mini|Bert Zander (2019) Bert Zander (* 1972 in Weimar) ist ein deutscher Videokünstler, Videodesigner und Theaterregisseur. Seit Ende der 1990er-Jahre arbeitet er im Theater und war als Videokünstler an mehr als 100 Schauspiel- und Opernproduktionen beteiligt. Seit 2018 führt er auch Regie. Seine Arbeiten verbinden häufig Schauspiel mit Film, Live-Video und installativen Formen.
Leben und Wirken
Zander wuchs in Weimar in der DDR auf. Nach einer kaufmännischen Ausbildung arbeitete er nach der deutschen Wiedervereinigung zunächst unter anderem als Handelsvertreter. Später studierte er Gestaltung an der Bauhaus-Universität Weimar.Michael Helbing: Regie mit Delay. Bert Zander lernte Theater als Videodesigner sehen und verstehen, bevor er es inszenierte. In: Theater der Zeit, Nr. 9/2026, S. 52–55.
Ab 1996 arbeitete Zander als freier Licht-, Ton- und Videotechniker bei verschiedenen europäischen Theaterfestivals in Hamburg, Berlin, Wien und Weimar. Dabei war er unter anderem an Produktionen von Peter Brook und Christoph Schlingensief beteiligt. 2003 schloss er sein Studium der Gestaltung an der Bauhaus-Universität Weimar ab.
Seit 2001 arbeitet Zander als freier Videokünstler und Livekamera-Operator. Als Videodesigner war er an Schauspiel- und Opernproduktionen unter anderem in Amsterdam, Antwerpen, Basel, Berlin, Dresden, Hamburg, München, Paris, Wien und Zürich beteiligt. Er arbeitete dabei unter anderem mit Calixto Bieito, Barbara Frey, Benedikt von Peter, Christiane Pohle, Christopher Rüping, Nicolas Stemann, und Lars-Ole Walburg zusammen.
In seiner Arbeit beschäftigt sich Zander insbesondere mit der Verbindung von Theater und filmischen Ausdrucksformen. Video versteht er dabei als dramaturgisches Mittel, das nur eingesetzt werden soll, wenn es der Inszenierung eine mit den Mitteln des Schauspiels allein nicht erzählbare Ebene hinzufügt.
Seit dem 9. November 2021 ist Zanders Videoinstallation Schwelle / Threshold im Foyer des Europäischen Hauses am Pariser Platz in Berlin zu sehen. Die von der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland initiierte und kuratierte Arbeit entstand anlässlich der EU-Strategie zur Bekämpfung von Antisemitismus und zur Förderung jüdischen Lebens. Die 180-minütige Installation verbindet Video, Audio und den Terrazzo-Boden des Gebäudes. Jedem der 3384 Steine eines definierten Bodenausschnitts ist die Aufnahme eines Gesprächs mit einer Überlebenden oder einem Überlebenden der Shoah zugeordnet. Ausgangspunkt der Arbeit ist die „Schwelle“ als Trennlinie und als Zone des Übergangs und der Transformation.
Regie
2018 gab Zander am Theater Oberhausen mit einer Adaption von Dostojewskis Schuld und Sühne sein Regiedebüt. Die Inszenierung entstand in einem leerstehenden Kaufhaus und verband das Bühnenspiel von Christian Bayer als Raskolnikow mit umfangreichen vorproduzierten Videoaufnahmen. Neben Mitgliedern des Ensembles waren zahlreiche Einwohner Oberhausens an den Filmaufnahmen beteiligt.
Schuld und Sühne wurde 2019 zum NRW-Theatertreffen in Münster eingeladen und dort von der Fachjury mit dem Preis für die beste Inszenierung ausgezeichnet.
Während der COVID-19-Pandemie realisierte Zander 2020 am Theater Oberhausen Die Pest – eine Miniserie nach dem Roman Die Pest von Albert Camus. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen drehten die beteiligten Schauspielerinnen und Schauspieler einzeln zu Hause oder im Freien. Das Material wurde zu fünf rund 20-minütigen Folgen montiert, die von 3sat und ZDFkultur veröffentlicht wurden.
2021 entstand am Theater Oberhausen Innen.Nacht – Geschichten aus der Höhle. Die Produktion wurde im Rahmen der Auswahl für das Berliner Theatertreffen 2022 von dessen Jury diskutiert.
Am Staatstheater Kassel inszenierte Zander 2021 die theatrale Videoinstallation FAUST Gretchen nach Johann Wolfgang von Goethe. Im Zentrum der gemeinsam mit der Schauspielerin Emilia Reichenbach entwickelten Arbeit steht die Perspektive Margarethes. Videoaufnahmen, in denen Kasseler Bürgerinnen und Bürger die Handlung des Faust aus ihrer Erinnerung erzählen, werden dabei mit historischem Material zum Fall Susanna Margaretha Brandt verbunden.
2023 folgte am Staatstheater Kassel eine Adaption von Lew Tolstois Krieg und Frieden.
2026 inszenierte Zander dort Ulysses – Eine Odyssee durch Kassel nach dem Roman Ulysses von James Joyce. Teile des Ensembles bewegen sich während der Aufführung durch den Kasseler Stadtraum; ihre Aktionen werden per Live-Video in das Theater im Fridericianum übertragen. Zander verantwortete neben der Regie auch Video und Kamera. Die Produktion war nach FAUST Gretchen und Krieg und Frieden seine dritte Regiearbeit am Staatstheater Kassel.
Neben seiner Tätigkeit als Regisseur arbeitet Zander weiterhin als Videodesigner für Schauspiel und Oper.
Inszenierungen (Auswahl)
2018: Schuld und Sühne nach Fjodor Dostojewski, Theater Oberhausen 2020: Die Pest – eine Miniserie nach Albert Camus, Theater Oberhausen 2021: Innen.Nacht – Geschichten aus der Höhle, Theater Oberhausen 2021: FAUST Gretchen nach Johann Wolfgang von Goethe, Staatstheater Kassel 2023: Krieg und Frieden nach Lew Tolstoi, Staatstheater Kassel 2026: Ulysses – Eine Odyssee durch Kassel nach James Joyce, Staatstheater Kassel
Auszeichnungen
2019: Preis für die beste Inszenierung beim NRW-Theatertreffen für Schuld und Sühne
Literatur
Michael Helbing: Regie mit Delay. Bert Zander lernte Theater als Videodesigner sehen und verstehen, bevor er es inszenierte. In: Theater der Zeit, Nr. 9/2026, S. 52–55.
Weblinks
Bert Zander beim Theater Basel Bert Zander im Programm zu „Ulysses“ des Staatstheaters Kassel
Einzelnachweise
Kategorie:Theaterregisseur Kategorie:Videokünstler (Deutschland) Kategorie:Person (Weimar) Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1972 Kategorie:Mann