Kunigunde von Berg (* unbekannt; † 21. November 1355) war Äbtissin des Stifts Gerresheim (1311–1325) und Fürstäbtissin des Stifts Essen (1327–1337).

Leben und Wirken Kunigunde von Berg stammte aus dem bergischen Adelsgeschlecht Berg und war die Tochter von Heinrich von Berg, Herr zu Windeck und Agnes von der Mark und gehörte damit zu einer der bedeutenden niederrheinischen Dynastien des Mittelalters.

Von 1311 bis 1325 stand Kunigunde dem Gerresheimer Frauenstift als Äbtissin vor. Ihre dortige Wahl wurde später von Papst Johannes XXII. beanstandet. 1327 wechselte sie nach Essen.

Nach dem Tod der Essener Äbtissin Beatrix von Holte wurde Kunigunde 1327 zur Äbtissin des Stifts Essen gewählt. Als Äbtissin stand sie einem lehns- und staatsrechtlich reichsunmittelbaren Frauenstift vor und nahm damit neben der geistlichen Leitung auch landesherrliche Funktionen im Essener Stiftsgebiet wahr. Papst Johannes XXII. beauftragte mehrere geistliche Würdenträger damit, ihre Wahl zu prüfen und zu bestätigen.Hans Mosler (Bearb.): Die Cistercienserabtei Altenberg (= Germania sacra. Neue Folge, 2. Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln, Das Erzbistum Köln 1). de Gruyter, Berlin 1965, S. 150 (personendatenbank.germania-sacra.de) (Zur päpstlichen Bestätigung der Wahl Kunigundes 1327) Die Chronik der Stadt Essen nennt Kunigunde als Äbtissin von 1327 bis 1337. Die päpstliche Überlieferung von 1327 nennt sie ausdrücklich als Cunagundis de Monte und behandelt ihren Übergang vom Gerresheimer zum Essener Äbtissinnenamt.Nr. 359, 15. Juli 1327. Martha von Ottersbach wird zur Aebtissin von Gerresheim ernannt, wenn Kunigunde von Berg als Aebtissin in Essen bestätigt sein wird. In: Wilhelm Preger: Die Verträge Ludwigs des Baiern mit Friedrich dem Schönen in den Jahren 1325 und 1326. Mit J. H. Reinkens’ Auszügen aus Urkunden des vatikanischen Archivs von 1325–1334. Verlag der K. Akademie, München 1883, S. 128 f. ([Sonderdruck] „Aus den Abhandlungen der k. bayer. Akademie der Wiss. III. Cl. XVII. Bd. I. Abth.“) ()

Am 3. Juli 1333 ließ Kunigunde sich von Papst Johannes XXII. bestätigen, dass das Stift von seinen Vorgängern verliehene Privilegien und Indulgenzen, welche aus Unkenntnis der Rechtsgeflogenheiten lange Zeit nicht benutzt wurden, soweit sie noch Gültigkeit haben, weiter nutzen kann.Archiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland AA 0248, Urkunde Nr. 350 (Link Findbuch) Zugleich bestätigte der Papst dem Stift alle von seinen Vorgängern vermittels Privilegien und Indulgenzen verliehenen Freiheiten sowie die von Königen, Fürsten und anderen Christgläubigen verliehenen Freiheiten.Archiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland AA 0248, Urkunde Nr. 351 (Link Findbuch) Solche Bestätigungen dienten unter anderem dazu, das Stift vor Übergriffen benachbarter Territorialherren zu schützen. In ihrer Amtszeit wurde Graf Adolf II. von der Mark 1334 für acht Jahre zum Vogt gewählt.Archiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland AA 0248, Urkunde Nr. 358 (Link Findbuch)

Nachdem Kunigunde bereits 1325 das Amt der Äbtissin im Stift Gerresheim aufgegeben hatte, um Äbtissin in Essen werden zu können, verzichtete sie im Jahr 1337 wegen körperlicher Schwachheit (debilitatem persone) auf ihr Amt.Archiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland AA 0248, Urkunde Nr. 379 (Link Findbuch) Adolf II. Von der Mark zahlte ihr hierfür ein Drittel der jährlichen Vogtbede. Als Begründung für ihren Rücktritt teilte Kunigunde unter anderem mit, die Ausübung des Amtes sei so beschwerlich, weil viele der Essener Güter in der Grafschaft Mark lägen. Darum solle Katharina von der Mark als ihre Nachfolgerin gewählt werden. Diese wurde letztlich auch zur Nachfolgerin gewählt.

Kunigunde lebte nach ihrer Resignation noch fast zwei Jahrzehnte. Eine Urkunde vom 11. November 1355 bezeichnet sie als ehemalige Äbtissin von Essen und dokumentiert eine Zahlung von 50 Mark aus dem bergischen Zoll.

Die Neue Essener Bibliographie gibt als Todesjahr 1355 an und verzeichnet Kunigunde zugleich als frühere Äbtissin von Gerresheim. Kunigunde starb am 21. November 1355 und wurde im Essener Münster vor dem Stephanusaltar beigesetzt.

Literatur Otto Seemann: Die Äbtissinnen von Essen. Nach dem Brüsseler Katalog mit Varianten und Anmerkungen. In: Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen. Band 5, 1883, S. 1–44. Arnold Dresen: Memorien des Stiftes Gerresheim. In: Düsseldorfer Jahrbuch. Band 34, 1928, S. 155–179. Günter Berghaus, Thomas Schilp, Michael Schlagheck (Hrsg.): Herrschaft, Bildung und Gebet. Gründung und Anfänge des Frauenstifts Essen. Klartext, Essen 2000, ISBN 3-88474-907-2.

Katrinette Bodarwé, Thomas Schilp (Hrsg.): Herrschaft, Liturgie und Raum. Studien zur mittelalterlichen Geschichte des Frauenstifts Essen. Klartext, Essen 2002, ISBN 3-89861-133-7. Thomas Schilp (Hrsg.): Reform – Reformation – Säkularisation. Frauenstifte in Krisenzeiten. Klartext, Essen 2004, ISBN 3-89861-373-9. Martin Hoernes, Hedwig Röckelein (Hrsg.): Gandersheim und Essen. Vergleichende Untersuchungen zu sächsischen Frauenstiften. Klartext, Essen 2006, ISBN 3-89861-510-3. Michael Buhlmann: Düsseldorf-Gerresheim – Stift Gerresheim. In: Manfred Groten u. a. (Hrsg.): Nordrheinisches Klosterbuch. Lexikon der Stifte und Klöster bis 1815. Band 2: Düsseldorf–Kleve. Siegburg 2012, S. 111–125.

Weblinks Chronik der Stadt Essen 701 bis 1500 im Historischen Portal der Stadt Essen Neue Essener Bibliographie des Stadtarchivs Essen Urkunde Kunigundes von Berg vom 11. November 1355 in der Deutschen Digitalen Bibliothek (Link Findbuch archive.nrw.de) Germania Sacra: Die Cistercienserabtei Altenberg – mit Hinweisen zur päpstlichen Bestätigung ihrer Wahl zur Essener Äbtissin

Einzelnachweise

Kategorie:Äbtissin (Essen) Kategorie:Familienmitglied des Hauses Limburg-Arlon (Linie Berg) Kategorie:Familienmitglied des Hauses Berg Kategorie:Geboren im 13. oder 14. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1355 Kategorie:Frau