Die Schlacht bei Kaniw fand am 26. Juli 1662 während des Russisch-Polnischen Krieges 1654–1667 statt.

Hintergrund Der Sieg der Polen-Litauen in der Schlacht bei Tschudniw am 14. Oktober 1660 führte dazu, dass der Kosakenhetman Jurij Chmelnyzkyj jeglichen Willen zum weiteren Kampf verlor. Nach Verhandlungen einigten sich beide Seiten am 17. Oktober 1660 auf den Abschluss des Vertrags von Cudnów.

Dieser sah die Wiederherstellung des Vertrags von Hadjatsch vor, mit Ausnahme der Bestimmungen über die Errichtung eines Ruthenischen Fürstentums auf dem Gebiet der ukrainischen Woiwodschaften Woiwodschaft Czernihów, Woiwodschaft Kiew und Woiwodschaft Bracław. Das Saporoger Heer unter Hetman Jurij Chmelnyzkyj sagte sich vom Moskauer Zaren los und verpflichtete sich zur Treue gegenüber dem polnischen König. Zu ihren Bestimmungen gehörte außerdem die erneute rechtliche Eingliederung der Gebiete der ukrainischen Woiwodschaften in die Polnisch-Litauische Republik.Romuald Romanski S. 173–177

Keine neue Kampagne der polnisch-litauischen Truppen kam in 1661 und in der ersten Hälfte des Jahres 1662 zustande, da ein Konflikt über die Wahl eines Nachfolgers vivente rege (also noch zu Lebzeiten des regierenden Königs) ausbrach. Der polnische Hof unter Führung von Königin Luisa Maria Gonzaga setzte sich für die Wahl eines französischen Kandidaten ein. Dies stieß jedoch auf den Widerstand großer Teile des Adels (Szlachta) sowie der Magnaten, sodass die geplante Militärexpedition nicht verwirklicht wurde. Im Jahr 1661 erhoben sich auch die polnische und die litauische Armee wegen ausbleibenden Soldes ("Związek Święcony" beziehungsweise "Związek Braterski"). Adam Kersten S. 501–519

Hetman Jurij Chmelnyzkyj versuchte mit Unterstützung der Krimtataren und kleinerer polnischer Truppenkontingente, die Opposition gegen seinen außenpolitischen Kurs zu beseitigen, die sich in den Regimentern der Linksufer-Ukraine gebildet hatte. Ihr Anführer war der Perejaslawer Oberst Jakym Somko, Onkel Chmelnyzkyjs. Bis zum Jahr 1661 hatte sich das Hetmanat entlang des Dnepr in zwei verfeindete Lager gespalten. Nachdem die Belagerungen von Perejaslaw in 1661 erfolglos geblieben war, hob Chmelnyzkyj am 4. Dezember 1661 die Belagerung auf und zog gegen Tschernihiw und andere Städte weiter. Die Krimhorde versuchte daraufhin, Sewsk anzugreifen, erlitt jedoch eine Niederlage und zog sich nach Süden zurück. Kurz darauf sah sich auch Chmelnyzkyj gezwungen, auf das rechte Ufer des Dnepr zurückzukehren.Igor Babulin S. 23–25

Ebenfalls erfolglos blieben die militärischen Operationen des Tschyhyryner Obersten Iwan Bohun auf dem linken Dneprufer im Frühjahr 1662. Als während der letzten Belagerung im Juli 1662 das Heer von Grigori Romodanowski zur Unterstützung Perejaslaws eintraf, hob Chmelnyzkyj die Belagerung auf und zog sich nach Südosten in Richtung Kanew zurück, wo er am linken Ufer des Dnepr ein Lager errichtete. Dort wurde er von den Truppen Romodanowskis und Somkos eingeholt.

Die Schlacht Als das Heer Chmelnyzkyjs vom Heranrücken der feindlichen Truppen erfuhr, verschanzte es sich in einem befestigten Wagenlager und entsandte Romodanowskij einen berittenen Verband entgegen, in der Hoffnung, ihn während des Marsches überraschend angreifen zu können. Der Überraschungsangriff misslang jedoch, da Romodanowskijs Truppen bereits in Gefechtsordnung marschierten. Die Reiterei kehrte unverrichteter Dinge zu Chmelnyzkyj zurück.

In diesem Augenblick verließen die Krimtataren, die die Gefahr erkannten, den Hetman und zogen sich hastig von Kanew zurück. Als das zaristische und linksufrige Heer bis auf Kanonenschussweite an Chmelnyzkyjs Lager herangekommen war, schickte dieser seine Reiterei gegen den Gegner. Sie traf auf die Kosaken Somkos, die die Vorhut der vorrückenden Armee bildeten. Als Romodanowskijs Reiterregimenter und berittene Lanzenträger in den Kampf eingriffen, gerieten die rechtsufrigen Kosaken ins Wanken und begannen sich zurückzuziehen.

