mini|Mercato von Addid Abeba (2008) Der Mercato (auch Merkato) ist ein großflächiges Markt- und Geschäftsviertel im Stadtbezirk Addis Ketema der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Das etwa 1,7 Quadratkilometer umfassende Marktgebiet gilt als der größte Freiluftmarkt Afrikas und als bedeutendes Handelszentrum Äthiopiens. Der Name leitet sich vom italienischen Wort mercato für „Markt“ ab.
Geschichte Vor der italienischen Besetzung Äthiopiens konzentrierte sich der wichtigste Markt Addis Abebas im Gebiet Arada, dem heutigen Piazza. Die italienische Kolonialverwaltung verlegte den einheimischen Handel ab 1936 westwärts und richtete im heutigen Addis Ketema einen neuen Markt ein. Die Verlagerung war Teil einer Stadtplanung, welche die Bevölkerung Addis Abebas nach ethnischen und rassistischen Kriterien räumlich trennen sollte. Die damals angelegte rasterförmige Straßenstruktur prägt Teile des Viertels bis heute.
Nach dem Ende der italienischen Besatzung 1941 blieb der Mercato das wichtigste Handelsgebiet der Stadt und expandierte in den folgenden Jahrzehnten erheblich. Bereits in den 1970er-Jahren bestanden dort etwa 4000 registrierte Unternehmen. Ende der 1990er Jahre geriet der Markt in eine existenzielle Bedrohung, als die malaysische Investmentfirma Adorna-Shebele 1999 zustimmte, den Pachtvertrag für das gesamte Gebiet zu erwerben und 6 Mrd. US-Dollar in dessen Umwandlung in ein „modernes“ Wirtschaftszentrum und eine Satellitenstadt zu investieren. Schließlich zog sich das malaysische Unternehmen mit der Begründung zurück, dass die Stadtverwaltung von Addis Abeba sich geweigert habe, 20 Millionen US-Dollar für die Umzugskosten der betroffenen Unternehmen bereitzustellen. 2003 wurde mit finanzieller Unterstützung aus Deutschland die Merkato Millennium Development Partnership gestartet um den Mark zu modernisieren, das Projekt wurde jedoch 2005 aufgegeben.
Wirtschaftliche Bedeutung Der Mercato bildet einen wichtigen Knotenpunkt des Groß- und Einzelhandels in Addis Abeba. Gehandelt werden unter anderem Lebensmittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse, Textilien, Kleidung, Haushaltswaren, Metallprodukte, Elektrogeräte und Schmuck. Hinzu kommen zahlreiche Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe. Die Marktaktivität war anfangs stark von Muslimen und der Ethnie der Gurage geprägt, ist heute allerdings multikulturell. Über 250.000 Menschen arbeiten und leben in seinem Einzugsgebiet des Marktes, und weitere 300.000 pendeln täglich dorthin, um zu arbeiten oder einzukaufen. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2014 beschrieb mehr als 7000 im Marktgebiet ansässige Unternehmen.
Charakteristisch ist die räumliche Spezialisierung des Marktes in sogenannte teras, in denen sich Händler und Betriebe bestimmter Waren- oder Gewerbegruppen konzentrieren. Der Mercato fungiert dadurch sowohl als Absatzmarkt für Verbraucher als auch als Großhandels- und Verteilungszentrum für Waren, die in andere Teile Addis Abebas und Äthiopiens weitertransportiert werden. Gehandelt werden eine breite Palette an Waren, von traditionellen äthiopischen Gewürzen, anderen Lebensmitteln, Medizin und Textilien bis hin zu moderner Elektronik und Haushaltswaren.
Tourismus Der Mercato gehört zu den bekannten Sehenswürdigkeiten Addis Abebas und wird als touristisches Ziel vermarktet. Für Besucher sind insbesondere die Bereiche mit Kaffee, Gewürzen, Textilien, Korbwaren und anderem äthiopischen Kunsthandwerk von Interesse. Die staatliche äthiopische Tourismuswerbung führt den Mercato als einen der bedeutenden Märkte und Einkaufsorte der Hauptstadt. Insgesamt ist der Markt jedoch auf die Versorgung der einheimischen Bevölkerung ausgerichtet und nicht auf den Bedarf von Touristen.
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Kategorie:Addis Abeba Kategorie:Wirtschaft (Äthiopien)