Die Princesa da Beira war ein 1759 gebautes und nominelles 64-Kanonen-Linienschiff der portugiesischen Marine, das bis 1793 zunächst den Namen Nossa Senhora da Ajuda e São Pedro de Alcântara trug. 1808 kam sie kurzzeitig in französische Hände und diente nach der Rückgabe nur noch als Hilfsschiff bis zum Verkauf 1834.
Geschichte Bau Die spätere Princesa da Beira wurde von Schiffbaumeister Manuel Vicente Nunes (1711–1775) entworfen, der zahlreiche Linienschiffe des Landes konstruierte wie etwa die São José e Nossa Senhora das Mercês (1761), die Afonso de Albuquerque (1767) oder die Nossa Senhora da Conceição (1771). Die Princesa da Beira wurde im Marinearsenal von Lissabon am 11. Mai 1748 auf Kiel gelegt und lief dort am 29. März 1759 in Anwesenheit der königlichen Familie vom Stapel. Sie erhielt den Namen Nossa Senhora da Ajuda e São Pedro de Alcântara einerseits nach dem auf Portugal beschränkten Marientitel Unseren Liebe Frau von der Hilfe für Maria, die Mutter Jesu und nach dem Heiligen Petrus von Alcantara.Nuno Saldanha: Manuel Vicente Nunes (1711-c.1775) – Subsídios para a História da Construção e Arquitetura Naval do século XVIII em Portugal, S. 139Nossa Senhora de Ajuda e Sao Pedro de Alcantara, bei threedecks.orgNavios da Real Marinha de Guerra Portuguesa I, bei marinhadeguerraportuguesa.blogspot.com
Einsatzgeschichte Ab Indienststellung 1760 setzte die Marine die Nossa Senhora da Ajuda e São Pedro de Alcântara vorwiegend zur Sicherung der Brasilien-Konvois und der Goldtransporte an Bord des Kriegsschiffes ein. Bei der ersten dieser Fahrten lief sie am 30. August 1760 von Lissabon aus und eskortierte einen Konvoi von 32 Handelsschiffen nach Brasilien. Auf der zweiten Fahrt im Folgejahr brachte die Nossa Senhora da Ajuda e São Pedro de Alcântara die aus Brasilien ausgewiesenen Jesuiten nach Portugal.Zur Vertreibung der Jesuiten aus Brasilien ab 1761 vgl. Oscar T. Matsuura: A expulsão dos jesuítas (1759) bei revistacienciaecultura.org.br und: Christine Vogel: Die Aufhebung der Gesellschaft Jesu (1758–1773). In: Europäische Geschichte Online, hrsg. vom Institut für Europäische Geschichte (Mainz), 2010
Von 1774 bis 1777 gehörte das Schiff der in Brasilien stationierten Esquadra do Sul, dem Südgeschwader, an.Augusto Alves Salgado: História da Marinha Portuguesa: Viagens e operações navais (1668–1823), S. 126 Während des Spanisch-Portugiesischen Krieges (1776–1777) befand sich die Nossa Senhora da Ajuda e São Pedro de Alcântara in Brasilien. Während der Suche nach einem spanischen Verband mit dem Linienschiff San Agustín traf sie mit zwei weiteren Linienschiffen des Geschwaders am 12. Juni 1777 bei der vor Brasilien liegenden Insel Santa Catarina auf ein unbekanntes Kriegsschiff, das sie für eine spanische Einheit hielten, und geriet mit ihm ins Gefecht. Erst nach Stunden stellten beide Parteien fest, dass dies die Nossa Senhora dos Prazeres war, die ebenfalls zur Esquadra do Sul gehörte. Diese Begegnung hatte auf den Schiffen rund 50 Tote und Schwerverletzte zur Folge.Saturnino Monteiro: Portuguese Sea Battles – Volume VII. In the shade of England 1669–1807, Pos. 5065ff.Augusto Alves Salgado: História da Marinha Portuguesa: Viagens e operações navais (1668–1823), S. 133f.
