Elisabeth von Saffenberg (* unbekannt; † 28. August 1459) war eine hochadelige Stiftsdame und von 1447 bis 1459 Äbtissin des Stifts Essen. Zuvor amtierte sie über zwei Jahrzehnte als Pröpstin des Essener Frauenstifts.
Leben Elisabeth entstammte dem hochadeligen Geschlecht der Saffenberger, das seinen Stammsitz auf der Saffenburg an der Ahr hatte. Angehörige der Familie sind seit dem Mittelalter in mehreren rheinischen und westfälischen Stiften nachweisbar. Bereits 1396 ist eine Katharina von Saffenberg als Kanonissin des Stifts Essen belegt. Elisabeth war (vermutlich) die Tochter von Johan III. von Saffenberg und Katharina von Neuenahr.
Elisabeth selbst ist spätestens seit den 1420er Jahren im Essener Stift nachweisbar. Das Historische Portal der Stadt Essen nennt sie von 1422 bis 1447 als Pröpstin. Ihre Tätigkeit als Pröpstin ist auch urkundlich belegt. Am 10. April 1429 belehnte sie Rotger Vülstal und Johann Visch mit dem zum Oberhof Nünning gehörenden Gut Steingraven.
Nach der kurzen Amtszeit Sophia von Daun-Obersteins wurde Elisabeth 1447 zur Äbtissin gewählt. Die Chronik der Stadt Essen führt sie von 1447 bis 1459 als Vorsteherin des Stifts. Der Vogt des Stifts, Adolf von Kleve, hatte sich schon bei der vorangegangenen Äbtissinnenwahl 1445 gegen Elisabeth positioniert und das Herrenkapitel schriftlich aufgefordert, sie nicht zu wählen.Archiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0250, Akte Nr. 23 Ihre Konkurrentin bei der Wahl war die Dechantin Margarete von Castell, die bereits bei der vorangegangenen Wahl erfolglos angetreten war. Diese wurde nach der Wahl Elisabeths zur Äbtissin Pröbstin des Stifts.
Bereits am 28. Juni 1447 ist sie urkundlich als Äbtissin nachweisbar. Bürgermeister und Rat der Stadt Essen quittierten ihr die Zahlung von 150 Gulden zur Ablösung einer jährlichen Rente von fünf Mark.
In ihrer Regierungszeit reformierte Elisabeth die älteren Hofrechte des Stifts.Archiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland AA 0250, Akte Nr. 1235 Im Jahr 1450 wurden das Stift und die Stadt Essen von einer Pestepidemie heimgesucht. Am 22. September 1458 bestätigte Kaiser Friedrich III. Elisabeth die Privilegien des Stifts und erneuerte sie.Archiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland AA 0248, Urkunde Nr. 1407 Diese Bestätigung war für das Stift Essen von großer Bedeutung, um sich gegenüber den benachbarten Territorialherren zu behaupten.
Elisabeth von Saffenberg starb nach zwölfjähriger Regentschaft am 28. August 1459. Ihre Nachfolgerin wurde Sophia von Gleichen.
Wirken Schutzbrief für Seligman Aus dem Jahr 1454 ist ein Schutzbrief Elisabeths für den in Essen lebenden Juden Seligman und dessen Familie überliefert. Der Vorgang wird im Quelleninventar zur Geschichte der Juden in Westfalen ausdrücklich als „Schutzbrief der Äbtissin Elisabeth von Saffenberg für den Juden Seligman und dessen Familie, wohnhaft in Essen“ verzeichnet. Der Schutzbrief ist ein Beispiel für die landesherrlichen Befugnisse der Essener Äbtissin im 15. Jahrhundert. Die Aufnahme und der Schutz jüdischer Einwohner gehörten im Alten Reich grundsätzlich zu den Herrschaftsrechten der jeweiligen Territorialgewalt.
Herrschaftstätigkeit Auch weitere Rechtsgeschäfte aus Elisabeths Amtszeit sind archivalisch überliefert. 1457 genehmigte sie etwa einen Verkauf des Essener Erbdrosten Johann von Vittinghoff genannt Schell und seiner Ehefrau Hille. Gegenstand war eine jährliche Rente aus dem Drostenamt sowie aus Besitzungen im Gebiet des Stifts Rellinghausen. Elisabeth stand damit nicht nur dem Frauenkonvent vor, sondern nahm als Äbtissin in einem lehns- und staatsrechtlich reichsunmittelbaren Frauenstift auch vermögensrechtliche und landesherrliche Aufgaben innerhalb des Essener Stiftsgebiets wahr.
Literatur Beiträge zur Geschichte der Familie Waldthausen, von Albert von Waldthausen, 1884, Verlag: Dr. v. G. D. Bädeker S. 251 Jahrbuch des Vereins für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark, Band 8, 1895 S. 171 Beitrage zur Geschichte von Stadt und Stift Essen, Ausgaben 30–31, 1909 S. 232 Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere das Alte Erzbistum Köln, Bände 110–114, 1927 S. 151 Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen, Bände 30–32, 1909 S. 121 Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, Bände 7–9, von Bergischer Geschichtsverein, 1871 S. 291 Otto Seemann: Die Äbtissinnen von Essen. Nach dem Brüsseler Katalog mit Varianten und Anmerkungen. In: Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen. Band 5, Essen 1883, S. 1–44. Thomas Schilp: Der Kanonikerkonvent des (hochadeligen) Damenstifts St. Cosmas und Damian in Essen während des Mittelalters. In: Irene Crusius (Hrsg.): Studien zum weltlichen Kollegiatstift in Deutschland. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1995, S. 169–231. Ute Küppers-Braun: Macht in Frauenhand. 1000 Jahre Herrschaft adeliger Frauen in Essen. Klartext, Essen 2002, ISBN 3-89861-106-X. Martin Hoernes, Hedwig Röckelein (Hrsg.): Gandersheim und Essen. Vergleichende Untersuchungen zu sächsischen Frauenstiften. Klartext, Essen 2006.
Weblinks Historische Chronik der Stadt Essen Urkunde Elisabeths als Pröpstin vom 10. April 1429 in der Deutschen Digitalen Bibliothek Urkunde Elisabeths als Äbtissin vom 28. Juni 1447 in der Deutschen Digitalen Bibliothek
Einzelnachweise
Kategorie:Äbtissin (Essen) Kategorie:Adliger Kategorie:Geboren im 14. oder 15. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1459 Kategorie:Frau