Als Soaking (von , „einweichen“), Parking („Parken“), Marinating (Marinieren), Provo Float oder Dock and Talk („andocken und reden“) wird eine Sexualpraktik bezeichnet, die angeblich von jungen unverheirateten Mormonen ausgeübt wird. Ihre tatsächliche Verbreitung ist unbekannt, möglicherweise handelt es sich lediglich um eine moderne Sage.
Beschreibung Die Gebote der Mormonen verlangen Keuschheit vor der Ehe. Beim „Soaking“ findet zwar eine Penetration der Vagina durch den Penis statt, jegliche Bewegungen, die beim Geschlechtsverkehr für gewöhnlich für steigende sexuelle Erregung sorgen, bleiben jedoch aus und auch zu einem Orgasmus kommt es nicht. Das Urban Dictionary liefert Stand 25.09.2026 zwei Definitionen:
Auf diese Weise hat das Paar nicht aktiv Sex. Stattdessen kann eine dritte Person, der „Jumper“, das Bett rütteln, sodass die Stoßbewegungen beim Sex imitiert werden („Soaking“ sei daher im Grunde ein Dreier). Diese Variante wird als Jump Humping bezeichnet. Da die Bewegung nicht vom Paar selbst ausgeführt wird, erscheint die Praxis für die Jugendlichen moralisch vertretbar. Indem sie sich selbst als Personen ohne eigene Handlungsmacht betrachten, entziehen sich die Soaking-Praktizierenden der moralischen Verantwortung oder Schuld für ihr Verhalten.
Laut einem Artikel von Brian Smith im MEL Magazine fand das Manöver an der mormonischen Brigham Young University Verbreitung, die bekannt dafür ist, darauf zu bestehen, dass die Studierenden die von der Kirche vorgeschriebene Keuschheit wahren. Im Forum von Reddit sei erläutert worden, dass einige – einschließlich der Kirche – Soaking als Schlupfloch betrachten und der Ausdruck insertion without thrusting („Einführen ohne Stoßen“) ganz selbstverständlich in einer sonntäglichen Unterrichtsstunde verwendet worden sei, an der Teenager, erwachsene Betreuer und der Bischof teilgenommen hätten.
Rezeption „Soaking“ tritt bereits in einer Folge der Serie Alpha House – eigentlich eine politische Komödie – von 2014 auf. Dort praktizieren es zwei Figuren, die der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage angehören. Eine Erfindung der Serie ist es allerdings wohl nicht.
Das Thema Sex und Sexualität der Mormonen, die strengen sexuellen Normen der Latter-day Saints und deren Missachtung sowie ihr Umgang mit Fragen der sexuellen Identität erfuhren im Internet wachsende Aufmerksamkeit. 2021 fand ein später gelöschtes Video über die in der jungen Mormonen-Gemeinschaft praktizierte Methode des „Soaking“ auf TikTok große Beachtung und machte das Phänomen über das Internet einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Auch wenn Soaking womöglich selten praktiziert wird und in der Popkultur eher dazu dient, mormonische Eltern zu verschrecken und „sexuell Befreite“ zum Lachen zu bringen, steht es laut Lauren Sawyer für ein „queeres Scheitern“ (Queer Failure) am Ziel des Orgasmus (Orgasmic Failure) und zeugt von jugendlicher Kreativität. Nach Sawyer kann man „Soaking“ schlicht als eine typische Handlung von kreativen Jugendlichen betrachten, die versuchen, sich innerhalb der gegebenen Rahmenbedingungen zu bewegen.
Eine ähnliche Denkweise findet sich bei jungen Evangelikalen, die in der Auffassung, ihre Jungfräulichkeit erst bei Vaginalverkehr zu verlieren, stattdessen Oral- oder Analsex betreiben, um sie zu bewahren. Sowohl Mormonen als auch evangelikale Christen haben Soaking als die nächstbeste Alternative zu vorehelichem Sex für sich entdeckt.
In einem Eintrag eines Blogs namens Times and Seasons (benannt nach der gleichnamigen Zeitung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage) wird eine anonyme Einschätzung zitiert, die Soaking als bösartiges Meme mit dem Ziel bezeichnet, Mormonen als sexuell verklemmte Sonderlinge zu diffamieren. In einem anderen Eintrag versichert der Verfasser, dass Soaking kein Thema in der Kultur der Mormonen und jeder, der den Verzicht auf Stöße beim Koitus für eine Lücke in den mormonischen Keuschheitsgesetzen halte, dumm sei. Es dürfte allerdings schwer sein, zu beweisen, dass diese Sexualpraktik nicht existiert.
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Kategorie:Sexualpraktik