mini|Lorenzo Naldini (?) – Scène de bataille (le passage du Granique ?), Bronze, Höhe: 81,5 cm; Breite: 181 cm. Zuschreibung von Philippe Sénéchal Lorenzo Naldini, genannt Guazzetto (* in Florenz, Geburtsjahr unbekannt; † vermutlich Anfang 1568 in Frankreich), war ein italienischer Bildhauer. Vasari erwähnt Naldini in der Vita des Giovanfrancesco Rustici als Mitglied von dessen Werkstattkreis und der Compagnia del Paiuolo. Er bemerkt, dass Naldini in Frankreich zahlreiche Bildhauerarbeiten in hoher Qualität ausgeführt habe, räumt aber zugleich ein, dass er über die im Ausland entstandenen Werke keine näheren Kenntnisse besitze. Tommaso Mozzati vermutet, dass Naldini seinem Lehrer Rustici unmittelbar nach seiner Ankunft in Frankreich bei der Ausführung des nie vollendeten bronzenen Reiterstandbilds für Franz I. assistierte. Dies lasse sich aus mehreren Dokumenten zu Naldinis Beteiligung an Bronzegussarbeiten erschließen.
Leben Über die Herkunft und das Geburtsjahr von Lorenzo Naldini liegen keine gesicherten Angaben vor. Er war Schüler des Bildhauers Giovanfrancesco Rustici in Florenz und gehörte, wie Giorgio Vasari in dessen Vita berichtet, der Compagnia del Paiuolo an. Nach der Vertreibung der Medici aus Florenz im Jahr 1528 folgte Naldini seinem Lehrer Rustici nach Frankreich. Laut Vasari kehrte Naldini 1540 kurzzeitig nach Florenz zurück. In Frankreich ist Naldini von 1534 bis 1567 urkundlich nachweisbar. Ab 1534 wird er in den Comptes des bâtiments du roi als peintre et imagier florentin für Arbeiten am Schloss Fontainebleau geführt, zunächst unter der Leitung Rosso Fiorentinos, später unter der des Francesco Primaticcio. Zwischen 1534 und 1537 wirkte er an den Stuckdekorationen der königlichen Gemächer mit und restaurierte Figuren und Tafeln aus Korallen in den Kabinetten Franz’ I. Ähnliche Ausbesserungsarbeiten führte er an den unter Primaticcios Leitung in Fontainebleau gegossenen Bronzekopien antiker Skulpturen aus dem Belvedere-Hof des Vatikans aus. Diese beruhten auf Abgüssen, die bis 1541 in Rom angefertigt worden waren. Die Bronzen waren bereits 1543 vollendet. Im selben Jahr besserte Naldini auch das Wachsmodell für die Kopie des Laokoon aus. Diese Arbeiten an den Bronzen fallen somit zeitlich nach dem von Vasari auf 1540 datierten kurzen Florenz-Aufenthalt.
Ein Dokument aus dem Jahr 1542 belegt Naldinis Beteiligung an der Ausschmückung des heute zerstörten Lettners (jubé) der Pariser Kirche St-Germain-l’Auxerrois unter der Leitung des Architekten Pierre Lescot. Der Bildhauer Simon Leroy führte dabei sechs Engelsfiguren nach Modellen Naldinis aus. Im Jahr 1543 lebte Naldini im Pariser Faubourg Saint-Germain und erhielt von Bénigne Leserre, dem Präsidenten der Chambre des comptes von Dijon, den Auftrag für mehrere Terrakottastatuen, die nicht näher identifiziert werden konnten. Im Jahr 1561 ist seine Mitarbeit am Bauvorhaben in Fontainebleau erneut dokumentiert, diesmal für Holzskulpturen im Garten der Königin. Aus den Jahren 1565/66 sind Zahlungen für Arbeiten in Marmor sowie für Wachsmodelle überliefert, die in Bronze übertragen werden sollten. Dies betraf das Grabmal Heinrichs II., das unter der Leitung Primaticcios ausgeführt werden sollte. Die geplanten Bronzereliefs wurden jedoch nie umgesetzt.
Im Jahr 1567 verpflichtete sich Naldini gemeinsam mit dem Gießer Mathurin Chevallier, seinem Schwiegersohn, vertraglich dazu, das Grabmonument für Prinz Charles de La Roche-sur-Yon in der Kirche von Beaupréau in Anjou auszuführen. Eine notarielle Urkunde vom 9. Mai 1568 vermerkt, dass Naldini zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war. Der Auftrag ging daraufhin an die Brüder Pierre und François Lhereux über. Der genaue Ort und Zeitpunkt seines Todes sind nicht bekannt, Lorenzo Naldini starb jedoch vermutlich in Frankreich in den ersten Monaten des Jahres 1568, denn in den im selben Jahr veröffentlichten Vite Vasaris wird Naldini noch als lebend erwähnt.
