Hildegard Böhm (* 5. Juli 1938 in Schöndorf bei Karlsbad; † 25. November 2024) war eine deutsche Textilkünstlerin, Grafikerin und Buchgestalterin.
Leben und Werk Die Familie Hildegard Böhms wurde in der Folge des Zweiten Weltkriegs aus der Tschechoslowakei vertrieben und kam in die Sowjetische Besatzungszone. Hildegard Böhm besuchte von 1956 bis 1959 die Arbeiter- und Bauernfakultät für bildende Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und studierte von 1959 bis 1964 bei Albert Kapr in der Fachrichtung Gebrauchsgrafik der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Nach dem Abschluss als Diplom-Graphikerin absolvierte sie bis 1965 im Verlag Edition Leipzig ein Praktikum als Buchgestalterin. Von 1966 bis 1968 machte sie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ein Fernstudium.
1977 zog sie in den Bezirk Neubrandenburg, wo sie freischaffend als Malerin und Textilkünstlerin tätig war. Sie bewohnte mit ihrem Ehemann, dem autodidaktischen Maler und Grafiker Rudolf Böhm (* 1930), das alte ehemalige Pfarrhaus in Lärz-Alt Gaartz.
Als Grafikerin begann sie auf dem Gebiet der Textilgrafik. Daneben betätigte sie sich erfolgreich als Textilkünstlerin, u. a. als Maschinen-Stickerin. Sie kam zur Collage mit Sujets aus Natur, Gesellschaft und Traumwelt, wofür sie u. a. Foto- und Kopiertechniken benutzte. Zu ihrer auf der IX. Kunstausstellung der DDR ausgestellten reliefhaften Arbeit Typo Grafic Structure, zu einem Gedicht von Pablo Neruda, war zu lesen: „Überraschend in Qualität und Ausstrahlungskraft … Als Schrift – und Buchgestalterin ausgebildet, hat sie ihr unbefangenes Verhältnis zum textilen Material auf eine schöne Weise fruchtbar gemacht. Das strenge Schwarz-Weiß ihrer Arbeit hat etwas von der Feierlichkeit in Marmor gemeißelter Inschriften oder sakraler Behänge …“Eva Mahn: Materialien. In: Bildende Kunst, Berlin, 2/1983, 69/70
Seit sie Mitte der siebziger Jahre an studentischen Aktionen für den Wiederaufbau der gesprengten Leipziger Universitätskirche teilgenommen hatte, fühlte sich Hildegard Böhm unter politischem Druck. Sie verließ deshalb 1989 die zusammenbrechende DDR und lebte drei Jahre in der Nähe von Coburg, ehe sie wieder nach Alt Gaartz kam.
Hildegard Böhm war Mutter von drei Kindern. Sie wurde auf dem Friedhof Alt-Gaartz bestattet.
Selbstreflexion „Ich bin der Meinung, dass alle Stilmittel der freien Künste auch im angewandten Bereich Verwendung finden können.“
1982 in einem Redaktionsgespräch mit TextilgestalterinnenBildende Kunst, Berlin, 8/1982, S. 342
Weitere Werkbeispiele
Profilierungsprozess (1984; sechs maschinengenähte Elemente auf Futterstoff)Abbildung in Bildende Kunst, Berlin, 8/1984, S. 344 o. T. (Stickerei; 31 × 45 cm)Abbildung im Katalog der Ausstellung Kunsthandwerk aus der DDR. Textilgestaltung – Holzgestaltung, S. 9
Ausstellungen (unvollständig)
Einzelausstellungen
1978: Neustrelitz 1998: Rechlin, Kirche Rechlin ("Bio-Graphie"; Grafik, Wandteppiche und Collagen)
Gruppenausstellungen
1974, 1979 und 1984: Neubrandenburg, Bezirkskunstausstellungen 1982/1983: Dresden, IX. Kunstausstellung der DDR 1983: Berlin, Ausstellungszentrum am Fernsehturm („Textilminiaturen“) 1983: Göttingen, Städtisches Museum („Kunsthandwerk aus der DDR. Textilgestaltung – Holzgestaltung“) 1985: Weimar, Kunsthalle am Theaterplatz („Textil '85. 3. Ausstellung der Textilgestaltung in der DDR“)
Literatur
Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 89/190.
Weblinks
Immer wieder Aufbruch in die Traumwelten Kunstgalerie Mecklenburgische Seenplatte
Einzelnachweise
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