Romodanowskijs und Somkos Kämpfer drangen ihnen unmittelbar folgend in das Lager ein. Viele rechtsufrige Kosaken versuchten, sich durch die Flucht zu retten, und begannen, den Dnepr schwimmend zu überqueren. Laut der Chronik des Augenzeugen sprangen die Flüchtenden „so zahlreich in den Dnepr, dass der Fluss von Menschen bedeckt war und man kaum noch das Wasser erkennen konnte“.

Die meisten Quellen stimmen darin überein, dass der Großteil der enormen Verluste Chmelnyzkyjs auf Ertrunkene zurückzuführen war. Dies wird indirekt durch die Breite des Dnepr an dieser Stelle bestätigt, die mehr als 1000 Meter beträgt. Der polnische Chronist Joachim Jerlicz berichtet zudem, dass die Kosaken und Polen, die das rechte Ufer erreichten, von feindlich gesinnten Bauern aus der Umgebung aufgegriffen und getötet wurden. Einen Teil der Überlebenden ließ auch der von Chmelnyzkyj abgefallene Kanewer Oberst Iwan Lysohub festnehmen und hinrichten.Igor Babulin S. 42

Chmelnyzkyj selbst verbarg sich mit einem Teil seiner Anhänger in einem nahegelegenen Wald und erreichte später einen Dnepr-Übergang. Zwei polnische Dragonerregimenter, zu denen auch deutsche und walachische Söldner gehörten, blieben zusammen mit einem Teil der Kosaken zur Verteidigung des Trosses zurück, wurden jedoch vollständig vernichtet oder gefangen genommen. Nach Aussagen von Teilnehmern der Schlacht dauerte das gesamte Gefecht lediglich drei bis vier Stunden.

Als Reaktion auf diese Siegesmeldung schickte der Zar den Hofbeamten Fürst Iwan Iwanowitsch Gagarin zum Regiment Romodanowskijs, „um ihnen für ihren Dienst den zarischen Sold zu überbringen und sich nach ihrem Wohlergehen zu erkundigen“.Igor Babulin S. 46–47

Folgen Nach der Niederlage bei Kanew zog sich Jurij Chmelnyzkyj, der sich in einem Wald verborgen und so der Gefangennahme entgangen war, mit einer kleinen Truppe nach Tscherkassy zurück. In Erinnerung an die Katastrophe von Tschudniw, mit der der Feldzug auf das rechte Dneprufer zwei Jahre zuvor geendet hatte, verhielt sich das russische Kommando vorsichtig. Es beschloss, Chmelnyzkyj lediglich eine kleinere Abteilung von etwa 5000 Mann unter der Führung von Michail Priklonski nachzusenden. Deren Aufgabe bestand darin, mehrere Regimenter am rechten Dneprufer zum Treueid auf den Zaren zu bewegen, um einen späteren groß angelegten Feldzug vorzubereiten. Priklonski besetzte Tscherkassy sowie mehrere benachbarte Städte.

In diesem entscheidenden Moment traf jedoch ein starkes krimtatarisches Heer unter dem Kommando tatarischer Prinzen bei Chmelnyzkyj ein. Das Krim-Khanat befürchtete eine übermäßige Stärkung Moskaus durch die Kontrolle des Hetmanats auf beiden Seiten des Dnepr. Als Priklonski vom Eintreffen der Krimtataren erfuhr, wandte er sich nach Osten, in der Hoffnung, sich mit dem Hauptheer Romodanowskis zu vereinigen, das sich noch immer am linken Dneprufer befand. An einem Dnepr-Übergang nahe Buschyn wurde seine Truppe jedoch von dem etwa 25.000 Mann starken Heer der Krimtataren und Chmelnyzkyjs eingeholt und in der Schlacht bei Buschyn schwer geschlagen.

Dennoch war Chmelnyzkyj nicht mehr in der Lage, die Linksuferukraine seiner Herrschaft zu unterwerfen. Die Niederlage bei Kanew hatte seinen Ruf als Feldherr unter den Kosaken endgültig zerstört. Kurz darauf legte er die Hetmanswürde nieder.Igor Babulin S. 48

Literatur Romuald Romanski – "Historyczne Bitwy – Cudnow 1660", Warszawa: Bellona, 1996 Adam Kersten "Stefan Czarniecki 1599–1665", Lublin 2005 Urszula Augustyniak: Historia Polski 1572–1795, 2008. Igor Babulin, Каневская битва 16 июля 1662 года [Schlacht von Kanev, Juli 16, 1662]. Moscow, 2015

Einzelnachweise

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