mini|235x235px|Photo: Bruno Märkl (2024) Radboud Oomens (* 25. August 1953 in Breda) ist ein niederländischer Violinist und Musikpädagoge. Er war Konzertmeister des Gelders Orkest und des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn und gehörte von 1984 bis 2017 der Gruppe der ersten Violinen des NDR Sinfonieorchesters (seit 2016 NDR Elbphilharmonie Orchester) an.
Neben der Orchesterarbeit trat er kammermusikalisch auf, unterrichtete Orchester- und Probespielpraxis und setzte sich für das Werk des niederländisch-ungarischen Komponisten Géza Frid ein. Seit dem Ende seiner festen Orchestertätigkeit arbeitet er insbesondere an dem Bach-Projekt Sei Solo für Violine und vier Gesangsstimmen.
Leben und Ausbildung Oomens erhielt ab 1959 Violinunterricht und studierte später bei Herman Krebbers am Sweelinck Conservatorium in Amsterdam. 1977 schloss er das Studium mit dem Prix d’Excellence ab. Beim Oscar-Back-Violinwettbewerb 1971 erhielt er den zweiten Preis; außerdem den Donemus-Preis und den Preis der Stadt Amsterdam. 1976 gewann er den damaligen Iordens-Wettbewerb in Den Haag.
Orchesterlaufbahn mini|272x272px|Photo: Bruno Märkl (2024) Nach Aushilfstätigkeiten beim Rotterdams Philharmonisch Orkest und einer Position als stellvertretender Konzertmeister beim Brabants Orkest wurde Oomens 1973, im Alter von 19 Jahren, erster Konzertmeister des Gelders Orkest in Arnhem. 1980 wechselte er als Konzertmeister zum Württembergischen Kammerorchester Heilbronn. In dieser Zeit wirkte er auch an Aufnahmen von Bach-Kantaten unter Helmuth Rilling mit.
Von 1984 bis zu seinem Ausscheiden aus dem festen Orchesterdienst 2017 spielte Oomens in der ersten Violine des NDR Sinfonieorchesters in Hamburg. Das Orchester wurde 2016 in NDR Elbphilharmonie Orchester umbenannt.
Kammermusik und Géza Frid Parallel zur Orchesterarbeit war Oomens in verschiedenen Kammermusikformationen tätig. Von 1987 bis 1991 spielte er im Trio Lipatti. 1991 gründete er in Hamburg das Trio Kairos mit der Pianistin Christiane Behn und dem Cellisten Johann Sebastian Paetsch; dem Ensemble gehörte er bis 1999 an. Das Trio trat 1996 in der Reihe Van heinde en ver in der Amsterdamer Beurs van Berlage mit einem Géza-Frid-Programm auf.
Gemeinsam mit Frids Sohn Arthur Frid war Oomens 1998 an der Gründung der Géza Frid Stichting beteiligt, die sich der Verbreitung und Dokumentation des Werks des Komponisten widmet. Nach Angaben der Stiftung machte Oomens auch das Amaryllis Quartett auf Frids Streichquartette aufmerksam.
Seit 2003 trat Oomens regelmäßig im Duo mit der Pianistin Irina Kolesnikova auf. Die Programme umfassten unter anderem Werke von Franz Schubert, Johannes Brahms, Géza Frid, Claude Debussy, Olivier Messiaen und Maurice Ravel. Regionale Konzertkritiken dokumentieren Duoabende in Buchholz, Ellwangen, Rheine und Bleckede.Traute Scheuermann: Viel Applaus für Violine und Klavier. In: Harburger Anzeigen und Nachrichten, 23. Mai 2004.Thomas Hampus: Duo im Höhenflug. In: Schwäbische Post, 4. Juli 2006.Alte Meister auf der Amati. In: Münsterländische Volkszeitung, 16. Februar 2008.
Musikpädagogische Tätigkeit Oomens leitete Kurse zum Orchestertutti und zur Vorbereitung auf Probespiele. Ein 2008 von der neuen musikzeitung angekündigter Meisterkurs an der Landesmusikakademie Rheinland-Pfalz verband die Arbeit an üblichem Probespielrepertoire mit Übungen zu den besonderen Anforderungen des Spiels in einer Orchesterstimmgruppe. In seinem Kurskonzept betonte er die gleichzeitige Wahrnehmung von Bogenführung, Artikulation, Intonation, Dynamik und den Impulsen der Stimmführung.
2017 wirkte Oomens an vorbereitenden Meisterkursen der Werkstatt Das Kritische Orchester an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin mit. Dort behandelte er Strichtechnik und Klangbalance im Orchesterspiel.
Projekt Sei Solo Nach dem Ende seiner festen NDR-Tätigkeit rückten die Sonaten und Partiten für Violine solo von Johann Sebastian Bach in den Mittelpunkt von Oomens’ Arbeit. Das Ensembleprojekt Sei Solo verbindet den unveränderten Violinpart mit vier Gesangsstimmen. Es beruht auf der Interpretation der Musikwissenschaftlerin Helga Thoene, die in den Soloviolinwerken Bezüge zu Choralmelodien und theologischen Symbolstrukturen herausgearbeitet hat. Diese Deutung wird im Projekt als Grundlage der vokalen Ergänzungen verwendet; sie ist als musikwissenschaftlicher Interpretationsansatz und nicht als allgemein gesicherter Befund zu verstehen.
Zur dokumentierten Besetzung gehören neben Oomens die Sopranistin Géraldine Jeannot, der Countertenor Maximin Marchand, der Tenor François Isserel-Savary und der Bass Johan Riphagen, der auch an den Arrangements beteiligt ist. Eine Aufführung im Temple Grignan in Marseille wurde 2024 von dem Musikblog Lyrica Massilia besprochen.
Rezensionen Die erhaltenen Rezensionen betreffen vor allem Oomens’ kammermusikalische Arbeit mit Irina Kolesnikova. Besprochen wurden dabei sowohl klassisch-romantisches Repertoire als auch Werke des 20. Jahrhunderts und die von Oomens programmatisch hervorgehobene Musik Géza Frids. Zwei Kritiken zu einem französischen Programm in Bleckede erschienen 2009 in der Bleckeder Zeitung und der Elbmarsch-Post.Konzert mit französischen Komponisten. In: Bleckeder Zeitung, 12. Februar 2009.Die hohe Kunst des Duo-Spiels. In: Elbmarsch-Post, 12. Februar 2009.
Weblinks
Offizielle Website Ensemble Sei Solo
Einzelnachweise
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