Die Regio S-Bahn Mainfranken ist ein geplantes Angebot des Schienenpersonennahverkehrs im Raum Würzburg und Teil der in Bayern und Baden-Württemberg entwickelten Produktgattungsmarke Regio S-Bahn. Die erste Umsetzungsstufe soll zum Fahrplanwechsel im Dezember 2030 mit vier Linien in Betrieb gehen. Der Betrieb dieser Leistungen wurde im Rahmen des Vergabeverfahrens „Regionalverkehr Mainfranken“ an BeNEX vergeben und soll unter der Marke Agilis erbracht werden.

Geschichte Erste Überlegungen für ein S-Bahn-Konzept im Raum Würzburg wurden nach eigenen Angaben bereits 2019 vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) und dem Fahrgastverband Pro Bahn entwickelt. Im Januar 2022 kündigte das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr eine von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) zu erarbeitende Machbarkeitsstudie für eine „Regio-S-Bahn Mainfranken“ an. Untersucht werden sollte ein S-Bahn-ähnlicher Betrieb auf den von Würzburg ausgehenden Strecken unter anderem nach Lauda-Königshofen, Ansbach, Nürnberg, Bamberg, Schlüchtern und Frankfurt am Main sowie auf Nebenstrecken und möglichen Reaktivierungsstrecken.

Die BEG beauftragte die Machbarkeitsstudie anschließend als Fahrplan- und Betriebsgutachten. Gegenstand der Untersuchung waren mögliche Angebotsverbesserungen und Betriebskonzepte für die Regio-S-Bahn sowie die Einbeziehung von Neben- und möglichen Reaktivierungsstrecken. Zu den konkret untersuchten Vorhaben gehörte unter anderem die mögliche Reaktivierung der Strecke Lohr Bahnhof–Lohr Stadt der Bahnstrecke Lohr–Wertheim. Für diesen Fall wurde ein Betriebskonzept mit einer Durchbindung der damaligen Linie RB 53 von Bamberg über Würzburg und Gemünden nach Lohr Stadt sowie einer separaten Bedienung der Strecke Gemünden–Jossa–Schlüchtern betrachtet. Im November 2024 teilte die BEG mit, dass die Machbarkeitsstudie voraussichtlich im ersten Quartal 2025 fertiggestellt werde. Zugleich seien bereits wesentliche Erkenntnisse aus der Untersuchung in die Vorbereitung des Vergabeverfahrens eingeflossen.

Die erste konkrete Umsetzungsstufe wurde anschließend über das Vergabeverfahren „Regionalverkehr Mainfranken“ vorbereitet. Die Regio-S-Bahn wurde dabei als zweites Los ausgeschrieben. Im November 2024 wurde das Verfahren europaweit bekannt gemacht. Am 16. Juli 2026 erteilten die BEG und der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) BeNEX den Zuschlag. Der Verkehrsvertrag beginnt im Dezember 2030 und läuft bis Dezember 2042. Die erste Umsetzungsstufe umfasst die vier Linien RS 1, RS 2, RS 4 und RS 11.

Die erste Umsetzungsstufe knüpft an das bisherige „E-Netz Mainfranken“ an. Mit der Einführung der Regio-S-Bahn werden bestehende Verkehrsleistungen teilweise neu geordnet, durchgebunden und verdichtet. Insbesondere die RS 1 verbindet künftig Strecken südlich und nördlich von Würzburg ohne Umstieg.

