__NOTOC__ Als Armierungsmörtel werden im modernen Bauwesen kunstharzhaltige Zementmörtel bezeichnet, die zum Einbetten von flachem Armierungsgewebe dienen. Im weiteren Sinne kann jede Mörtelschicht als Armierungsmörtel bezeichnet werden, die zugfestes Material wie lose Fasern, Faserbündel, Draht, Gitter oder Gewebe enthält.

Durch Kunstharz- und weitere Vergütungszusätze lässt sich Armierungsmörtel in dünnen Schichten von ca. 3 bis 8 mm auftragen. Zusammensetzung und Eigenschaften von Armierungsmörteln entsprechen meist denen von Klebemörteln. Im Handel werden sie häufig als Klebe- und Armierungsmörtel oder Klebe- und Armierungsspachtel angeboten. Sehr ähnliche Produkte sind Fassadenspachtel oder Sanierungsspachtel. Als Spachtel bezeichnet man den Mörtel aufgrund der geringen Auftragsstärke und weil er nicht wie traditioneller Putzmörtel mit der Maurerkelle angeworfen, sondern ähnlich einer Spachtelmasse mit einer Glättkelle aufgestrichen (aufgezogen) wird.

Als Armierungsgewebe wird meist beschichtetes alkalibeständiges Glasfasergewebe verwendet, seltener Rabitzgitter, Estrichgitter, Metallgewebe, flaches Streckmetall oder Naturfasergewebe, z. B. aus Jute oder Leinen.

Grundlagen

In der traditionellen Bauweise wurden Putzrisse vermieden, indem zwei oder mehrere Putzlagen übereinander aufgetragen wurden und die äußerste Schicht weniger Bindemittel enthielt. Sie war dadurch weniger druckfest aber auch elastischer. Wenn der Untergrund ungleichmäßig war oder Holzbalken enthielt, wurde er mit einem Putzträger überspannt, um die folgenden Putzschichten von Bewegungen des Untergrunds zu entkoppeln. Bei Neubauten oder wenn aus anderen Gründen noch mit Setzungen im Putzgrund zu rechnen war, wurde vor dem Auftrag des Oberputzes eine Zeitlang gewartet, bis die darunterliegende Putzschicht 'ausgerissen' war (d. h. bis sich zu erwartende Risse bereits gebildet hatten). Ansonsten können insbesondere langsam aushärtende Lehm- und Kalkputze können auch feucht-in-feucht, also ohne vorherige Trocknung der unteren Putzschichten aufgetragen werden. Bei diesen hat man nach dem Auftrag noch einige Tage Zeit, auftretende Putzrisse wieder zu schließen, indem man mit einer kleinen Kelle mit abgerundeten Ecken unter Druck über die Oberfläche fährt.

Mit Einführung der Wärmedämmverbundsysteme wurde es üblich, weiche Dämmstoffe mit neuartigen Putzmörteln zu überziehen, die sich durch einen hohen Kunstharzanteil dünn auftragen lassen, eine höhere Zugfestigkeit als traditionelle Kalkmörtel und eine größere Elastizität als Zementmörtel aufweisen. Ihre Zugfestigkeit erlaubt es, auch feinmaschige Armierungsgitter einzubetten, ohne dass sich die Mörtelschicht oberhalb des Gewebes von der darunterliegenden Schicht abtrennt. Ohne Armierung würden Putzschichten auf Dämmstoffen leicht reißen, da sie starken Temperaturschwankungen und -dehnungen ausgesetzt sind. Grobmaschige Gitter lassen sich auch in Kalkmörtel mit einem Größtkorn von ca. 2 mm einbetten. Auf Dämmstoffe lassen sich traditionelle Putze jedoch nur auftragen, wenn ein vollflächiger Putzträger verwendet wird oder wenn die Dämmstoffplatten vom Hersteller durch eine spezielle Oberflächenstruktur und Beschichtung auf den Putzauftrag vorbereitet werden.

Verarbeitung

Auf ebenen Untergründen kann eine gleichmäßige Schichtstärke erreicht werden, indem die großzügig aufgetragene Schicht anschließend mit einem gezahnten Kammspachtel bzw. einer Zahnkelle abgezogen (durchkämmt) wird. Eine Zahnung von beispielsweise 8 × 8 mm ergibt nach dem erneuten Glätten des Mörtels eine Schichtstärke von knapp 4 mm.Putzen - AG Armierungsgewebe - alkalibeständiges Textilglas-Gittergewebe (PDF-Datei), quick-mix, Sievert Baustoffe SE & Co. KG

Bei einer Auftragsstärke des Armierungsmörtels bis 4 mm wird das Armierungsgewebe in der Regel mittig eingebettet. Bei stärkerem Auftrag im oberen Drittel. Dazu wird das Gewebe in den frischen aufgezahnten Mörtel eingelegt. Mit der Glättkelle wird das Gewebe angedrückt bzw. eingestrichen. Zugleich wird der durch die Gewebemaschen tretende Mörtel geglättet (abgezogen), bis die Struktur des Gewebes nicht mehr oder kaum noch erkennbar ist.Armierungsmörtel flächig auftragen, Baumit GmbH, 2026. In: baumit-selbermachen.de Alternativ wird vielfach empfohlen das Gewebe nur leicht anzudrücken und anschließend mit einer weiteren dünnen Schicht Armierungsmörtel zu überziehen.Armierung - Keim Armierung und Gewebe, Keim Farben, 2026. In: keim.com Insbesondere, wenn kein Oberputz bzw. Edelputz mehr über dem Armierungsputz aufgetragen wird, lässt sich auf diese Weise einfacher vermeiden, dass sich das Gewebe in der Oberfläche abzeichnet.

Weblinks Baustoff / Werkstoff / Produkt - Armierungsputz, Lexikon, bauprofessor.de, 2026

Fußnoten

Kategorie:Mörtelart Kategorie:Putz nach Funktion