mini|435x435px|Denkmal für Ignaz von Rudhart in Passau gefertigt von Anselm Sickinger, 1844 miniatur|hochkant|Ignaz von Rudhart

Die Rudhartsäule, auch Rudhart-Säule oder Gedenksäule für Ignaz von Rudhart, ist ein neugotisches Denkmal in der bayerischen Stadt Passau. Die 1844 errichtete Säule erinnert an den bayerischen Juristen und Politiker Ignaz von Rudhart (1790–1838), der von 1832 bis 1836 Regierungspräsident des Unterdonaukreises mit Sitz in Passau war und 1837 für zehn Monate Ministerpräsident des Königreichs Griechenland wurde. Das Denkmal befindet sich an der Innpromenade nahe der Marienbrücke und ist als Baudenkmal geschützt.

Geschichte Ignaz von Rudhart war als Regierungspräsident des Unterdonaukreises einer der bedeutenden staatlichen Repräsentanten Bayerns in Passau. Er begleitete den König Otto I. von Bayern, den aus dem Haus Wittelsbach stammenden ersten König des neu gegründeten Königreichs Griechenland, und war 1837 dort Ministerpräsident. Rudhart starb auf der Rückreise von Griechenland 1838 in Triest.

Bereits 1839 wurde in Passau ein Denkmalkomitee gegründet, das ein Erinnerungsmonument für den früheren Regierungspräsidenten initiierte. Der Entwurf stammte von dem Architekten Georg VölkSusanne Hegele: Anselm Sickinger (1807–1873). Ein Beitrag zur „Münchner Gotik“ im 19. Jahrhundert. Dissertation Ludwig-Maximilians-Universität München 2013, S. 26–28. (Digitalisat auf edoc.ub.uni-muenchen.de, abgerufen am 3. September 2026; nur Text, ohne Abbildungsteil). Mit der Ausführung wurde der Münchner Bildhauer Anselm Sickinger beauftragt, der sich insbesondere als Steinmetz und Bildhauer einen Namen gemacht hatte. Im Dezember 1841 legte Völk einen Entwurf mit Kostenvoranschlag vor. Die offizielle Genehmigung des Entwurfs erfolgte am 28. Januar 1843.

Die Arbeiten wurden bis zum Frühsommer 1844 weitgehend abgeschlossen. Beim Transport der in München gefertigten Teile nach Passau kam es jedoch zu einem Unfall: Teile des Denkmals und des figürlichen Schmucks versanken in der Isar. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen konnte lediglich eine der Figuren geborgen werden. Die verlorenen Teile mussten deshalb erneut hergestellt werden. Im Spätherbst 1844 war das Denkmal endgültig fertiggestellt. Die feierliche Enthüllung fand am 11. November 1844 statt.

Gestaltung Die Rudhartsäule ist als neugotischer Steinpfeiler gestaltet. Der Grundriss des Pfeilers ist sechseckig. Er steht auf einer breiten Basis und einem darüberliegenden schmaleren Sockel. Die Gestaltung verbindet architektonische Formen der Gotik mit figürlichem und ornamentalem Schmuck des 19. Jahrhunderts.

Das Hauptgeschoss hat drei Blendnischen beziehungsweise Schauseiten. Eine davon enthält einen Wappenschild im Flachrelief. Darüber befinden sich drei giebelbekrönte Nischen mit allegorischen Frauenfiguren. Sie verkörpern die Tugenden Treue, Wahrheit und Standhaftigkeit. Die Figuren tragen entsprechende Inschriftenbänder.

Zwischen den Figuren befinden sich Flächen mit Blendmaßwerk. Eine weitere Fläche zeigt einen Wappenschild mit Helmzier, Blattwerk und einem steigenden Pegasus. Die Säule trägt mehrere Inschriftentafeln aus Kalkstein. Die Texte sind in deutscher und eine Tafel in griechischer Sprache ausgeführt. Die deutsche Inschrift in Frakturschrift lautet:

„Dem würdigen/ Regierungs/ präsidenten/ Ritter von/ Rudhart/ seine Verehrer/ in Niederbay/ ern. 1844“

Eine weitere Tafel gibt die Lebensdaten Rudharts und seine beruflichen Stationen in Passau und Griechenland wieder. Die dritte Inschrift verweist in griechischen Buchstaben auf Rudharts Tätigkeit in Griechenland nach seiner politischen Laufbahn und Passauer Amtszeit.

ΙΠΠΟΤΗΣ/ IGNAZ v. RUDHART/ ΕΝΑΣ ΥΙΟΣ ΤΗΣ/ ΒΑΒΑΡΙΑΣ/ 1836–1838/ ΠΡΩΘΥΠΟΥΡΓΟΣ/ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ

Denkmalschutz Die Rudhartsäule steht unter Denkmalschutz und ist unter der Aktennummer D-2-62-000-209 in der Denkmalliste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege erfasst.

Literatur Sabine Engert: Das neugotische Denkmal für den Regierungspräsidenten Ignaz Ritter von Rudhart 1844. In: Karl Möseneder (Hrsg.): Denkmäler. Passau und das Königreich Bayern. Passavia, Passau 1996, ISBN 978-3-87616-196-9, S. 71–123. Susanne Hegele: Anselm Sickinger (1807–1873). Ein Beitrag zur „Münchner Gotik“ im 19. Jahrhundert. Dissertation, Ludwig-Maximilians-Universität München, 2013, S. 26–28. Peter Morsbach, Irmhild Heckmann, Christian Later, Jörg-Peter Niemeier: Denkmäler in Bayern. Band II.25: Kreisfreie Stadt Passau. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2014, ISBN 978-3-7917-2552-9.

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Einzelnachweise

Kategorie:Baudenkmal in Passau Kategorie:Personendenkmal (Politiker) Kategorie:Bauwerk in Passau Kategorie:Neugotisches Bauwerk in Bayern Kategorie:Erbaut 1844