alternativtext=Ein Portrait von Rhun ap Iorwerth. Er hat kurze, dunkelblonde Haare und lächelt breit in die Kamera. Er trägt ein dunkles Jackett und ein hellblaues Hemd mit einer dunkelgrünen, hell gepunkteten Krawatte.|mini|Rhun ap Iorwerth (2026) Rhun ap Iorwerth (* 27. August 1972 in Tonteg, Glamorgan) ist ein walisischer Politiker (Plaid Cymru) und ehemaliger Journalist, der seit 2026 als First Minister of Wales amtiert und seit 2013 Mitglied der Senedd Cymru ist. Seit 2023 ist er Vorsitzender seiner Partei, führte diese in der Wahl zur Senedd 2026 zu ihrem ersten Wahlsieg und wurde anschließend der erste walisische Regierungschef, der nicht der Labour Party angehört. Vor seinem Eintritt in die Politik war ap Iorwerth als Moderator und Korrespondent für die BBC Cymru Wales tätig.
Kindheit und Ausbildung Ap Iorwerth wurde im südwalisischen Glamorgan geboren, wuchs aber auf der Insel Ynys Môn im Nordwesten des Landes auf. Er hat eine Schwester. Seine Eltern waren zivilgesellschaftlich aktiv und engagierten sich für den Erhalt der walisischen Sprache, ap Iorwerth spricht ebenfalls flüssig Walisisch. Sein Name folgt dem in Wales noch bis ins 18. Jahrhundert üblichen patronymischen Muster; er ist also zu verstehen als Rhun, Sohn von Iorwerth. Bei seiner Geburt wurde für ihn gegen den Willen seiner Eltern zunächst der Nachname seiner Mutter, Jones, eingetragen.
Er absolvierte seine Schullaufbahn in Porthaethwy und strebte anschließend zunächst eine Karriere als Tierarzt an, studierte dann jedoch Politikwissenschaft und Welsh Studies an der Cardiff University. Ap Iorwerths Interesse an Politik wurde nach eigener Aussage während Ieuan Wyn Jones' Wahlkampf zur Unterhauswahl 1987 in Ynys Môn geweckt, der den Wahlkreis als erster Plaid-Politiker gewinnen konnte.
Ap Iorwerth wurde nach seinem Studium 1994 für die BBC Cymru Wales tätig und berichtete zunächst aus dem britischen Parlament. Nach dem Autonomiereferendum 1997, in dem eine knappe Mehrheit für die Ausweitung der Selbstverwaltung und Einrichtung eines walisischen Parlaments gestimmt hatte, kehrte er nach Wales zurück. Ab 2001 war er für fünf Jahre BBC-Chefkorrespondent in Wales, anschließend war er hauptsächlich als Moderator und Nachrichtensprecher tätig.
Politische Karriere bis 2026 2013 gab Ieuan Wyn Jones, der nach schlechten Ergebnissen schon im Vorjahr vom Parteivorsitz zurückgetreten war, auch sein Mandat als Abgeordneter der Senedd auf, womit sein Parlamentssitz in ap Iortwerths Heimatwahlkreis Ynys Môn vakant wurde. Ap Iorwerth kündigte daraufhin seine Stelle bei der BBC, um für Plaid Cymru bei der folgendenen Nachwahl anzutreten. Im Wahlkampf entbrannte eine Kontroverse um ap Iorwerths Position zur Kernkraft, da er Pläne zur Erweiterung und Modernisierung des (später stillgelegten) Kernkraftwerks Wylfa befürwortete. Plaid Cymru stand der Kernkraft zu diesem Zeitpunkt grundsätzlich ablehnend gegenüber und das Thema führte zu parteiinternen Streitigkeiten.
Mitglied der Senedd (2013–heute) Die Wahl am 1. August 2013 gewann ap Iorwerth deutlich; er erhielt 12.601 Stimmen, was einem Anteil von 58,24 % entsprach. Einen Tag später wurde er in der Senedd in Cardiff als Parlamentsabgeordneter vereidigt. Kommentare nach seinem Wahlsieg, die ihn als potenziellen zukünftigen Parteivorsitzenden sahen, bezeichnete er damals als "amüsant". Seine Wahl war auch von größerer politischer Bedeutung: Während der Vakanz des Sitzes hatte Labour kurzzeitig über eine absolute Mehrheit von einer einzigen Stimme verfügt; ap Iorwerths Wahl stellte die Pattsituation im Parlament wieder her. 2014 rückte er innerhalb der Plaid-Fraktion auf, als ihn die Vorsitzende Leanne Wood zum Fraktionssprecher für Wirtschaft und Verkehr ernannte. mini|Rhun ap Iorwerth als Parlamentsabgeordneter (2016)|alternativtext=Ein Portrait von Rhun ap Iorwerth, der in die Kamera lächelt. Er hat kurze, blonde Haare und blaugraue Augen. Er trägt ein dunkelgraues Jackett, ein weißes Hemd mit blauen Nadelstreifen und eine grellpinke Krawatte mit kaum erkennbaren roten Nadelstreifen. Bei der Wahl zur Senedd 2016 trat ap Iorwerth erneut an und konnte seinen Sitz mit 54,8 % der Stimmen verteidigen. Nach der Wahl ernannte Wood ihn zum Schatten-Gesundheitsminister in ihrem Schattenkabinett. Bei der Wahl zum Parteivorsitz 2018 bewarb sich ap Iorwerth um Woods Nachfolge, unterlag aber als Zweitplatzierter Adam Price. Ap Iorwerth übernahm daraufhin gemeinsam mit Siân Gwenllian den stellvertretenden Parteivorsitz. Zusätzlich ernannte Price ihn zunächst zum Sprecher für Wirtschaft und Finanzen, bevor er 2020 wieder das Gesundheitsressort übernahm.
