Das sehr seltene Mineral Vismirnovit ist ein Zink-Zinn-Hydroxid aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und hat die idealisierte chemische Zusammensetzung ZnSn(OH)6. Strukturell gesehen ist Vismirnovit ein nicht stöchiometrischer Doppelperowskit aus der Perowskit-Supergruppe.

Vismirnovit kristallisiert mit kubischer Symmetrie und bildet blass gelbe bis grüngelbe Krusten oder derbe Massen.

Die Typlokalität sind die hydrothermalen Gänge in den Kalksteinen und Schiefern der Mushiston Zinn-Lagerstätte 35 km südlich von Pandschakent in der Provinz Sughd, Tadschikistan.

Etymologie und Geschichte Lange bevor ZnSn(OH)6 in der Natur beschrieben wurde, wurde die Verbindung von verschiedenen Arbeitsgruppen synthetisiert und intensiv untersucht. Ausgehend von der Entdeckung des Minerals Stottit (FeGe(OH)6) publizierten im Jahr 1960 Hugo Strunz und B. Contag am Institut für Mineralogie der Technischen Universität Berlin systematische Untersuchungen verschiedener Hexahydroxostannate des gleichen Verbindungstyps.

An der Universität Grenoble synthetisierte 1967 Claudine Cohen-Addad erneut die Verbindungen ZnSn(OH)6 und CaSn(OH)6, führte detaillierte Strukturuntersuchungen mit Röntgen- und Neutronenbeugung durch, bestimmte die korrekte Struktur und lokalisierte als erste die Wasserstoffpositionen in der Struktur.

A. Nørlund Christensen und R. G. Hazell von der Universität Aarhus in Dänemark synthetisierten 1969 ebenfalls verschiedene Hexahydroxostannate, führten Strukturuntersuchungen durch und bestimmten die Gitterkonstanten mit höherer Genauigkeit.

Die sowjetischen Lagerstättenforscher N. K. Marshukva, G. A. Sidorenko und N. I. Chistyakova untersuchten die Minerale der Oxidationszone der Zinnlagerstätte Mushiston, deren Zinnvorkommen bereits in der Bronzezeit abgebaut wurden. Ende der 1970er Jahre beschrieben sie dort noch unbenannte Analoge des Schoenfliesit (MgSn(OH)6) mit variablen Gehalten von Eisen (Fe2+), Zink (Zn2+) und Kupfer (Cu2+). Anfang der 1980er Jahre gelang ihnen schließlich die Beschreibung der neuen Minerale Natanit (FeSn(OH)6) und Vismirnovit (ZnSn(OH)6) mit Proben aus Mushiston. Vismirnovit benannten sie nach Vladimir Ivanovich Smirnov, einem der ersten Wissenschaftler, die die Zinnlagerstätten Zentralasiens untersuchte.

Klassifikation Die strukturelle Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) zählt den Vismirnovit zur Gruppe der nicht stöchiometrischen Doppelperowskite mit unbesetzter A-Position in der Perowskit-Supergruppe. Hier bildet er zusammen mit Burtit, Jeanbandyit, Mushistonit, Nancyrossit, Natanit, Schoenfliesit und Wickmanit die Schoenfliesit-Untergruppe.

Da Vismirnovit erst 1980 als neues Mineral anerkannt worden ist, ist es in der letztmalig 1977 überarbeiteten Systematik der Minerale nach Strunz (8. Auflage) noch nicht verzeichnet.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/F.16-060. Dies entspricht der neu definierten Abteilung „Hydroxide und oxidische Hydrate (wasserhaltige Oxide mit Schichtstruktur)“, wo Vismirnovit zusammen mit Burtit, Mushistonit, Natanit, Schoenfliesit und Wickmanit die „Schoenfliesitgruppe“ mit der Systemnummer IV/F.16 bildet.

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Vismirnovit in die Abteilung „Hydroxide (ohne V oder U)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit von OH und/oder H2O sowie der Kristallstruktur. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Hydroxide mit OH, ohne H2O; eckenverknüpfte Oktaeder“ zu finden, wo es zusammen mit Burtit, Mushistonit, Natanit, Schoenfliesit und Wickmanit die „Schoenfliesitgruppe“ mit der Systemnummer 4.FC.10 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Vismirnovit die System- und Mineralnummer 06.03.06.04. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung der „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide“. Hier ist er zusammen mit Burtit, Mushistonit, Natanit, Schoenfliesit und Wickmanit in der „Wickmanitgruppe“ mit der Systemnummer 06.03.06 zu finden.

Chemismus Vismirnovit ist das Zink-Analog von Schoenfliesit und hat die Endgliedzusammensetzung ☐2Zn2+Sn4+(OH)6, worin ☐ für eine Leerstelle auf der A-Position steht.

Vismirnovit bildet Mischkristalle mit Natanit (FeSn(OH)6) und Mushistonit (CuSn(OH)6) entsprechend der Austauschreaktion Zn2+ = Fe2+ (Natanit) Zn2+ = Cu2+ (Mushistonit)

Kristallstruktur Vismirnovit kristallisiert mit kubischer Symmetrie der und den Gitterparametern a=7,772(2) Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Vismirnovit hat die Struktur von Perowskit. Die von 12 Hydroxid-Ionen kuboktaedrisch umgebene A-Position ist unbesetzt. Die 6-fach koordinierte, oktaedrische B-Position ist in 2 Positionen aufgespalten, die von Zink (Zn2+) und Zinn (Sn4+) besetzt sind.

Bildung und Fundorte Vismirnovit ist ein Sekundärmineral und bildet sich in der Oxidationszone von Zinnlagerstätten bei der Umwandlung z. B. von Kassiterit.

Bisher (Stand 2026) ist Vismirnovit an 5 Fundorten dokumentiert werden. Seine Typlokalität sind die hydrothermalen Gänge in den Kalksteinen und Schiefern der Mushiston Zinn-Lagerstätte 35 km südlich von Pandschakent in der Provinz Sughd, Tadschikistan. Vismirnovit ist hier vergesellschaftet mit Varlamoffit, Malachit, Azurit, Goethit und anderen Sekundärminelaten.

Siehe auch Liste der Minerale

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise Fundortliste für Vismirnovit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 31. August 2026.

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