Burckhard Großmann, auch Burkhard Grossmann oder Burckhard Großman, (* 11. Mai 1575 in Römhild; † 23. März 1645 in Jena) war ein Hofbeamter in Jena, der 1623 sein Auftragswerk Angst der Hellen und Friede der Seelen drucken ließ, in dem 16 Vertonungen des 116. Psalms veröffentlicht wurden. Unter den 16 Komponisten aus dem sächsisch-thüringischen Raum waren so bedeutende wie Heinrich Schütz, Melchior Franck, Johann Hermann Schein, Michael Praetorius und der spätere Thomaskantor Tobias Michael.

Leben Burckhard Großmanns Vater wirkte ab 1583 als Hofschneider bei Friedrich Wilhelm I. (Sachsen-Weimar) in Weimar, erwarb dort zwei Jahre später die Bürgerrechte und zog 1593, als der Hof verlegt wurde, nach Torgau um. Vermutlich ging Burckhard während dieser Zeit zur Schule; er erwähnt aber auch einen Aufenthalt als Chorknabe in Altenburg. Er nahm ein Studium in Leipzig auf, das er aber nach einem Jahr aus Geldmangel abbrechen musste. Zurückgekehrt nach Torgau kam er vermutlich in Kontakt zum Kapellmeister Rogier Michael.Alle Details folgen den Ausführungen bei Helmut Lauterwasser: Angst der Höllen ..., S. 2–27.

Wegen seiner Kenntnisse in Arithmetik und Musik wurde er ab 1598 bei verschiedenen Familien in Prag und Braunschweig als Hauslehrer eingestellt und dann um 1600 als Kanzleischreiber und Kirchenmusiker nach Eisenach berufen. Über Dresden kam er schließlich nach Weimar, wo er 1604 die Wittfrau Regina Steindorff (1572–1625) heiratete und 1606 das Bürgerrecht erwarb. Als Cammerschreiber war er ab 1609 auch für die Schatzkammer zuständig und verdiente etwas mehr als der gleichfalls am Hofe angestellte Kapellmeister Johann Hermann Schein.

Im Jahre 1616 siedelte der Hof nach Jena um und Großmann wurde Amtsschösser für Jena und Burgau; zuvor musste er umfangreiche Rechenschaft über die von ihm zu verantwortende Buchführung ablegen. Im selben Jahr widerfuhr ihm auch eine nicht näher erläuterte „sonderbahre große Wohltat und wunderliche Errettung“, die ihn dazu bewog, als „Danckopfer“ 16 Komponisten um die Vertonung des 116. Psalms zu ersuchen. Die 1623 gedruckte Sammlung Angst der Hellen und Friede der Seelen gilt als „einzigartiges und bedeutendes Dokument der Musikgeschichte“.Christoph Wolff: Zu Burckhard Großmann’s ‘Angst der Hellen und Friede der Seelen’. In: Beiheft zur CD cpo 999 288-2, S. 6.

1626 heiratete der gerade verwitwete Großmann seine zweite Ehefrau, Anna geb. Listemann (1596–1671), die über einen Grundbesitz verfügte. Bei seinem Lebensende war Großmann, der in Jena am 23. März 1645 verstarb, ein wohlhabender Mann. In seinem Testament führte er einen Weinberg, eine gewinnbringende Mühle und ein Wohnhaus auf.

Schaffen Großmann war neben seiner Berufstätigkeit auch literarisch tätig. 1598 wurde das Buch Christliche Betrachtung nach dem Ersten Buch Mose veröffentlicht, zu dem Großmann Beiträge geliefert hatte. Im Jahre 1603 übersetzte er das christliche Drama Areteugenia des Theologen Daniel Cramer. 1608 übertrug er die Vorlage Ein und fünffzig Gottselige Christliche Evangelische Andachten in eine gereimte Form, die im Druck erschien. Überliefert sind vier Liedertexte von ihm, die zwischen 1621 und 1631 in verschiedenen Kirchengesangbüchern abgedruckt wurden.

Großmann spielte mehrere Instrumente. Er selbst schrieb von seinem fleißigen Musizieren, das aber nicht seine Profession gewesen sei. Früh wirkte er als Chorknabe mit und kam später mit Kapellmeister Rogier Michael in Kontakt. Als Hauslehrer wurde er explizit wegen seiner Fähigkeiten in Musik und Mathematik eingestellt. 1638 wurde er als Mitwirkender eines Konzerts namentlich erwähnt und wurde kurz darauf als Kanzleischreiber und Kirchenmusiker eingesetzt. Für einige seiner gereimten Texte für Kirchenlieder steuerte er wahrscheinlich auch die Melodie bei. 1634 schenkte Großmann der St. Michaelskirche zu Jena einen Teil seiner teuer erworbenen „musikalischen Bücher“ (vermutlich waren dies Stimmbücher); einen anderen Teil sowie eine Reihe Musikinstrumente behielt er für den eigenen Gebrauch.

Bedeutsam für sein Schaffen war seine Initiative, die zur musikgeschichtlich bedeutenden Sammlung Angst der Hellen und Friede der Seelen führte und mit seinem Namen verbunden blieb.

Literatur Helmut Lauterwasser: Angst der Höllen und Friede der Seelen – Die Parallelvertonungen des 116. Psalms in Burckhard Großmans Sammeldruck von 1623 in ihrem historischen Umfeld. Göttingen 1999, ISBN 3-525-27905-1, im DFG Viewer

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