Im Folgejahr war sie wieder auf der Rückreise nach Portugal. Dabei verlor sie in einem Sturm alle Masten.António Marques Esparteiro: Catálogo Dos Navios Brigantinos (1640–1910), S. 21 Die Eskorten zwischen dem Mutterland und Brasilien und zeitweilige Abkommandierungen zur Esquadra do Sul blieben die Hauptaufgabe des Schiffes bis zu den 1792 beginnenden Koalitionskriegen.Augusto Alves Salgado: História da Marinha Portuguesa: Viagens e operações navais (1668–1823), S. 136
Zu Kriegsbeginn war die Nossa Senhora da Ajuda e São Pedro de Alcântara das älteste Linienschiff der Flotte und lag zur Modernisierung in der Lissaboner Werft. Zeitgleich änderte die portugiesische Marine die Namenspolitik für ihre Schiffe und benannte sie nun nach historischen, mythologischen oder realen Persönlichkeiten statt wie bis dahin nach Heiligen oder kirchlichen Festtagen. Die Nossa Senhora da Ajuda e São Pedro de Alcântara erhielt den Namen Princesa da Beira (dt.: Prinzessin von Beira), einen der Thronfolgerin vorbehaltenen Titel.Walter F. Dodd: Modern constitutions: a collection of the fundamental laws of twenty-two of the most important countries of the world, with historical and bibliographical notes. University of Chicago Press, Chicago 1908, S. 164 (Online-Version)
In den Jahren 1793 und 1794 unterstützte die portugiesische Marine die britische Kanalflotte, zu der 1794 auch die Princesa da Beira unter dem Kommando von Francisco da Paula Leite abgestellt wurde. Sie war Bestandteil des portugiesischen Geschwaders, das aus den Linienschiffen Vasco da Gama, D. Maria I., Rainha de Portugal, Conde Dom Henrique, Princesa da Beira sowie den Briggs Voador und Falcão bestand.José Rodrigues Pereira: Campanhas navais 1793–1807. Volume I: A Armada e a Europa. A Marinha Portuguesa na Época de Napoleão, S. 42Augusto Alves Salgado: História da Marinha Portuguesa: Viagens e operações navais (1668–1823), S. 92
Am 25. Dezember 1795 verließ ein portugiesisches Geschwader aus den Linienschiffen Princesa da Beira, Principe Real, Vasco da Gama und Maria I. sowie den Fregatten Tritao und Ulisses Lissabon, um einen Konvoi von Handelsschiffen nach Brasilien zu eskortieren. Dort erreichte das Geschwader Bahia am 9. Februar 1796.Otto von Pivka: Navies of the Napoleonic Era, S. 191Princesa da Beira e Portuguesa, bei threedecks.org Das Schiff blieb zunächst in Brasilien und war der „Esquadra da Bahia“ zugeordnet.José Rodrigues Pereira: Campanhas navais 1793–1807. Volume I: A Armada e a Europa. A Marinha Portuguesa na Época de Napoleão, S. 52 Nach anderen Angaben kehrte es 1796 nach Lissabon zurück und gehörte dem Atlantikgeschwader an.Nau „Nossa Senhora da Ajuda e São Pedro de Alcântara“, auf Website der Portugiesischen Marine unter arquivohistorico.marinha.pt
Im Kampf gegen die algerischen Korsaren wurde die Princesa da Beira zusammen mit der Afonso de Abuquerque sowie zwei Fregatten 1802 als Verstärkung des portugiesischen Geschwaders zur Blockade des Hafens von Algier abgestellt.Augusto Alves Salgado: História da Marinha Portuguesa: Viagens e operações navais (1668–1823), S. 184 Der letzte aktive Dienst erfolgte am 29. März 1803 und 1807 wurde das Schiff in Lissabon außer Dienst gestellt.