Auch 2021 wurde er wiedergewählt; er erhielt 55,9 % der Stimmen in seinem Wahlkreis. Nach der Wahl wurde er in Price' neuem Schattenkabinett Sprecher für Gesundheit und Soziales. 2022 gab er bekannt, sich bei der Unterhauswahl 2024 im Wahlkreis Ynys Môn um einen Sitz im House of Commons bewerben zu wollen.
Vorsitzender von Plaid Cymru (2023–heute) 2023 musste Adam Price als Parteivorsitzender von Plaid zurücktreten, nachdem er infolge einer internen Untersuchung unter Druck geraten war, die eine Kultur von "Mobbing, Belästigung und Misogynie" in der Partei festgestellt hatte. Ap Iorwerth galt von Beginn an als Favorit auf Price' Nachfolge und wurde schließlich am 16. Juli ohne Gegenkandidaten zum neuen Parteivorsitzenden gewählt. Nach seiner Wahl betonte er, dass Plaid als Partei ein "sicherer Platz für alle" werden müsse. Da die Parteistatuten von Plaid vorschreiben, dass der Vorsitzende Mitglied der Senedd sein muss, gab ap Iorwerth seine Kandidatur für das House of Commons wieder auf. 2024 kündigte ap Iorwerth die Tolerierung der Labour-Regierung durch seine Partei einseitig auf, nachdem First Minister Vaughan Gething wegen einer kontroversen Wahlkampfspende in die Kritik geraten war. Gething kritisierte die Entscheidung, musste jedoch später zurücktreten und wurde von Eluned Morgan abgelöst. Ap Iorwerths Politikstil in der Opposition wurde in den Medien als konfrontativ beschrieben.
First Minister of Wales (2026–heute) Im Vorfeld der Wahl 2026 legten Umfragen nahe, dass Plaid Cymru zum ersten Mal stärkste Kraft in der Senedd werden, aber vermutlich keine absolute Mehrheit erreichen würde. Ap Iorwerth kündigte daraufhin im Januar 2026 an, nach der Wahl lieber eine Minderheitsregierung bilden zu wollen als eine Koalition einzugehen. Dieses Ergebnis trat bei der Wahl am 7. Mai dann auch tatsächlich ein: Plaid wurde mit 43 Sitzen zwar recht deutlich stärkste Kraft vor der zweitplatzierten Reform UK mit 34 Sitzen, für eine absolute Mehrheit wären aber 49 Sitze nötig. Für Plaid und Reform brachte die Wahl Rekordergebnisse, während Welsh Labour zum ersten Mal seit der ersten Senedd-Wahl 1999 den Status als stärkste Kraft verlor und auf nur neun Abgeordnete abrutschte. Ap Iorwerth betonte anschließend erneut, dass seine Partei eine Minderheitsregierung anstreben werde. Auch er selbst wurde wiedergewählt, nach einer Wahlrechtsreform nun als einer von sechs Abgeordneten des Wahlkreises Bangor Conwy Môn.mini|Ap Iorwerth nach seiner Wahl zum First Minister (2026)|alternativtext=Das Bild ist im Plenum des Walisischen Parlaments entstanden, man sieht die hölzernen Sitzreihen. Ap Iorwerth steht im Zentrum und Fokus des Bildes in der ersten Reihe an einem Rednerpult, blickt nach links und lächelt; er scheint jemandem zuzuhören. Er hat kurze, dunkelblonde Haare und trägt einen dunkelblauen Anzug mit offenem Jackett, einem hellblauen Hemd und einer bordeauxroten Krawatte mit weißen Punkten. Neben und hinter ihm stehen elf Personen, die ihm zulächeln und applaudieren. mini|Ap Iorwerth mit Premierminister Andy Burnham (2026)|alternativtext=Ein Foto von ap Iorwerth mit dem britischen Premierminister Andy Burnham. Sie stehen im Zentrum des Bildes und geben sich die Hand, beide lächeln. Ap Iorwerth steht auf der linken Seite, er ist circa einen halben Kopf größer als Burnham, hat sehr kurze, dunkelblonde Haare und trägt seinen dunkelblauen Anzug offen mit hellblauem Hemd und dunkelgrüner, hell gepunkteter Krawatte. Burnham hat etwas längere, braune Haare und trägt eine Brille mit breitem, schwarzem Rahmen. Sein Jackett ist schwarz und zugeknöpft, das Hemd weiß, die Krawatte dunkelgrün. Die beiden stehen vor einer