Linien und Angebot Die erste Betriebsstufe umfasst vier Regio-S-Bahn-Linien:

Linie Verlauf Geplantes Angebot RS 1 Marktbreit – Würzburg Hbf – Gemünden – Jossa – Flieden Stundentakt Marktbreit – Jossa, Zweistundentakt Jossa – Flieden RS 2 Würzburg Hbf – Schweinfurt Hbf – Bamberg Stundentakt RS 4 Würzburg Hbf – Kitzingen Verstärkerfahrten RS 11 Würzburg Hbf – Gemünden Verstärkerfahrten in der Hauptverkehrszeit

Die RS 1 soll zwischen Marktbreit und Würzburg künftig auch an Werktagen ganztägig im Stundentakt verkehren. Die durchgehende Linienführung über Würzburg ermöglicht erstmals umsteigefreie Verbindungen zwischen Marktbreit und den nördlich von Würzburg gelegenen Stationen bis Gemünden. Bei den Verstärkerleistungen der RS 11 wird die Bedienung in der Hauptverkehrszeit über Karlstadt hinaus bis Gemünden verlängert. Auf der RS 4 sind an Werktagen drei zusätzliche Fahrten zwischen Würzburg und Kitzingen vorgesehen.

Die Linien RS 1 und RS 2 bilden das regelmäßige Grundangebot. RS 4 und RS 11 ergänzen dieses durch Verstärkerfahrten. Damit entspricht die Linienstruktur dem von der BEG für die Produktgattung Regio-S-Bahn beschriebenen Prinzip einer mindestens stündlichen Bedienung mit zusätzlichen Fahrten zu nachfragestarken Zeiten.

Fahrzeuge Für das Netz „Regionalverkehr Mainfranken“ bestellte BeNEX im September 2026 bei Siemens Mobility insgesamt 56 neue Elektrotriebzüge. Vorgesehen sind 30 dreiteilige Triebzüge des Typs Mireo und 26 vierteilige Doppelstocktriebzüge des Typs Desiro High Capacity. Die Fahrzeuge sollen ab Ende 2030 eingesetzt werden. Sie sind mit ETCS und PZB sowie mit barrierefreien Einstiegen, Rollstuhlplätzen, Fahrradstellplätzen und USB-Ladeanschlüssen ausgestattet. Die Desiro HC sollen auf besonders nachfragestarken Verbindungen eingesetzt werden. Die Fahrzeugbestellung bezieht sich auf das gesamte Netz „Regionalverkehr Mainfranken“. Eine Zuordnung der beiden Fahrzeugtypen zu einzelnen Regio-S-Bahn-Linien wurde nicht veröffentlicht.

Ausblick Als mögliche Erweiterung der Regio-S-Bahn Mainfranken ist die Reaktivierung der Bahnstrecke Seligenstadt–Volkach vorgesehen. Die Strecke wird auch als „Mainschleifenbahn“ bezeichnet. In älteren Unterlagen wurde die geplante Verbindung als S 6 im Regio-S-Bahn-Mainfranken-Konzept der BEG geführt. In einer 2026 veröffentlichten Ausschreibung für das „Südthüringen-Unterfranken-Netz“ ist die geplante Leistung dagegen als Option RS 5 Würzburg – Seligenstadt – Volkach-Astheim vorgesehen. Für die geplante Reaktivierung ist eine stündliche umsteigefreie Verbindung nach Würzburg vorgesehen.

Ebenfalls als mögliche Erweiterung wurde die Reaktivierung des ehemaligen Halts Lohr Stadt an der Bahnstrecke Lohr–Wertheim berücksichtigt. Nach einer Reaktivierung soll die RS 1 ab Gemünden nicht mehr nach Flieden, sondern nach Lohr Stadt verkehren. Der Abschnitt Gemünden – Jossa – Flieden soll in diesem Fall von der Regionalbahnlinie RB 53 übernommen werden.

Langfristig strebt die BEG auf den Strecken rund um Würzburg einen ganztägigen Halbstundentakt an allen Stationen an. Nach Angaben der BEG setzt dies einen Ausbau der teilweise überlasteten Eisenbahninfrastruktur voraus.

Weblinks Regio S-Bahn auf der Website der Bayerischen Eisenbahngesellschaft Regionalverkehr Mainfranken auf der Website der Bayerischen Eisenbahngesellschaft

Einzelnachweise

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