Heinrich Wilhelm „Heinz“ Wittmann (Pseudonym Hinze; * 22. Februar 1907 in Wien; † 4. Juli 1986 ebenda) war ein österreichischer Schriftsteller, Verleger und Beamter.
Leben Wittmann wuchs in Wien auf, besuchte die Hochschule für Welthandel und arbeitete danach als Beamter im öffentlichen Dienst bei einer Krankenkasse. Er war Mitglied der Vaterländischen Front und der Heimwehr. 1932 beantragte er den Beitritt zur NSDAP und wurde am 1. Mai 1933 aufgenommen. Ab 1933 war er Blockleiter der Ortsgruppe Stubenviertel und ab 1938 Zellenleiter.Vgl. Bundesarchiv, BArch R 9361-V/11958.
Seine literarische Tätigkeit begann Wittmann eigenen Angaben zufolge 1930 unter dem Pseudonym Hinze mit kleinen Veröffentlichungen im Neuen Wiener Journal.Vgl. Bundesarchiv, BArch R 9361-V/11958. Die Angabe konnte nicht verifiziert werden. 1932 war Wittmann Mitbegründer des liberalen Vereins Der Kreis. Gemeinschaft für Kultur und LiteraturKarl-Reinhart Trauner: Gottesfurcht ist der Anfang der Erkenntnis: Georg Molin (1908–2003). In: Uta Heil et al. (Hg.): Autor und Autorität. Historische, systematische und praktische Perspektiven. Göttingen: V&R Unipress 2019, S. 198. und trat dort als Obmann-Stellvertreter bei literarischen Veranstaltungen mit einführenden Worten oder als Vortragender eigener und fremder Werke auf. Nach dem ‚Anschluss‘ wurde Wittmann Mitglied im Reichsbund der Deutschen Beamten sowie bei der NS-Volkswohlfahrt. Durch die NSDAP wurde er als ‚zuverlässig‘ bzw. ‚einwandfrei‘ bewertet, und es wurde festgehalten, dass er schon vor dem ‚Anschluss‘ nationalsozialistisch gehandelt habe. Gegenüber der Reichsschrifttumskammer, bei der er im August 1938 seine Mitgliedschaft beantragte, hob Wittmann hervor, seine Mitgliedschaften bei der Vaterländischen Front und der Heimwehr seien zwangsweise erfolgt.
Im Juli 1938 versuchte Wittman erstmals, als Vorstand den Verein Der Kreis bei der Reichsschrifttumskammer, Gruppe literarische Vereine und Vortragsveranstalter, anzumelden. Der Verein, der sich als Plattform junger und unbekannter Autoren verstand, veranstaltete vorwiegend öffentliche und private Leseabende und diente auch als Verlag. Es begann ein Hin und Her um die Frage, ob der negativ beurteilte Verein in das ‚Reichswerk Buch und Volk‘ integriert werden solle. 1939 folgte schließlich der Auflösungsbescheid und 1941 der Untersagungsbescheid – der Verein vermochte jedoch, was keinem anderen Verein in vergleichbarer Weise gelang, seine Tätigkeit bis 1943 weiterzuführen.Vgl. Uwe Baur, Karin Gradwohl-Schlacher: Literatur in Österreich 1938–1945. Zensur und Förderung – Literarische Vereine – Anthologien. Bd. 5: Literarisches System in Österreich 1933/1938–1945. Wien etc.: Böhlau 2021 Angesichts seiner thematischen Ausrichtung, der Haltung seiner Mitglieder während der NS-Zeit und v. a. aufgrund seines Kampfs gegen die strenge Reichskulturkammergesetzgebung kann der Verein nicht nur als Beispiel Innerer Emigration, sondern auch als unikaler Fall zivilgesellschaftlichen Widerstands eines Vereins betrachtet werden.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde Wittmann im März 1940, wie fast alle Kreis-Mitglieder, zur Wehrmacht eingezogen und als Kriegsverwaltungsinspektor an der ‚Ostfront‘ eingesetzt. Aufgrund seiner Stellung als NSDAP-Zellenleiter wurde Wittmann nach dem Krieg als ‚belastet‘ eingestuft, wogegen er jedoch erfolgreich Beschwerde einreichte.Vgl. Österreichisches Staatsarchiv/Archiv der Republik, BMI/BeKo 1421/49. Eigenständige Publikationen erschienen erst wieder ab den späten 1960er-Jahren, dann aber zahlreich und in sämtlichen Gattungen, z. B. Lebendige Begriffe. Erzählungen (1968), Tandaradei. Gedichte und Lieder (1969), Gestern im Heute. Erzählungen (1971), der Roman Damals (1974),Venus auf Abwegen. Drei Theaterstücke (1974) und viele mehr.
Wittmann war im Nachkriegs-Österreich hervorragend vernetzt, was u. a. daher rührte, dass am 21. Mai 1947 Der Kreis als Kulturgemeinschaft ‚Der Kreis‘ neu gegründet wurde. Diese veranstaltete regelmäßig Lesungen mit zahlreichen Vertretern der österreichischen Nachkriegsliteratur. Nicht nur als Veranstalter, sondern auch als Herausgeber wurde Wittmann bald eine v. a. in Niederösterreich zentrale literarische Anlaufstelle. Ab 1967 fungierte er als Schriftführer der 1956 gegründeten Zeitschrift HeimatlandVgl. Das Waldviertel 7/8/9 (1967), S. 195., die als Publikationsorgan gemeinsam mit dem ebenfalls von ihm geleiteten Verlag Heimatland bis in die 1980er-Jahre herausragende Bedeutung für die niederösterreichische Literaturlandschaft besaß. 1982 erhielt Wittmann einen von neun Anerkennungspreisen des Lands Niederösterreich.
Literatur
Karin Gradwohl-Schlacher: Literatur in Österreich 1938–1945. Handbuch eines literarischen Systems. Bd. 4: Wien. Wien etc.: Böhlau 2018. Murray Hall: Österreichische Verlagsgeschichte 1918–1938. Bd. 2: Belletristische Verlage der Ersten Republik. Online 2016: https://verlagsgeschichte.murrayhall.com H[ans] Giebisch et al. (Hg.): Kleines österreichisches Literaturlexikon. Wien: Hollinek 1948, s. v. ‘Wittmann, Heinrich Wilhelm’, S. 519.
Einzelnachweise
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