weiß gefliesten Wand, am äußersten linken Bildrand ist eine Topfpflanze zu erkennen. In der ersten Sitzung der neuen Senedd am 12. Mai wurde ap Iorwerth schließlich zum neuen First Minister gewählt. Er erhielt 44 Stimmen bei 41 Gegenstimmen und zehn Enthaltungen. Für ihn stimmten die Mitglieder seiner Fraktion sowie die Abgeordneten der Green Party, während die 34 Abgeordneten von Reform und die sieben Abgeordneten der Torys jeweils für ihre eigenen Vorsitzenden stimmten. Die neun Abgeordneten von Labour sowie Jane Dodds, die einzige Abgeordnete der LibDems, enthielten sich. Ap Iorwerth wurde noch am selben Tag von Mary Stacey, Richterin am High Court of Justice, als First Minister vereidigt. Er ist der erste Amtsträger, der nicht der Labour Party angehört. Am Tag darauf ernannte ap Iorwerth sein Kabinett.
Sein erster Staatsbesuch führte ap Iorwerth im Juni 2026 nach Irland, wo er Präsidentin Catherine Connolly und Außenministerin Helen McEntee traf. Ap Iorwerth betonte, dass seine Regierung proeuropäisch ausgerichtet sei und eine enge Beziehung besonders mit der Republik Irland anstrebe. Konkret wurde über gemeinsame Nutzung von erneuerbaren Energien in der Irischen See diskutiert.
Im Juli geriet seine Regierung erstmals mit dem Rest des Parlaments in Konflikt, als die Labour-Fraktion deren Haushaltsentwurf die Zustimmung verweigerte, die sie zunächst eigentlich angekündigt hatte. Der Entwurf hätte unter anderem Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe in einen Ausbau der Kinderbetreuung vorgesehen, was als eines von Plaids wichtigsten Wahlkampfversprechen bezeichnet wurde.
Am 14. September 2026 traf ap Iorwerth den schottischen First Minister John Swinney und die nordirische First Minister Michelle O’Neill, wobei sie nicht in ihrer Eigenschaft als Regierungschefs, sondern als Parteipolitiker zusammenkamen. Die irische Sinn-Féin-Vorsitzende Mary Lou McDonald war ebenfalls anwesend. Das Treffen fand in Cardiff statt und wurde von Plaid Cymru organisiert. Alle Beteiligten befürworten grundsätzlich eine Unabhängigkeit ihres jeweiligen Landesteils bzw. im Fall Nordirlands eine Vereinigung mit der Republik Irland, weswegen das Treffen in den Medien teilweise "Unabhängigkeitsgipfel" genannt wurde. Im Cardiff Agreement, das nach dem Treffen veröffentlicht wurde, betonten die Teilnehmenden unter anderem das Recht auf Selbstbestimmung ihrer jeweiligen Nationen und merkten an, dass "die Zeit von Westminster sich dem Ende zuneige".
Politische Positionen mini|Ap Iorwerth spricht in der Senedd (2024)|alternativtext=Ap Iorwerth steht an einem Rednerpult, links ist ein kleines Mikrofon befestigt. Er spricht gerade, sein Mund ist geöffnet, sein Gesichtsausdruck forsch. Er trägt ein offenes, dunkelblaues Jackett mit hellblauem Hemd und einer bordeauxroten Krawatte mit dünnen, blau-weißen Streifen. Seine dunkelblonden Haare sind kurz, aber für seine Verhältnisse recht lang, und leicht gelockt. In der linken Hand hält er einige Papierseiten, die teilweise auf dem Rednerpult abgelegt sind, die rechte Hand scheint in Bewegung zu sein und macht eine bekräftigende Geste, der Zeigefinger ist gestreckt. Hinter ihm sitzen links ein Mann und rechts eine Frau, die jeweils einen Laptop vor sich haben und ap Iorwerth aufmerksam ansehen. Innerhalb von Plaid Cymru, das auch einen einflussreichen linken, gewerkschaftlich dominierten Flügel hat, wird ap Iorwerth den eher zentristischen Stimmen zugerechnet. Er selbst beschreibt sich als Linken, aber auch als Pragmatiker. In seiner Ernennung der Parteilinken Sioned Williams zu seiner Stellvertretenden als First Minister wurde ein parteiinterner Schulterschluss gesehen.