Straßenbahn Johannesburg war ein Verkehrsmittel des öffentlichen Nahverkehrs in Johannesburg, das von 1891 bis 1961 betrieben wurde. Die Stadt lag ab 1881 in der Region Transvaal der Südafrikanischen Republik und ab 1910 in der Südafrikanischen Union. Diese Staaten standen in unterschiedlich engen Abhängigkeiten zu Großbritannien. Diese Beziehungen waren dafür ursächlich, dass das Straßenbahnsystem in vielerlei Hinsicht britische Charakterelemente aufwies.
Geschichte Pferdebahn Die Geschichte der Johannesburger Straßenbahn begann im Jahr 1889, als der Ingenieur William Henry den Bau der ersten kapspurigen Straßenbahnlinie in Angriff nahm. Am 2. Februar 1891 wurde eine sechs Kilometer lange Pferdebahnlinie eröffnet. 1897 lehnte der Volksraad von Transvaal die Einführung einer elektrischen Straßenbahn ab.
Im Juli 1904 wurde die Straßenbahngesellschaft in den städtischen Betrieb übernommen.
Elektrischer Betrieb Anfang 1905 begann die Elektrifizierung der Straßenbahnlinien auf der Strecke vom Marktplatz nach Siemert, und ab dem 14. Februar 1906 wurde das Johannesburger Straßenbahnsystem auf Normalspur und elektrischen Betrieb umgestellt, obwohl die Pferdebahn vorerst weiterhin bestand. Zum letzten Mal verkehrte die Pferdebahn im Stadtteil Braamfontein am 16. Juli 1906, fünf Monate nach Einführung der elektrischen Straßenbahn.
Bis Ende 1906 waren 14 Straßenbahnlinien in Betrieb genommen worden. 1907 erschien im Street Railway Journal ein ausführlicher und bebilderter Artikel über den elektrischen Betrieb in Johannesburg. Erwähnt wurde ein Fahrzeugbestand von 110 Fahrzeugen im Personenverkehr, fünf Sprengwagen und drei Fahrzeuge für Güterverkehr.
Eine Besonderheit des Johannesburger Straßenbahnsystems war ab 1906 seine für das südliche Afrika eher ungewöhnliche Spurweite von 1435 mm, während auf den Eisenbahnen Südafrikas überwiegend die Spurweite von 1067 mm verwendet wurde. mini|Dreigleisige Straßenbahnstrecke vor dem Rathaus (1920er-Jahre) mini|Das Electric railway journal zeigte 1919 eine Reihe wartender Doppelstocktriebwagen
Am 21. Januar 1911 kam es zu einem Streik der Beschäftigten des Straßenbahndepots. Am 13. Januar 1914 begann in Johannesburg ein Generalstreik, der schließlich zur Verhängung des Kriegsrechts führte.
Bis 1925 erreichte die Länge des Streckennetzes 136 km, auf denen 191 Straßenbahnwagen verkehrten.
Im Jahr 1934 untersuchte eine von C. J. Spencer von London Transport geleitete Kommission – Spencer war zuvor Leiter einer der privaten Londoner Straßenbahngesellschaften vor der Verstaatlichung gewesen – den Straßenbahnbetrieb. Außerdem wurden die Gleise, darunter auch die Kensington-Strecke, zweigleisig ausgebaut und einige Strecken verlängert.
Am 26. August 1936 wurde das Johannesburger Obussystem eröffnet, das das Straßenbahnnetz der Stadt ergänzte. Vor dem Zweiten Weltkrieg verfügte Johannesburg über 242 Straßenbahnwagen sowie 138 Motorbusse und 38 Oberleitungsbusse.
Das Straßenbahnnetz Johannesburgs wurde zum größten Straßenbahnsystem im südlichen Afrika. Das Netz erstreckte sich auch über das eigentliche Stadtgebiet hinaus und erschloss die Vororte und Bergbaugebiete des Witwatersrand. Stilllegung 1954 beschlossen die Stadtbehörden, die Straßenbahn schrittweise durch Oberleitungsbusse zu ersetzen. Die Umstellung sollte innerhalb von sieben Jahren erfolgen. Der letzte reguläre Straßenbahnverkehr endete am 18. März 1961. Am selben Tag fanden Abschiedsfahrten statt; die letzte Fahrt eines elektrischen Straßenbahnwagens wurde vom Bürgermeister von Johannesburg, Dave Marais, durchgeführt. In seiner Abschiedsrede sagte er: „Man sagt, dass in einer Stadt wie Johannesburg kein Platz für Straßenbahnen ist.“ Anschließend wurden die Gleisanlagen abgebaut. Das Straßenbahnsystem Johannesburgs stellte seinen Betrieb am 18. März 1961 endgültig ein.
