American Doctor ist ein Dokumentarfilm von Poh Si Teng aus dem Jahr 2026. Der Film begleitet die drei in den Vereinigten Staaten tätigen Ärzte Thaer Ahmad, Mark Perlmutter und Feroze Sidhwa, die während des Krieges im Gazastreifen medizinische Einsätze in dortigen Krankenhäusern leisten und anschließend in den Vereinigten Staaten öffentlich und politisch über ihre Erfahrungen sprechen.
Im Zentrum stehen der palästinensisch-amerikanische Notfallmediziner Thaer Ahmad, der jüdische Orthopäde Mark Perlmutter und der zoroastrische Unfallchirurg Feroze Sidhwa. Der Film verbindet Aufnahmen ihrer Arbeit in Krankenhäusern im Gazastreifen, insbesondere im Nasser Medical Complex in Chan Yunis, mit ihren späteren Auftritten in Medien, bei öffentlichen Veranstaltungen und im politischen Washington.
American Doctor feierte am 23. Januar 2026 beim Sundance Film Festival 2026 seine Weltpremiere und lief dort im Wettbewerb U.S. Documentary Competition. Anschließend wurde er auf zahlreichen internationalen Dokumentarfilmfestivals gezeigt und mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem gewann er den Publikumspreis des Hot Docs Canadian International Documentary Festival sowie Publikumspreise beim Full Frame Documentary Film Festival, beim Thessaloniki Documentary Festival, beim Biografilm Festival und beim Sydney Film Festival.
Inhalt
Der Dokumentarfilm stellt drei US-amerikanische Ärzte unterschiedlicher religiöser und ethnischer Herkunft vor. Thaer Ahmad ist Palästinenser und Notfallmediziner, Mark Perlmutter ein jüdischer Orthopäde aus North Carolina und Feroze Sidhwa ein zoroastrischer Unfallchirurg. Trotz ihrer unterschiedlichen Biografien verbindet sie die Entscheidung, als medizinische Freiwillige im Gazastreifen zu arbeiten.
Zu Beginn des Films zeigt Perlmutter Regisseurin Poh Si Teng Fotografien getöteter palästinensischer Kinder. Teng erwägt zunächst, die Leichen in der fertigen Fassung unkenntlich zu machen, um deren Würde zu schützen. Perlmutter widerspricht und argumentiert, eine Zensierung der Bilder würde die Realität dessen abschwächen, was er gesehen habe. Der Film zeigt die Fotografien schließlich unverdeckt. Die Szene etabliert nach Einschätzung mehrerer Kritiker einen zentralen Konflikt des Films: wie Gewalterfahrungen dokumentiert werden können, ohne ihnen durch die Darstellung ihre Wirkung zu nehmen oder die Betroffenen zum bloßen Bildmaterial zu machen.
Ein wesentlicher Teil des Films spielt in und um das Nasser-Krankenhaus in Chan Yunis. Die Kamera begleitet medizinisches Personal bei der Versorgung zahlreicher Verwundeter unter Bedingungen eines stark beeinträchtigten Gesundheitssystems und knapper medizinischer Ressourcen. Die Ärzte müssen bei einer großen Zahl gleichzeitig eintreffender Patienten Triageentscheidungen treffen. Der Film zeigt auch die Folgen israelischer Luftangriffe auf das Krankenhaus und sein Umfeld.
Die drei Ärzte werden dabei nicht als politisch homogene Gruppe dargestellt. Ahmad tritt öffentlich vergleichsweise strategisch und zurückhaltend auf, Perlmutter äußert seine Positionen wesentlich konfrontativer, während Sidhwa seine Argumentation stärker mit medizinischen Daten und dokumentierten Beobachtungen unterfüttert. Dies führt auch innerhalb der Gruppe zu Spannungen. So befürchtet Ahmad, dass besonders zugespitzte öffentliche Äußerungen Perlmutters die Glaubwürdigkeit ihrer gemeinsamen Lobbyarbeit beschädigen könnten.
Nach ihren Einsätzen versuchen die Ärzte, die von ihnen beobachteten Zustände in den Vereinigten Staaten öffentlich zu machen. Der Film begleitet sie bei Interviews, öffentlichen Auftritten und Gesprächen mit politischen Entscheidungsträgern. Ahmad kann zeitweise nicht in den Gazastreifen zurückkehren und konzentriert sich deshalb verstärkt auf seine politische und mediale Arbeit in den Vereinigten Staaten. Die Los Angeles Times berichtete, die israelische Regierung habe ihm die Einreise aufgrund seiner palästinensischen Herkunft verweigert.
