mini|Die Fassade der Cà’ di Dio im Jahr 2016 mini|Die Madonna an der Riva Ca’ di Dio mini|„Riva Ca’ Di Dio“ Cà’ di Dio (dt.: Haus Gottes) war eine allgemeine italienische Bezeichnung für ein Hospiz nebst Kirche. Zudem bezeichnete es eine solche Einrichtung im venezianischen Sestiere Castello unweit des Arsenals. Sie befindet sich seit dem 13. Jahrhundert an der Riva Ca’ di Dio. Seit seiner Gründung ab 1272 diente das Haus als Unterkunft für Pilger und Arme, jedoch durften dort ab 1623 nur mehr arme, unverheiratete Venezianerinnen wohnen. Lange eine Seniorenresidenz ist es seit einem 2021 begonnenen Umbau ein Luxushotel.
Geschichte Mit den Kreuzzügen und der Zunahme der Pilgerzahlen, von denen viele per Schiff ins Heilige Land fuhren, wuchs der Bedarf nach Unterkünften für diejenigen, die auf Gelegenheit zur Überfahrt warteten. So bestand um die Mitte des 13. Jahrhunderts ein solches Hospiz, dessen Rektor oder Verwalter, genannt Fra Lorenzo, im Jahr 1264 Marco Bollani, dem Abt des Klosters auf der Insel San Giorgio Maggiore, ein Sumpfgebiet stiftete, damit auf diesem eine „Casa di Dio“, wie man einen Zufluchtsort für Pilger nannte, errichtet werden könne. Auch sollten dort Arme unterkommen.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 160 f.
Doch nicht in diesem Sumpfgebiet, sondern in der Pfarrei San Martino entstand das neue Hospiz, nämlich auf einem Grundstück, das im Jahr 1272 der Pelzhändler Maggio Trevisano jenem Fra Lorenzo unter der Bedingung geschenkt hatte, dass darauf eine Kirche und ein Hospiz errichtet würden, das den Namen „Casa di Dio“ tragen sollte. Der Große Rat genehmigte die Schenkung am 29. August 1272 und bestätigte, dass der Name unverändert bleiben müsse. Fünf Prioren folgten Lorenzo bis zum Jahr 1340 im Amt. Welcher Orden die Kranken und Armen versorgte, ist unbekannt.
Der Überlieferung nach sollen einige Genuesen, die sich als Brüder im Hospiz aufhielten, versucht haben, das benachbarte Arsenal in Brand zu setzen. Nachdem der Plan aufgeflogen war, flohen die Männer, doch zog der Große Rat 1367 daraus die Konsequenz, dass fortan der Prior ein venezianischer Cittadino sein müsse und alle zwei Jahre dem Dogen und den Ratsmitgliedern (Consiglieri) Rechenschaft ablegen müsse. Zudem wurde die Zahl der Armen auf 25 begrenzt.
1544 wurde der Komplex vollständig umgebaut und stark erweitert. Die besagte Begrenzung der Bewohnerzahl wurde im Jahr 1556 durch ein weiteres Dekret des Großen Rates heraufgesetzt. Zudem wurde dem Prior ein geräumiges Haus mit einem Salär von 300 Dukaten zugewiesen. Der Rest der Einkünfte sollte ausschließlich dem Unterhalt des Hauses und der Versorgung der Armen zugutekommen.
Der Große Rat beschloss außerdem am 19. August 1623, dass künftig nur noch arme Frauen in die Einrichtung aufgenommen werden sollten. Diese mussten entweder patrizischer Abstammung sein oder dem Stand der Cittadini originari angehören, ein ehrbares Leben führen und unverheiratet sein. An das Haus war eine bescheidene Kirche angegliedert, die ausschließlich den geistlichen Bedürfnissen der dort lebenden Frauen diente, wie ein Visitationsbericht von 1839 feststellte.
Die Bewohnerinnen, die in eigenen Zimmern lebten, daher „Cameriste“ genannt, wählten aus ihren Reihen eine Priorin und zwei Portierinnen und führten ein recht unabhängiges Leben: Sie verfügten über einen eigenen Herd in ihrem Zimmer und konnten außerhalb des Hospizes bezahlte Tätigkeiten ausüben. Die Verwaltung der Finanzen wurde fünf vom Dogen ernannten Prioren anvertraut.
Trotz der Reformen unter Napoleon, der viele Einrichtungen auflösen oder zusammenlegen ließ, bestand das Haus fort. Es diente bis 2021 dem Zweck, für den es gegründet wurde, wurde aber inzwischen als Seniorenresidenz für selbstständige Ältere genutzt. Seit 2021 wurde es umgestaltet und beherbergt ein Fünf-Sterne-Hotel.
Zum Hospiz gehört eine Kapelle namens Santa Maria de la Ca’ di Dio, die 1884 restauriert wurde. Cesare Augusto Levi konstatierte 1890, dass nichts über einen Glockenturm bekannt war. Da das Bauwerk in den Komplex integriert ist, ist es als Sakralbau nicht sogleich erkennbar. Das einzige Element, das auf seine Funktion hinweist, sind zwei große Giebelfenster über den beiden Eingangsportalen. In der Mitte der Fenster befindet sich eine Nische mit einer Madonnenstatue. Zwei Rosetten krönen die beiden großen Fenster, und das Ganze wird an der Oberseite von einem horizontalen Gesims abgeschlossen, an dem vier niedrige, quadratische Fenster anliegen.
Literatur Giuseppe Maria Pilo: Jacopo Sansovino, Baldassarre Longhena, Matteo Lucchesi, Bernardino Maccaruzzi; interventi edilizi di tre secoli alla Ca’ di Dio di Venezia, in: Notizie da Palazzo Albani, VIII/1 (1979) 100–112. Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 27, S. 23 f.: 1272: Casa di Dio „in volgare Cà di Dio“.„Maggio Trevisano, di professione pellicciajo, donò un fondo posto nella parrocchia di S. Martino a Fra Lorenzo, rettore d’ altra Casa di Dio in Venezia, perchè v’ erigesse un ospizio ed una chiesa, donazione approvata dal Maggior Consiglio il 29 Agosto dello stesso anno. Nel 1360 alcuni priori genovesi volendo attaccar fuoco all’ Arsenale, venne stabilito che d’ allora in poi il rettore dell’ ospizio dovesse esser cittadino veneto. — Fu varie volte rinnovata la chiesa. Nulla memoria avvi di campanile.“ Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 160 f. („Chiesa della Casa di Dio“) (Digitalisat) Ermolao Paoletti: Il fiore di Venezia ossia i quadri, i monumenti, le vedute ed i costumi, Tommaso Fontana, Venedig 1839, S. 172 f. („Ospizio della Ca’ di Dio“) (Digitalisat) Maria Lusiani, Chiara Pancot, Marco Vedovato: Hybridity and conflicting logics—and what if not? A historical exploration of a XIV–XVI century social entity in Venice, in: Financial Accountability & Management, 39 (2021) 195–215. (online)
Weblinks Santa Maria della Cà di Dio, Conoscere Venezia
Anmerkungen
Cà’ di Dioa Santa Maria della Cà’ di Dio Kategorie:Kirchengebäude im Patriarchat von Venedig Kategorie:Pilgerherberge Kategorie:Hotel in Italien