Werk Kein Werk ist eindeutig Naldini zuzuschreiben. In der kunsthistorischen Forschung wurden auf Grundlage stilistischer Erwägungen mehrere Zuschreibungsvorschläge gemacht. Geneviève Bresc-Bautier schlug Naldini als möglichen Urheber des im Louvre aufbewahrten Bronzereliefs Passage du Granique (Übergang über den Granikos) aus Fontainebleau vor. Sie vermutete darin einen ersten Entwurf für die Reliefs des Grabmals Heinrichs II. Cécile Scailliérez brachte eine mögliche Zusammenarbeit Naldinis mit Simon Le Roy an den steinernen Reliefs der vier Evangelisten am Kapellenaltar des Schlosses Écouen (heute Musée Condé, Chantilly) ins Gespräch. Philippe Sénéchal schlug Naldinis Namen für ein marmornes Combattimento di cavalieri (ehemals im Kunsthandel) sowie für den bronzenen Reiter zu Pferd im Rijksmuseum Amsterdam vor. Letzterer knüpft an Leonardo da Vinci an. Die liegende Bronzefigur des Grabmals des Grafen Alberto III. Pio da Carpi (Louvre), für die in der älteren Forschung (Louis Dimier, Ulrich Middeldorf) alternativ auch Naldinis Name genannt wurde, wird in der heutigen Forschung übereinstimmend Giovanfrancesco Rustici zugeschrieben.
Literatur Léon de Laborde: Les comptes des bâtiments du roi (1528–1571), suivis de documents inédits sur les châteaux royaux et les beaux-arts au XVIe siècle. 2 Bde., Paris 1877–1880. Catherine Grodecki (Hrsg.): Documents du Minutier central des notaires de Paris. Histoire de l’art au XVIe siècle (1540–1600). II: Sculpture, peinture, broderie, émail et faïence, orfèvrerie, armures. Paris 1986, Nr. 635–637. Giorgio Vasari: Le vite de’ più eccellenti pittori, scultori ed architettori. (1550–1568), hrsg. von Paola Barocchi und Rosanna Bettarini. Florenz 1976 ff., Bd. IV, S. 488; Bd. V/1, 1984, S. 481, 487 f. Louis Dimier: Le Primatice, peintre, sculpteur et architecte des rois de France. Paris 1900.
Maurice Roy: Le tombeau du prince Charles de Bourbon (1568). In: Gazette des Beaux-Arts. 6e période, t. 4, 1930, S. 100–111, hier S. 103, 111 f. Ulrich Middeldorf: On some portrait busts attributed to Leone Leoni. In: The Burlington Magazine. 117 (1975), S. 84–91, hier S. 88. Janet Cox-Rearick: The Collection of Francis I: Royal Treasures. Antwerp 1995, S. 285, 288, 326 f., 353. Geneviève Bresc-Bautier: Les sculpteurs des Bâtiments du roi sous Henri II. In: Hervé Oursel, Julia Fritsch (Hrsg.): Henri II et les arts. Paris 2003, S. 121, 128–130. Geneviève Bresc-Bautier: Les sculpteurs de Primatice. In: Dominique Cordellier (Hrsg.): Primatice, maître de Fontainebleau. Paris 2004, S. 31–37, hier S. 31, 33 f. Cécile Scailliérez: Rosso. Le Christ mort. Paris 2004, S. 29. Philippe Sénéchal: Giovan Francesco Rustici (1475–1554). Un sculpteur de la Renaissance entre Florence et Paris. Paris 2007. Tommaso Mozzati: Giovanfrancesco Rustici. Le Compagnie del Paiuolo e della Cazzuola. Arte, letteratura, festa nell’età della Maniera. Florenz 2008. Martina Minning: Giovan Francesco Rustici (1475–1554). Untersuchungen zu Leben und Werk des Florentiner Bildhauers. Münster 2010. Martina Minning: Che tutto sia messo ne l’oblivione. Giovanfrancesco Rustici in Francia. In: Tommaso Mozzati, Beatrice Paolozzi Strozzi, Philippe Sénéchal (Hrsg.): I grandi bronzi del Battistero. Giovanfrancesco Rustici e Leonardo. Florenz 2010, S. 195, 207.
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer der Renaissance Kategorie:Bildhauer (Florenz) Kategorie:Bildhauer (Frankreich) Kategorie:Historische Person (Italien) Kategorie:Geboren im 15. oder 16. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1568 Kategorie:Mann