Der Film wechselt damit zwischen medizinischer Arbeit im Gazastreifen und den Versuchen der Ärzte, in den Vereinigten Staaten politische Aufmerksamkeit für ihre Beobachtungen zu erzeugen. Regisseurin Teng verzichtet weitgehend auf klassische Interviewsituationen und begleitet die Protagonisten stattdessen beobachtend bei ihrer Arbeit, in Gesprächen und bei öffentlichen Auftritten.
Produktion
mini|hochkant|Regisseurin Poh Si Teng beim Seattle International Film Festival 2026
American Doctor ist Poh Si Tengs erster abendfüllender Dokumentarfilm als Regisseurin. Zuvor hatte sie unter anderem als Journalistin bei der New York Times, als Dokumentarfilmredakteurin bei Al Jazeera English und als Film- und Fernsehmanagerin gearbeitet. Sie war außerdem Produzentin des für einen Oscar nominierten Dokumentar-Kurzfilms St. Louis Superman und Executive Producer des mit einem Emmy ausgezeichneten Dokumentarfilms Patrice: The Movie.
Nach eigenen Angaben gab Teng ihre damalige Stelle auf und setzte ihre persönlichen Ersparnisse für die Produktion ein. Ausgangspunkt des Projekts war ein Fernsehinterview mit Mark Perlmutter über dessen Erfahrungen im Gazastreifen. Teng lernte ihn anschließend bei einer Benefizveranstaltung des Palestine Children’s Relief Fund kennen. Perlmutter stellte den Kontakt zu Thaer Ahmad und Feroze Sidhwa her.
Die eigentlichen Dreharbeiten begannen im Dezember 2024. Teng konnte nicht selbst mit den Ärzten in den Gazastreifen einreisen. Eine zeitweilig erwogene Möglichkeit, sie als angebliche OP-Pflegekraft in ein medizinisches Team aufzunehmen, verwarf sie als unrealistisch, da ihre berufliche Biografie leicht überprüfbar gewesen wäre. Stattdessen engagierte sie unter anderem die palästinensischen Kameraleute Arthur Nazaryan und Ramzy Haddad und koordinierte Teile der Dreharbeiten aus der Ferne, während die Ärzte im Nasser-Krankenhaus arbeiteten.
Als hauptverantwortliche Kameraleute werden Ibrahim Al Otla und Chris Renteria geführt; weitere Kameraarbeit stammt von Nazaryan, Haddad und Teng selbst. Christopher White und Ema Ryan Yamazaki übernahmen den Schnitt, die Filmmusik komponierte Suad Bushnaq. Produziert wurde der Film von Poh Si Teng, der dänischen Produzentin Kirstine Barfod und Reem Haddad. Als Produktionsfirmen werden Tiny Boxer Films, Alef Multimedia, Elk Film und Watermelon Pictures geführt.
Die fertige Fassung hat eine Laufzeit von 93 Minuten. Autlook Filmsales führt Englisch und Arabisch als Hauptsprachen; beim SXSW wurde der Film mit Englisch, Arabisch und Hebräisch angegeben.
Veröffentlichung
Am 10. Dezember 2025 gab das Sundance Institute American Doctor als Teilnehmer des U.S. Documentary Competition beim Sundance Film Festival 2026 bekannt. Das Festival bezeichnete ihn als Weltpremiere. Die Premiere fand am 23. Januar 2026 im The Ray Theatre in Park City statt.
Im März 2026 wurde der Film unter anderem beim 28. Thessaloniki International Documentary Festival gezeigt, wo er seine griechische Premiere hatte und zwei Auszeichnungen erhielt. Beim CPH:DOX in Kopenhagen lief er anschließend im Wettbewerb HUMAN:RIGHTS. Die Jury zeichnete den Film dort mit einer besonderen Erwähnung aus. Im selben Monat war er als Festival Favorite beim SXSW in Austin zu sehen.
Weitere Festivalstationen waren unter anderem das Full Frame Documentary Film Festival, das San Francisco International Film Festival, Visions du Réel, Hot Docs, das Sheffield DocFest, das Biografilm Festival und das Sydney Film Festival.
