sich um eine Reform des Ordenslebens und die Einhaltung der Ordensdisziplin. Während einer Visitationsreise, wo er alle Konvente seines Ordens besuchte, starb er 1528 in Rennes in der Bretagne an einer Krankheit.

Theologie Thomas von Aquin Silvestri gehörte zu den bedeutenden Vertretern des Thomismus des frühen 16. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt seiner theologischen und philosophischen Arbeit stand die Interpretation der Schriften des Thomas von Aquin. Am bekanntesten ist dabei sein Kommentar zur Summa contra Gentiles des hl. Thomas von Aquin: Wie Kardinal Cajetan den klassischen Kommentar zur Summa theologiae des hl. Thomas geschrieben hat, so verfasste Ferrariensis den klassischen Kommentar zur Summa contra Gentiles. Er entwickelte darin insbesondere die thomistische Metaphysik und natürliche Gotteslehre weiter und setzte sich mit Fragen nach dem Verhältnis von Vernunft und Offenbarung sowie der Erkenntnis Gottes auseinander. Der Kommentar wurde über Jahrhunderte hinweg zusammen mit dem Text des Thomas von Aquin gedruckt und schließlich auch in die von Papst Leo XIII. initiierte kritische Editio Leonina der Werke des Thomas aufgenommen.

Neben Thomas von Aquin kommentierte Silvestri Schriften des Aristoteles. Seine Quaestiones in libros Physicorum und seine Abhandlung De anima wurden nach seinem Tod veröffentlicht.

Auseinandersetzung mit der Reformation Silvestri beteiligte sich auch an der katholischen Auseinandersetzung mit der beginnenden Reformation. 1525 veröffentlichte er die Schrift Apologia de convenientia institutorum Romanae Ecclesiae cum evangelica libertate adversus Lutherum, in der er sich gegen die Kritik Martin Luthers an kirchlichen Institutionen wandte.

Schriften Commentaria in Summam contra Gentiles Buch 1, Buch 2, Buch 3, Buch 4 Online auf Latein, Englisch und Spanisch unter scholathomistica.com

Literatur

Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon, Bd. 11, Art. »Sylvestris, Franza (Silvester Franciscus)« (Sp. 1041ff). Antoninus Mortier: Histoire des maîtres généraux de l’Ordre des Frères Prêcheurs. Band 5, Paris 1911, S. 260–284. Innocenzo Taurisano: Francesco Silvestri, detto Francesco da Ferrara, Ferrariensis. In: Enciclopedia Italiana., Band 31: Scar–Soc, Rom 1936. (Digitalisat) Friedrich Lauchert: Die italienischen literarischen Gegner Luthers. Herder, Freiburg im Breisgau 1912, S. 269–279. Angelus Walz: Compendium historiae Ordinis Praedicatorum. Rom 1930, S. 259. Michele Pio: Della nobile et generosa progenie del P. S. Domenico in Italia. Band 2, Pavia 1613, S. 145 ff.

Weblinks

Werke und Ausgaben im Katalog der Bibliothèque nationale de France

Einzelnachweise

Kategorie:Dominikanerbruder Kategorie:Generalsuperior Kategorie:Römisch-katholischer Theologe (16. Jahrhundert) Kategorie:Philosoph (16. Jahrhundert) Kategorie:Inquisitor Kategorie:Person der Gegenreformation Kategorie:Historische Person (Italien) Kategorie:Geboren 1474 Kategorie:Gestorben 1528 Kategorie:Mann