Als nach dem französischen Einmarsch in Portugal der königliche Hof 1807 in das brasilianische Exil in Sicherheit gebracht wurde, gehörte die Princesa da Beira zu den Schiffen der portugiesischen Flotte, die nicht einsatzbereit waren und in Lissabon zurückgelassen wurden. Die Franzosen reparierten die Princesa da Beira, gaben ihr den Namen Portuguesa und setzten sie im Rahmen der franko-portugiesischen Flotte als schwimmende Batterie ein. Nach dem Abzug der Franzosen wurde das Schiff 1808 zurückgegeben. An weiteren Kampfhandlungen nahm sie – wie die gesamte portugiesische Flotte – nicht mehr teil.Otto von Pivka: Navies of the Napoleonic Era, S. 192Augusto Alves Salgado: História da Marinha Portuguesa: Viagens e operações navais (1668–1823), S. 269
Das fast 50 Jahre alte Schiff wurde nur noch für Hilfsdienste eingesetzt und diente zunächst im Jahr der Rückgabe als Gefängnisschiff. Ob der Einsatz als Kranschiff ab 1809 oder 1831 erfolgte, wird in der Literatur unterschiedlich angegeben. 1834 schließlich wurde das Schiff zum Abbruch verkauft. José Manuel Malhão Pereira: História da Marinha Portuguesa: Navios. Marinheiros e Arte de Navegar 1669–1823, S. 49
Technische Beschreibung Die Princesa da Beira war als Batterieschiff mit zwei durchgehenden Geschützdecks konzipiert. Sie war ein Rahsegler mit drei Masten (Fockmast, Großmast und Kreuzmast). Letzterer trug wie häufig in der portugiesischen Marine statt des Besansegels ein Lateinersegel. Der Rumpf schloss im Heckbereich mit einem Heckspiegel, in den Galerien integriert waren, die in die seitlich angebrachten Seitengalerien mündeten. Die Beplankung des Schiffes war kraweel ausgeführt, das heißt, die Kanten der Planken stießen stumpf aufeinander, so dass eine glatte Außenfläche entstand.Vicente Almeida d‘Eca: Lições de história marítima geral. Lissabon 1895, S. 184 (Online-Version)
Die Bewaffnung bestand nominell aus 64 Kanonen, aber sie wurde auch als 68-Kanonen- und sogar als 74-Kanonen-Schiff bezeichnet.Telmo Gomes: Portugues ships. 14th–19th century, S. 15Nuno Saldanha: Manuel Vicente Nunes (1711-c.1775) – Subsídios para a História da Construção e Arquitetura Naval do século XVIII em Portugal, S. 142 UnteresBatteriedeck OberesBatteriedeck Backdeck Achterdeck Kanonen Design 26 × 24-Pfünder 26 × 12-Pfünder 2 × 12-Pfünder8 × 6-Pfünder 62 Kanonen 1793 28 × 24-Pfünder 28 × 12-Pfünder 2 × 12-Pfünder10 × 6-Pfünder 68 Kanonen
Besatzung Die Besatzung hatte eine Stärke von 522 bis 562, stellenweise werden sogar bis zu 645 Mann genannt.José Rodrigues Pereira: Campanhas navais 1793–1807. Volume I: A Armada e a Europa. A Marinha Portuguesa na Época de Napoleão, S. 42, S. 52
Literatur António Marques Esparteiro: Catálogo Dos Navios Brigantinos (1640–1910). Centro de Estudos de Marinha, Lissabon 1976 (Online-Version als PDF). Otto von Pivka: Navies of the Napoleonic Era. David & Charles Books, Newton Abbot / Devon 1980, ISBN 0-7153-7767-1. Telmo Gomes: Portugues ships. 14th–19th century. Edições Inapa, Lissabon 1995, ISBN 972-9019-79-7. José Rodrigues Pereira: Campanhas navais 1793–1807. Volume I: A Armada e a Europa. A Marinha Portuguesa na Época de Napoleão. Tribuna da História / Edição de Livro e Revistas Lda., Lissabon 2005, ISBN 972-8799-30-6. José Manuel Malhão Pereira: História da Marinha Portuguesa: Navios. Marinheiros e Arte de Navegar 1669–1823. Academia de Marinha, Lissabon 2012, ISBN 978-972-781-112-0 (Online-Version als PDF). Saturnino Monteiro: Portuguese Sea Battles – Volume VII. In the shade of England 1669–1807. Lissabon 2012, E-Book, Kindle Edition. Augusto Alves Salgado: História da Marinha Portuguesa: Viagens e operações navais (1668–1823). Academia de Marinha, Lissabon 2022, ISBN 978-972-781-168-7 (Online-Version als PDF). Nuno Saldanha: Manuel Vicente Nunes (1711-c.1775) – Subsídios para a História da Construção e Arquitetura Naval do século XVIII em Portugal. In: Navigator: subsídios para a história marítima do Brasil. V. 12, Nr. 23, 2016, S. 135–151 (Online-Version als PDF).
Weblinks Nau „Nossa Senhora da Ajuda e São Pedro de Alcântara“, auf Website der Portugiesischen Marine unter arquivohistorico.marinha.pt (portugiesisch) Nossa Senhora de Ajuda e Sao Pedro de Alcantara, bei threedecks.org (englisch) Princesa da Beira e Portuguesa, bei threedecks.org (englisch) Navios da Real Marinha de Guerra Portuguesa I, bei marinhadeguerraportuguesa.blogspot.com (portugiesisch)
Einzelnachweise
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