mini|hochkant=0.8|Ülle Madise (2015) Ülle Madise (* 11. Dezember 1974 als Ülle Anton in Tartu) ist eine estnische Rechtswissenschaftlerin und parteilose Politikerin. Sie ist designierte Staatspräsidentin Estlands. Seit 2015 ist sie Justizkanzlerin des Landes.

Werdegang Madise ist die Tochter des Politikers und Verfassungsrichters Tõnu Anton (* 1953). Sie erlangte 1993 an der Tartu Descartes'i Kool die Hochschulreife. Anschließend studierte sie Jura an der Universität Tartu. Sie schloss das Studium mit dem Master ab. 2007 wurde sie bei Wolfgang Drechsler an der Technischen Universität Tallinn promoviert.

Bereits während ihres Studiums arbeitete Madise von 1997 bis 2002 in der Abteilung für Öffentliches Recht des Justizministeriums. Danach war sie von 2002 bis 2005 im Sekretariat des Verfassungsausschusses des Riigikogu, des estnischen Parlaments, tätig und von 2005 bis 2008 Prüferin am nationalen Rechnungshof. Parallel dazu lehrte sie von 2005 bis 2009 als Dozentin für Verfassungsrecht und Verwaltungsrecht an der Technischen Universität Tallinn und war von 2006 bis 2010 Mitglied des nationalen Wahlausschusses.

Madise wurde 2009 Professorin für Öffentliches Recht an der Technischen Universität Tallinn; 2011 ging sie als Professorin für Verfassungsrecht an die Universität Tartu. Daneben arbeitete sie von 2009 bis 2015 als Rechtsberaterin des estnischen Staatspräsidenten Toomas Hendrik Ilves. 2015 wurde sie vom Riigikogu zur Justizkanzlerin gewählt. Der Justizkanzler ist ein unabhängiges Verfassungsorgan und hat als Ombudsmann weitreichende Kompetenzen in der Verfassungsprüfung. 2021 wurde sie für eine weitere Amtszeit wiedergewählt. 2016 endete ihre Professur, sie lehrte aber bis 2021 weiter als Gastprofessorin an der Universität Tartu. Madise gilt als liberal und als Verteidigerin von Bürgerrechten.

Bei der Präsidentschaftswahl 2026 wurde Madise im ersten Wahlgang am 2. September mit 71 von 78 Stimmen vom Riigikogu zur Präsidentin der Republik Estland gewählt. Sie hatte eine Mehrheit von mindestens zwei Dritteln der Stimmen der gesetzlichen Mitgliederzahl des Riigikogu (101 Sitze) benötigt (68 Ja-Stimmen). Im Vorfeld der Wahl war sie von den beiden Regierungsparteien RE und E200 sowie von den zwei Oppositionskräften SDE und Isamaa nominiert worden. Sie tritt das Amt am 12. Oktober 2026 an.

Sie ist seit 2000 mit dem Richter Lauri Madise (* 1974) verheiratet. Madise beherrscht neben Estnisch und Englisch auch die deutsche Sprache, die sie als „die Sprache der Wissenschaft“ bezeichnete.

Weblinks

Ülle Madise auf der Website des Justizkanzlers (englisch)

Einzelnachweise

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