Fahrzeuge 1907 wurde angegeben, dass alle Fahrzeuge des Personenverkehrs von Dick, Kerr & Company geliefert worden waren – mit Ausnahme von aus den USA bezogenen Drehgestellen. Die Spezifikationen waren von Mordey & Dawbarn, einer Ingenieurfirma im Auftrag der Stadt Johannesburg, erarbeitet worden. Fahrzeuge für den Güterverkehr wären hingegen von der Gloucester Wagon Company beschafft worden.
1919 wurde berichtet, dass der gesamte Wagenpark aus Doppeldeckern bestanden habe. Weiters wurde angegeben, dass die Mehrheit der Straßenbahnfahrzeuge in Drehgestellbauart ausgeführt waren.
1934 wurde bekannt, dass Metropolitan Cammell „35 double deck bodies“ an die Johannesburg Corporation geliefert hatte. Eine andere Quelle gab die Lieferung von 50 Drehgestellwagen an. Diese Fahrzeuge verfügten über 76 Sitzplätze, davon 32 unten und 44 oben, plus 16 Stehplätze und hießen im Volksmund „Liners“.
Erscheinungsbild Die ursprüngliche Lackierung der ersten vierzig Wagen war hellbraun und cremefarben. Schon bald wurde jedoch für sämtliche Straßenbahnwagen eine Lackierung in dunklem Schokoladenbraun und Creme eingeführt. Die in den 1920er Jahren neu gebauten Drehgestellwagen erhielten eine Lackierung in Marineblau und Taubengrau. Ab 1934 wurden die Farben auf Kirschrot und Creme geändert.
Erinnerungskultur mini|Triebwagen 20, James Hall museum of Transport mini|Triebwagen 60 im National Tramway Museum, Crich, Großbritannien Im James Hall museum of Transport werden zumindest ein historischer Pferdebahnwagen als auch der Doppeldecker 20 aufbewahrt. Dieser hatte am Stilllegungstag im Jahr 1961 die Abschiedsfahrten durchgeführt.
Das südafrikanische Geschichtsportal THEHERITAGEPORTAL gibt an, dass sich auch der Streamliner 214 im genannten Museum befinde. Die australische Fachzeitschrift Trolley Wire listete im Jahr 1969 vier Straßenbahnwagen im Museumsbestand:
Zweiachser 20, geliefert 1905 von der United Electric Car Co. Ltd. Drehgestellwagen 200, gebaut 1928 vom Johannesburg Electricity Dept. Streamliner 214, geliefert 1936 von Metropolitan Cammell Weyman Pferdebahnwagen 8, gebaut 1891 von der G. F. Milnes & Company
Weiters ist im National Tramway Museum in Crich, Großbritannien, der Johannesburger Triebwagen 60 restauriert und betriebsfähig erhalten.
Rassentrennung mini|Dieser Triebwagen trägt ein in Afrikaans beschriftetes Hinweisschild zur Rassentrennung Die Straßenbahn war auch Ort der südafrikanischen Rassentrennung, die gemeinhin als Apartheid bezeichnet wird. In den Fahrzeugen gab es – wie auch sonst im öffentlichen Raum in Südafrika – separate Bereiche für weiße und nichtweiße Menschen.
Unfälle Über Unfälle wurde medial mehrfach berichtet:
Am 5. Dezember 1906 entgleiste bzw. kippte der Straßenbahnwagen Nr. 51 in Berea an der Ecke Tudhope Avenue und Abel Road um.
Am 27. März 1907 kollidierten am unteren Ende der Twist Street zwei Straßenbahnwagen. Als Ursache wurde Sichtbehinderung durch einen Heuschreckenschwarm angenommen.
Die Homepage johannesburg1912.com erwähnt ausdrücklich „zahlreiche Vorfälle von Straßenbahnunfällen nach dem Zweiten Weltkrieg“; einige derartige Vorfälle wurden mit Bildern umgestürzter Doppeldecker illustriert.
Literatur Martin Pabst: Tram & Trolley in Africa. Röhr Verlag, Krefeld 1989, ISBN 3-88490-152-4. Brian Patton: Double-Deck Trams of the World: Beyond the British Isles. Adam Gordon, Brora, Sutherland 2002, ISBN 1-874422-39-7. A. H. M. Spit; mit zusätzlichem Material von Brian Patton: Johannesburg Tramways: a history of the tramways of the City of Johannesburg. Light Railway Transport League, London 1976, ISBN 0-900433-55-8. H. Van T’Hoogerhuijs, J. M. Moerland, B. A. Schenk: Trams 1992. De Alk, Niederlande, ISBN 90-6013-883-X, S. 173–192.
Weblinks
Short history of trams in Johannesburg Electrically powered units replaced Johannesburg’s horse-drawn trams Johannesburg Tramways – A rare specialist item of city history Youtube-Video über die Straßenbahn Johannesburg Galerie mit Aufnahmen südafrikanischer Busse und Straßenbahnen
Einzelnachweise
Johannesburg Kategorie:Gegründet 1891 Kategorie:Aufgelöst 1961 Kategorie:Verkehr (Gauteng)