Hydnora africana ist eine blattgrünlose Pflanzenart aus der Gattung Hydnora innerhalb der Familie der Hydnoraceae. Sie ist die häufigste Art der Gattung Hydnora in Südafrika.

Merkmale Wie alle Arten der Gattung hat auch Hydnora visseri die Photosynthese aufgegeben und bildet dementsprechend kein Chlorophyll mehr. Die Art ist ein unterirdisch wachsender, ausdauernder Wurzelparasit ohne Blätter oder Sprossachsen.

Das Rhizom ist im Querschnitt vier- bis achtkantig und hat einen Durchmesser von 1 bis 3 cm. Die Wachstumsspitze und die ersten wenigen Zentimeter des Rhizoms sind im Querschnitt rund und besitzen ein dünneres Periderm. Die Oberfläche des Rhizoms ist ledrig, und braun bis dunkelbraun, vor allem an der Wachstumsspitze heller. Das Rhizom verläuft waagrecht im Boden. Manchmal verzweigt es sich dichotom oder dreifach. Auf dem Rhizom sitzen zahlreiche seitliche Tuberkel, die in deutlichen parallelen Linien angeordnet sind. Diese Linien entsprechen den Kanten im Rhizomquerschnitt. Aus den Tuberkeln können sich Blüten oder Haustorien entwickeln. Bei älteren Exemplaren können die tuberkel geschwollen und verdreht sein, sodass sich keine klaren Linien am Rhizom mehr erkennen lassen. Das Rhizom-Innere ist fleischig und knallrot bis pink.

Die Blüten sind meist dreizählig, selten vierzählig. Die Blüte wächst nur teilweise über die Bodenoberfläche hinaus. Die Blüte besitzt zwei Blütenkammern: eine andrözische Kammer und unter dieser die gynözische Kammer. Die innere Oberfläche der Kammern ist glatt. Die Blütenhülle (Perianth) ist außen ledrig und braun. Die Gesamtlänge beträgt 8,2 bis 19,5 cm. Das Perianthgewebe ist fleischig. Die Blütenröhre ist innen rosa und wird später dunkler zu orange und rot im Verlauf mehrerer Tage. Sie ist 2 bis 3,5 cm im Durchmesser.

mini|Vor dem Aufblühen mini|Noch nicht vollständig geöffnete Blüte von Hydnora africana mini|Habitus Die Tepalen sind an den Seitenwänden rot bis orangefarben. Sie messen von der Spitze bis zum Punkt, wo sie mit den anderen Tepalen verwachsen, 2,5 bis 6 cm lang. In der Mitte der Länge sind sie 2 bis 6,5 cm breit. Die Tepalen sind elliptisch-lanzettlich, an der Spitze nach innen gebogen, an der Spitze jedoch nicht mit den anderen verschmolzen. Die Seiten der Tepalen sind kleinen Setae besetzt, die bis 2 mm lang sind. An der dorsalen Kante der Tepalen sitzt eine Reihe von deutlich größeren, auffälligen, breiten, Setae, die bis 6 mm lang sind. Pro Tepal gibt es einen Osmophor, der in der Tepalenhöhlung eingesenkt ist. Dieser ist schwammig und zunächst weiß, wird jedoch im Verlauf der Zeit braun/grau. Er verbreitet einen Geruch nach verrottendem Fleisch.

Die Antherenlappen sind verwachsen und w-förmig, sie bilden einen Antherenring von 1,0 bis 2,1 cm Weite mit einer zentralen Öffnung. Der Ring ist gestreift und in zahlreiche horizontale Pollensäcke unterteilt. Der Pollen ist bisulcat. Der Fruchtknoten steht unterständig, ist unilokulär und besitzt zahlreiche Samenanlagen. Der Fruchtknoten misst 2,2 bis 4,1 cm im Durchmesser. Die Narbe ist gelappt und polsterartig, sie sitzt am Grund der gynözealen Kammer und ist 1,9 bis 2,4 mm im Durchmesser.

Die Früchte verbleiben unter der Erde. Es sind gewundene Beeren mit ledrigem Perikarp. Der Durchmesser beträgt 7 bis 18 cm. Die Samen sind kugelig, schwarzbraun und 0,7 bis 1,2 mm groß. Jede Frucht bringt tausende Samen hervor, die im weißen Fruchtfleisch eingebettet sind.

