mini|375x375px|Die Schneekapelle am Prinzenweg in Tegernsee Die Maria-Schnee-Kapelle, auch kurz Schneekapelle, ist eine römisch-katholische Kapelle in der Stadt Tegernsee im oberbayerischen Landkreis Miesbach. Die heutige Kapelle ist in wesentlichen Teilen ein historisches Bauwerk, das aus dem Ortszentrum von Tegernsee im Laufe der Zeit zweimal versetzt wurde und heute an seinem Standort im Alpbachtal im sogenannten „Paradies“ stehtAm Ende der Max-Josef-Straße stadtauswärts überquert die Max-Josef-Straße den Alpbach und wird im Zusammenlauf mit der Waldschmidtstrasse zum Prinzenweg. Mit der Adresse Prinzenweg 2 liegt dort rechter Hand die Kappelle im sogenannten „Paradies“.. Die Kapelle gehört zur Pfarrei Tegernsee und wird als Nebenkirche genutzt.

Geschichte Die Geschichte der Kapelle reicht in die Zeit nach dem Ende der Pestepidemien des frühen 17. Jahrhunderts zurück. Die Kapelle wurde um 1632 an der unteren Alpbachbrücke, nördlich der Mündung des Alpbachs in den Tegernsee, zu Ehren der Pestpatrone Sebastian und Rochus errichtet. Ihre Existenz ist spätestens durch einen Kupferstich von Matthäus Merian aus dem Jahr 1644 belegt.

Erste Versetzung Die Lage am Alpbach war allerdings problematisch. Wegen Baufälligkeit und der Gefahr durch Hochwasser wurde die Kapelle 1793 abgetragen. Mit Genehmigung des Tegernseer Abtes wurde sie auf Kosten der Gemeinde nahe dem ursprünglichen Standort, unmittelbar an der Straße, wieder aufgebaut. Teile des heutigen Baukörpers gehen auf das Jahr 1797 zurück.

Nach der Säkularisation von 1803 wurde das kleine Gotteshaus zunächst profan genutzt und als Holzlege verwendet. Seit 1827 ist die Bezeichnung als Maria-Schnee-Kapelle nachweisbar. Damit hatte sich auch das Patrozinium von den Pestpatronen Sebastian und Rochus zur Gottesmutter Maria gewandelt.

Ein Zeugnis der religiösen Nutzung im 19. Jahrhundert ist eine Gedenktafel für zwei Holzknechte, die 1826 bei der Holztrift auf dem Alpbach ums Leben kamen. Die Tafel zeigt Maria mit dem Jesuskind zwischen den Namenspatronen der Verunglückten, dem heiligen Nikolaus und dem heiligen Georg.

Zweite Versetzung 250px|mini|Schneekapelle in der Hauptstraße in Tegernsee um 1900 Eine entscheidende Veränderung erfolgte in den 1930er Jahren. Beim Ausbau der durch Tegernsee führenden Hauptstraße musste die Kapelle erneut weichen. 1935 wurde sie wieder abgetragen und rund einen Kilometer weiter östlich im Alpbachtal am sogenannten „Paradies“, unterhalb der Schießstätte am Prinzenweg, wieder aufgebaut. Dabei wurde die Kapelle in ähnlicher Form errichtet und ihre historische Ausstattung übernommen. Das Eigentum ging anschließend auf die Pfarrei Tegernsee über.

Architektur Die Schneekapelle ist ein schlichter einschiffiger Satteldachbau. Über dem Eingang erhebt sich ein kleiner Dachreiter mit Glocke und Turmuhr. Die Turmuhr stammt aus dem 19. Jahrhundert. Der halbrund geschlossene Altarraum ist vom Schiff durch ein schmiedeeisernes Gitter getrennt. Trotz ihrer geringen Größe besitzt die Kapelle eine bemerkenswerte historische Ausstattung. Besonders hervorzuheben ist das aus dem Vorgängerbau übernommene frühklassizistische Holzaltärchen. In dessen Bekrönung verehren zwei Engel den Namen Marias. Ein Rahmen mit der Inschrift „Du liebliche Mutter, bitt für uns“ enthält das Marienbild.

Gnadenbild „Maria Schnee“ mini|333x333px|Das Andachtsbild stellt Maria mit dem Jesuskind dar und ist eine Nachahmung des Marienbildes in der römischen Basilika „Santa Maria Maggiore“ Das zentrale Andachtsbild stellt Maria mit dem Jesuskind dar. Es handelt sich um eine Nachahmung des spätantiken Marienbildes „Salus populi Romani“ („Heil des römischen Volkes“), das in der römischen Basilika Santa Maria Maggiore verehrt wird. Die Bezeichnung „Maria Schnee“ geht auf die Legende vom sogenannten Schneewunder zurück. Nach der Überlieferung zeigte ein wundersamer Schneefall an einem 5. August den Platz an, an dem die römische Basilika Santa Maria Maggiore errichtet werden sollte. Das Patrozinium wird daher am 5. August begangen. Eine Kopie des römischen Gnadenbildes wurde bereits seit 1571 im Jesuitenkolleg Ingolstadt verehrt. Von dort verbreitete sich die Verehrung entsprechender Kopien in Bayern. Auch das Tegernseer Marienbild steht in dieser Tradition.

Votivgaben und Gedenktafel mini|250x250px|Links vom Eingang die Votivtafel für die verunglückten Holzknechte Von der Frömmigkeitsgeschichte der Kapelle zeugen mehrere Votivtafeln und Votivgaben aus dem 19. Jahrhundert. Sie dokumentieren die Verehrung des Marienbildes und die Bedeutung der Kapelle als örtliche Andachtsstätte. Besondere Bedeutung besitzt die bereits erwähnte Gedenktafel für die beiden 1826 beim Holztriften verunglückten Holzknechte. Sie verbindet die Marienverehrung mit der Arbeits- und Alltagsgeschichte des Tegernseer Tales.

Heutige Nutzung Die Kapelle ist heute eine Nebenkirche der katholischen Pfarrei Tegernsee. Sie wird insbesondere für Maiandachten, Rosenkranzgebete und Bittgänge genutzt. Außerdem dient sie Wanderern und Spaziergängern als Ort der stillen Einkehr. Die Kapelle liegt am Prinzenweg im Alpbachtal und ist damit in das Wanderwegenetz zwischen Tegernsee und den Bergen östlich des Tegernsees eingebunden.

Denkmalschutz Die Maria-Schnee-Kapelle steht unter Denkmalschutz und ist unter der Aktennummer D-1-82-132-43 in der Denkmalliste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege erfasst. Die Denkmalliste beschreibt sie als kleinen Satteldachbau mit Dachreiter, in Teilen aus dem Jahr 1797, der 1935 an den heutigen Standort übertragen wurde.

Literatur

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Denkmäler in Bayern. Landkreis Miesbach. Erzbistum München und Freising, Pfarrverband Tegernsee-Egern-Kreuth: Kunstgeschichte und Patrozinium der Nebenkirche Maria Schnee. Stadt Tegernsee: Kapelle Mariä Schnee – Schneekapelle. Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern IV: München und Oberbayern. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin. ISBN 978-3-422-03115-9

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Kapelle in Oberbayern Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Miesbach Schneekapelle Schneekapelle Kategorie:Maria-Schnee-Kirche Kategorie:Versetztes Bauwerk in Bayern Kategorie:Erbaut 1632