Nordgeismar ist eine Dorfwüstung in der Gemarkung der Stadt Hofgeismar im nordhessischen Landkreis Kassel. Sie befindet sich rund 2,5 km nordöstlich des Zentrums der Kernstadt Hofgeismar auf Höhe über NHN südsüdwestlich unterhalb des Schönebergs (323,2 m), jenseits der Nordgeismarbrücke über die Esse.

Geschichte Der Ort wurde 1125 als „villa Nortgeismar“ erstmals urkundlich erwähnt, als Erzbischof Adalbert I. von Mainz dem Kloster Lippoldsberg verschiedene Besitzungen und Einkünfte schenkte, darunter auch den Zehnten in Nordgeismar. Das Dorf als solches bestand jedoch schon erheblich länger und gehörte zum Herrschaftsbereich der Grafen von Dassel. Es wurde erst 1272 von Graf Ludolf V. von Dassel mit der gesamten Herrschaft Schöneberg an Kurmainz verkauft. Das Kloster Lippoldsberg wurde danach bald zum wichtigsten Grundherrn am Ort. Um 1380 befanden sich 13 Hufen Land im Besitz des Klosters, die später von drei Meierhöfen, 1569 letztmals erwähnt, verwaltet wurden. Noch bei der 1563 erfolgten Inventarisierung des inzwischen auf Aussterbeetat befindlichen Klosters besaß es dort den Zehnten. Das Kloster Hardehausen verfügte 1274 teilweise über einen Hof in Nordgeismar, und 1370 besaß es dort drei Hufen und eine Hofstätte. Das Kloster Helmarshausen hatte zeitweise ebenfalls Besitz im Ort: es erwarb 1287 pfandweise von Hermann Spiegel vier Hufen und verfügte 1292 über einen Hof. Auch die Edelherren von Schöneberg hatten Besitz vor Ort, den sie zum Teil an Hofgeismarer Bürger als Lehen vergaben. mini|Kartenblatt Trendelburg, Landesaufnahme von 1857 (Nordgeismar links unten) Das Dorf war noch im 14. und 15. Jahrhundert besiedelt, als andere Orte in der Umgebung durch Wegzug ihrer Einwohner nach Hofgeismar bereits aufgegeben wurden.Z. B. Aschendorf, Gauze und Westheim. Erzbischof Mathias von Mainz hatte, wohl 1323, das bisher an der Altstädter Liebfrauenkirche bestehende Kollegiatstift nach Nordgeismar an die dortige Kirche S. Crucis verlegt, aber schon 1343 verlegte Erzbischof Heinrich es nach Gottsbüren.Sein Nachfolger Gerlach verlegte es bereits 1355 weiter nach Grebenstein. 1398 kehrte es nach Hofgeismar zurück. 1535 wurden die letzten Chorherren abgefunden.Hofgeismar, Kollegiatsstift, in: Klöster und Orden (LAGIS)Nordgeismar, Kollegiatstift, in: Klöster und Orden (LAGIS) Noch 1464 wurde ein Pfarrer (Pleban) in Nordgeismar erwähnt, aber 1535 – nach der Einführung der Reformation in Hessen – wurden Kirche und Kirchhof als wüst bezeichnet. Das Dorf war verlassen worden, und seine Feldmark befand sich im Besitz Hofgeismarer Bürger.

Fußnoten

Literatur Georg Landau: Historisch-topographische Beschreibung der wüsten Ortschaften im Kurfürstenthum Hessen und in den großherzoglich hessischen Antheilen am Hessengaue, am Oberlahngaue und am Ittergaue. Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Siebentes Supplement, Theodor Fischer, Kassel, 1858, S. 31–32 Jochen Desel: Das Kloster Lippoldsberg und seine auswärtigen Besitzungen. Gutenberg, Melsungen, 1967, S. 161–162 Thomas-Sergej Huck: Das Zisterzienserkloster Hardehausen in Ostwestfalen von seiner Gründung im Jahre 1140 bis in das 15. Jahrhundert. Studien zur Beschaffenheit und Organisation des klösterlichen Besitzes und zur Wirtschafts- und Rechtsgeschichte des Klosters unter besonderer Berücksichtigung siedlungsgeschichtlicher Aspekte. Hänsel-Hohenhausen, Egelsbach, 1998, ISBN 3-8267-2463-1 (= Deutsche Hochschulschriften. Band 2463), Univ. Kassel, Dissertation, 1994, S. 287–288 Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck, Band 14), Elwert, Marburg 1926 (Neudruck 1974, ISBN 3-7708-0510-0), S. 161. Friedrich Pfaff: Die Abtei Helmarshausen, II: Der Güterbesitz, die Verfassung und die Wirtschaft der Abtei, in: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Neue Folge Band 35 (1911), S. 44

Weblinks Nordgeismar, Kassel, im Historische Ortslexikon Hessen (LAGIS)

Kategorie:Wüstung in Hofgeismar