mini|Übersichtskarte mit den Kirchen auf Murano Santa Maria delle Dimesse war ein Haus für Frauen, die aus religiösen Motiven eine Gemeinschaft bilden wollten, ohne jedoch ein Gelübde ablegen zu müssen oder in ein Kloster zu gehen. Es entstand 1593 oder 1594 auf der venezianischen Insel Murano,Jutta Gisela Sperling: Convents and the Body Politic in Late Renaissance Venice, PhD, University of Chicago Press, 1999, S. 29 (Gründungsjahr 1593) und S. 249 (1594) genauer auf der Insel San Donato, und war vor allem ein Haus für Witwen (dimesse). Dort entstand ab 1600 ein Oratorium, das den dort lebenden Frauen mit bischöflicher Genehmigung – zuständig war der Bischof von Torcello – und durch einen Priester als Kirche dienen durfte. Das Haus wurde unter Napoleon aufgelöst, endgültig im Jahr 1811.
Geschichte Für Frauen, die ohne die Bindung durch Gelübde in religiös motivierter Zurückgezogenheit leben wollten, gründete der in Venedig geborene Antonio Pagani (1526–1589), ein Observant des Franziskanerordens, 1579 eine Kongregation in Vicenza, die 1584 vom örtlichen Bischof anerkannt wurde. Rund zehn Jahre später wollte eine der Frauen, Angela Paladino, ein eigenes Haus in Venedig gründen, wozu ihr die Oberin des Vicentiner Hauses, Dejanira Valmarana († 1603), zwei Angehörige des Hauses als Begleiterinnen mitgab, nämlich Maria Caterina Fiorini (die als Oberin des neuen Hauses vorgesehen war) und Maria Diana Crivelli (als Beraterin). Die Schwiegermutter Angela Paladinos, Maria Cristina Oddoni, nahm sie ein Jahr lang auf, dann erwarben die Frauen ein geeignetes Haus auf Murano. Dort schlossen sich weitere Frauen an, und, als Crivelli in Vicenza zur Oberin gewählt wurde, wurde Maria Angela Paladina zur Oberin des Hauses auf der Insel gewählt.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 660.
Mit Genehmigung des Bischofs von Torcello und späteren Patriarchen von Venedig, Antonio Grimani, entstand dort ein Oratorium. Am 19. August 1600 gestattete derselbe Bischof tägliche Messen, vor allem aber, dass den dort lebenden Frauen die Sakramente gespendet werden durften. Dabei setzte er durch, dass der dazu gewählte Priester einer der Kapitulare der Hauptpfarrei San Donato auf Murano sein musste. Um die Anerkennung als zuständige Pfarrei auch symbolisch anzuerkennen, mussten die Frauen eine jährliche Abgabe von zwei Wachskerzen leisten und die österlichen Sakramente ausschließlich dort zur Feier der Auferstehung Jesu Christi empfangen. Aus Rom erhielt das Haus eine Reihe von Reliquien, die aus den dortigen Katakomben stammten.
1610 wurde Maria Alberghetti († 1664),Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil III,1, Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1791, S. 55 f.: „ein wegen seiner andächtigen Schriften und geistlichen Gedichte berühmtes Frauenzimmer“. am 4. September 1573 in Venedig geboren, auf Wunsch der Bewohnerinnen zur Superiorin des Hauses gewählt, in dem sie sich bereits ab dem Jahr 1600 längere Zeit aufgehalten hatte. Allerdings musste sie wegen des InterdiktsPietro Pirri: L’interdetto di Venezia del 1606 e i gesuiti, Rom 1959. 1606 nach Murano zurückkehren – Venedig verlangte die letzte Entscheidung über die Einrichtung neuer Klöster und Kirchen, was der Papst ablehnte. 1615 verließ sie Murano und ging nach Padua, um auch dort ein Dimesse-Haus zu gründen.Johann Christoph Adelung: Fortsetzungen und Ergänzungen zu Christian Gottlieb Jöchers allgemeinem Gelehrten-Lexico, worin die Schriftsteller aller Stände und Schriften beschrieben werden, Gleditsch, Leipzig 1784, Sp. 403 f.
Zur Ausstattung schreibt Johann Christoph Maier in seiner 1791 erschienenen Beschreibung von Venedig: „Hier findet sich ein sehr schönes Gemälde von Carletto Caliari,Auch Carlo Caliari. Er war der jüngere Sohn und Schüler von Paolo Veronese (Caliari) und lebte von 1570 bis 1596. das Christum am Tische mit dem Zöllner vorstellet. Man entdekt in demselbigen einige Züge, die Pauls selbsten würdig wären, wenn sie anders nicht wirklich von ihm sind. Das schöne Altarblatt, mit der Madonna über dem Monde, und einer sehr angenehmen und lieblichen Landschaft in der Ferne, ist von Ludwig Pozzosarato, einem Flamänder“.
Unter Napoleon wurden die auf dem Gebiet der Republik Venedig bestehenden Häuser aufgelöst,Jonathan E. Glixon: Mirrors of Heaven or Worldly Theaters? Venetian Nunneries and Their Music, Oxford University Press, 2017, S. 341. nur das Haus in Udine blieb bestehen und existiert bis heute.La storia, Website des Collegio Dimesse Udine.
Literatur Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 660 f. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil III,1, Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1791, S. 55 f. („Le Dimesse“). (Digitalisat) Bernardino Benzi: Vita Della Venerabil Madre Maria Alberghetti Venetiana Svperiora Delle Reverende Dimesse Di Padova, Ignatio de’ Lazeri, Rom 1672. (Digitalisat) Gli ordini della divota Compagnia delle Dimesse, che viuono sotto il nome, e la protettione della Purissima Madre di Dio Maria Vergine, Domenico Nicolini, Venedig 1587. (Digitalisat)
Weblinks Madre Maria Alberghetti (1578–1664). Fondatrice della Casa delle Dimesse di Padova (21 maggio 1615), Website der Paduaner Dimesse Giacomo Guardi: View of the Dimesse Monastery in Murano, Tempera auf Papier, 10 × 19 cm, Sammlung Thyssen-Bornemisza, Lugano
Anmerkungen
Maria delle Dimesse Kategorie:Kirche auf Murano Kategorie:Murano Murano Kategorie:Kirchengebäude im Patriarchat von Venedig