mini|Pressebericht über die Hinrichtung Josef Molnar-Toths Josef Molnar-Toth (geboren 1900 in Budapest; gestorben 13. Mai 1925 ebenda) war ein kaufmännischer Angestellter in einem Budapester Feinkostladen (damals: Handlungskommis in einem Spezereigeschäft). Um an eine größere Summe an Geld zu kommen, tötete er vier Menschen. Der Strafprozess zog einen Teil der ungarischen, österreichischen und tschechischen Öffentlichkeit an. Die Presse berichtete über den „Massenmörder“ tagesaktuell. Das Neue Wiener Journal ordnete den Strafprozess so ein:„Seit vielen Jahren ist vor den Budapester Richtern kein Schwerverbrecher von dem unmenschlichen Zynismus und von der tierischen Herzlosigkeit des Molnar Toth gestanden.“
Die Morde Anfang des Jahres 1922 hörte Molnar in einem Kaffeehaus vom Nachbartisch aus das Gespräch von Frau Kövöß mit einem Mann, der ihr Gift liefern sollte. Molnar suchte danach die Bekanntschaft der Frau und gewann ihre Freundschaft. Er beteiligte sich an ihren Börsengeschäften. Die Gewinne waren ihm aber zu klein.
Molnar besorgte der Frau das gewünschte Gift. Er kannte ihren Mordplan gegen ihren Stiefvater Andreas Lachmann. Lachmann war nach 20 Jahren aus Amerika zurückgekehrt, mit Ersparnissen aus seiner Bäckerarbeit dort. Von dem Geld kaufte er sich in dem Budapester Stadtteil Rákosszentmihály eine Villa. Seine Stieftochter hielt ihn für geizig, weil er sie nicht an seinem Reichtum Anteil nehmen ließ.
Josef Molnar-Toth fasste einen Plan. Er weihte seinen Schwager Puskas und dessen Frau ein. Er gab (für die Nachbarn einleuchtend) an, dass Andreas Lachmann im Mai 1922 wieder nach Amerika zurückgekehrt, Frau Kövöß und ihr Sohn ins benachbarte Rumänien ausgewandert seien.
Molnar versuchte, mit dem Gift den alten Herrn Lachmann umzubringen. Als der mit Bauchkrämpfen zu schreien begann, schoss Mulnar mit einer Pistole zwei Kugeln in seinen Kopf und eine in die Brust. Er brachte Frau Kövöß mit einem Schuss in die Schläfe um. Als ihr Sohn Julius Kövöß (15 oder 16 Jahre alt) nach Hause kam, spielten Puskas und Molnar mit ihm Räuber und Gendarm. Dabei erschoss „Gendarm“ Molnar den „Räuber“ Julius. Frau Lachmann wurde von Molnar mit einer Krawatte erdrosselt.
Die Leichen entdeckte der übernächste Besitzer der Villa, Aldar Szanto, bei Renovierungsarbeiten:
zunächst den Jungen in einer verlöteten Blechkiste unter den Brettern eines Zimmers im Stall, vergraben, eine Blechkiste mit dem Leichnam Andreas Lachmanns unter einem Blumenbeet, bedeckt von einer großen Blechplatte, den Leichnam von Frau Kövöß Der Leichnam von Frau Lachmann wurde später gefunden, ebenfalls in einem Blechsarg.
Einige Quellen sagen, dass auf dem Grab von Frau Lachmann Kartoffeln, auf dem Grab des Knaben Stiefmütterchen, auf dem Grab seiner Mutter, Frau Kövöß, Rosen gepflanzt waren.
Der Strafprozess Wenige Tage nach der Auffindung der Leichen wurde Molnar verhaftet. Die Ermittler kannten ihn von diversen Betrügereien, bei denen er als Josef Toth aufgetreten war. Molnar floh aus der Untersuchungshaft und wurde einige Tage danach in einem Maisfeld entdeckt und wieder verhaftet.
Am 12. Mai 1924 begann die Hauptverhandlung. Angeklagt waren außer Molnar, seiner Frau und dem Chemiker, der das Gift geliefert hatte, weitere 5 Personen.Generalanzeiger vom 14. Juni 1924, S. 7 Die Verhandlung zog eine große Menge an Neugierigen an, von denen nur ein Bruchteil in den Gerichtssaal passte. Im Laufe des Prozesses wurden alle Frauen ausgeschlossen, weil viele ihrer Sympathie für den Angeklagten freien Lauf gelassen hatten. Josef Molnar gab von Anfang an die Morde zu.
Als der Richter Leitner das Todesurteil durch den Strang verkündet hatte, bekam Molnar das Wort:„Ich finde mich mit dem Urteil ab. […] Ich wusste, was geschehen wird, wenn ich entdeckt werden würde. […] Man macht mir der Vorwurf, dass ich ein Rohling bin, dass ich mein Leben aus Rohheit von mir werfe. Das ist nicht wahr, jedermann hängt an dem Leben, auch ich hänge daran.“Molnar trat in einen mehrtägigen Hungerstreik und wurde anschließend zwangsernährt.
Sein Verteidiger meldete gegen das Urteil Berufung an. Molnar lehnte das damit verbundene Gnadengesuch mit der Begründung ab, es würde die Hinrichtung nur unnötig verzögern. Am Tag vor der Hinrichtung schrieb er in sein Gefängnistagebuch:„Der Tod? Ich halte ihn keineswegs für trostlos, im Gegenteil. Die rein objektive Erkenntnis sieht die Dinge klar und begreift, daß das beste Gut das absolute Nichtsein ist. Es kann nur beruhigend wirkend, daß der Mensch mit dem Tode seine Individualität abstreifen kann wie ein Kleidungsstück, zumal dann, wenn er eine so disharmonische, unausgeglichene Persönlichkeit besitzt wie ich.Opladener Zeitung vom 30. Mai 1925, S. 4 [...] In den letzten Stunden habe ich Schopenhauer und Spengler gelesen. Jetzt ist alles vorbei. […] Der Blutrest, der mich nach diesem unglücklichen [Selbstmord-] Versuche geblieben ist, hält auch heute noch mein Herz in Bewegung. Wie lange? Bis in der Frühe. Höchstens bis 6 Uhr früh. Dann ziehen sie mich den Galgen hinan. Muß ich ausgerottet werden? Es sei.“Als im Mai 1925 vor der Hinrichtung ein Geistlicher zu Molnar in die Zelle kam, lehnte der dessen Hilfe ab. Der Scharfrichter war Hermann Gold. 80 Personen sahen der Hinrichtung durch den Strang zu. Acht Minuten nach dem Erhängen stellten Ärzte den Tod fest.
Einzelnachweise
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