Den nordamerikanischen Verleih übernahm Watermelon Pictures. Am 14. August 2026 begann eine zunächst auf ausgewählte Kinos beschränkte nordamerikanische Kinoauswertung.
Rezeption
Murtada Elfadl bezeichnete den Film in Variety als eindringliche Darstellung des Krieges aus der Perspektive von Notfallmedizinern. Besonders wirkungsvoll sei die Entscheidung, die unterschiedlichen Persönlichkeiten und öffentlichen Rollen der drei Ärzte herauszuarbeiten. Am deutlichsten werde das bei Perlmutter, dessen Position als weißer jüdischer Amerikaner zugleich sichtbar mache, wie ungleich verteilt die gesellschaftliche Legitimität sei, mit der verschiedene Menschen ihre Empörung über den Krieg äußern könnten. Elfadl sah eine zentrale Stärke des Films in der Frage, wessen Geschichten öffentlich erzählt und wessen Todesfälle als berichtenswert behandelt würden.
Amber Wilkinson schrieb in Screen Daily, American Doctor sei ein harter und emotional unmittelbar wirkender Film. Teng weiche weder den Bildern der Toten – darunter Kinder – noch detaillierten Aufnahmen schwerer Verletzungen aus. Gerade diese kompromisslose Darstellung könne zwar eine breite kommerzielle Verwertung erschweren, sei zugleich aber ein entscheidender Bestandteil der Wirkung des Films.
Monica Castillo bezeichnete American Doctor auf RogerEbert.com als ein eindrucksvolles Langfilmdebüt und hob ebenfalls hervor, dass Teng dem Publikum kaum Möglichkeiten gebe, den dargestellten Verletzungen und Todesfällen auszuweichen. Sie kritisierte allerdings einzelne für einen Debütfilm typische Schwächen, darunter eine stellenweise zu dominante Filmmusik und einige Szenen, die für die Erzählung wenig beitrügen.
Tim Grierson von der Los Angeles Times sah eine Stärke darin, dass Teng zwischen einer Charakterstudie der drei Ärzte und der Darstellung des Krieges wechsle. Der Film idealisiere seine Protagonisten nicht vollständig, sondern zeige auch politische, kommunikative und persönliche Spannungen zwischen ihnen. Insbesondere Sidhwa entwickle sich im Verlauf des Films aufgrund seiner detaillierten und kontrollierten öffentlichen Argumentation zu einer zentralen Figur.
Beim CPH:DOX begründete die Jury ihre besondere Erwähnung damit, dass der Film eine noch andauernde Menschenrechtsverletzung dokumentiere und besondere Aufmerksamkeit auf die Tötung medizinischen Personals und von Kindern im Gazastreifen sowie auf die langfristigen Auswirkungen auf das dort arbeitende medizinische Personal richte.
Auszeichnungen (Auswahl)
Jahr Festival Auszeichnung Ergebnis 2026 28. Thessaloniki International Documentary Festival Amnesty International Award Gewonnen 2026 28. Thessaloniki International Documentary Festival Peter Wintonick Audience Award für einen internationalen Film über 50 Minuten Gewonnen 2026 CPH:DOX HUMAN:RIGHTS Award Besondere Erwähnung 2026 Salem Film Fest Audience Award Gewonnen 2026 Salem Film Fest Award for Journalism Gewonnen 2026 Full Frame Documentary Film Festival Tom Rankin Audience Award, Spielfilmlänge Gewonnen 2026 Full Frame Documentary Film Festival Kathleen Bryan Edwards Award for Human Rights Lobende Erwähnung 2026 Hot Docs Canadian International Documentary Festival Hot Docs Audience Award Gewonnen 2026 Sydney Film Festival GIO Audience Award – Best International Documentary Gewonnen 2026 Biografilm Festival Audience Award – Contemporary Lives Gewonnen
Weblinks
Offizielle Website (englisch) American Doctor bei Watermelon Pictures (englisch) American Doctor bei Autlook Filmsales (englisch) American Doctor beim Sundance Institute (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2026 Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:US-amerikanischer Film Kategorie:Palästinensischer Film Kategorie:Malaysischer Film Kategorie:Katarischer Film Kategorie:Dänischer Film