Die Blütezeit hängt im Wesentlichen vom Niederschlag ab, dieser variiert in Südafrika sehr stark. In den Sommer-Regengebieten in Nordkap blüht sie zwischen November und Jänner, in den Winterregengebieten in Nordkap und Westkap hingegen etwa von August bis Oktober und im Süden Namibias von Februar bis April. Die Fruchtreife erfolgt mehrere Monate bis ein Jahr nach der Blüte.

Verbreitungsgebiet, Standorte und Wirtspflanzen mini|Euphorbia caput-medusae, eine der Wirtspflanzen von Hydnora africana, auf dem Tafelberg Das Verbreitungsgebiet von Hydnora africana deckt sich mit dem seiner Wirtspflanzen, sukkulenten Euphorbia-Arten. Sie kommt im südlichen Namibia in der Region ǁKharas vor sowie mit einem Fundpunkt in der Region Erongo vor. In Südafrika kommt sie in den Provinzen Nordkap, Westkap und Ostkap vor. Einzelne Fundberichte gibt es aus KwaZulu-Natal und Freistaat. Sie ist die häufigste Art der Gattung in Südafrika. Meist kommt sie bis 200 Meilen von der Küste entfernt vor, wenige Fundorte liegen weiter im Landesinneren. Sie wächst auf felsigen oder sandigen Böden in einer sukkulenten Karoo-Vegetation sowie in küstennahen Wald-Grasland, immer in der Nähe der Wirtspflanzen.

Hydnora africana ist von den Wirtsarten auf sukkulente Euphorbia-Arten beschränkt. Die Arten gehören zu allen vier Untergattungen Chamaesyce (Euphorbia burmannii, Euphorbia rhombifolia), Rhizantium (Euphorbia caput-medusae, Euphorbia lignosa), Euphorbia (Euphorbia caerulescens, Euphorbia ingens, Euphorbia grandidens, Euphorbia tetragona, Euphorbia triangularis) und Esula (Euphorbia mauritanica).

Systematik Hydnora africana wurde 1775 von Thunb. in Kongl. Vetenskaps Academiens Handlingar, Seite 69 erstbeschrieben. Sie war die erste Art der Gattung Hydnora und somit die Typusart der Gattung. Thunberg identifiziert die Art zunächst als Pilz. Acharius hat die Art 1776 als Aphyteia hydnora dann korrekt als Pflanze identifiziert, Oken hat dann 1841 die Art als Aphyteia africana bezeichnet. Der korrekte Artname ist jedoch der von Thunberg gewählte.

Innerhalb der Gattung Hydnora wird Hydnora africana in die Untergattung Hydnora gestellt.

Das Artepitheton africana bezieht sich das Verbreitungsgebiet der Art in Südafrika.

Ethnobotanik Die Xhosa nutzen die Rhizome und Früchte zur Hautpflege. Die Pflanzen werden zu einer roten Paste verrieben und zur Behandlung von Akne und Hautunreinheiten benutzt. Die Paste wird auch als Sonnenschutz verwendet. Die Wirksamkeit wird mit den hohen Tannin-Gehalt der Pflanzen in Zusammenhang gebracht. Die Pflanzen werden auf traditionellen Medizin-Märkten in Südafrika verkauft.

Die Früchte werden als wohlschmeckend beschrieben. Ihre Nutzung wurden von den Nama und den Khoikhoi beschrieben.

Die Rhizome werden zur Behandlung vielfältiger Beschwerden verwendet. Berichte liegen vor zu Durchfall, geschwollene Drüsen, Halsentzündungen, Candidosen, Dysenterie, Fieber, Asthma, Verstopfung, Bluthochdruck und Speiseröhrenkrebs. Auf den informellen Märkten für Traditionelle Medizin in der Provinz Ostkap zählt die Pflanze zu den Top 20 der meistgehandelten Arten.

Literatur Sebastian A. Hatt, Chris J. Thorogood, Jay F. Bolin, Lytton J. Musselman, Duncan D. Cameron, Olwen M. Grace: A taxonomic revision of the genus Hydnora (Hydnoraceae). In: Kew Bulletin. Band 79, S. 459–514, 2024, doi:10.1007/s12225-024-10193-5.

Einzelnachweise Sebastian A. Hatt, Chris J. Thorogood, Jay F. Bolin, Lytton J. Musselman, Duncan D. Cameron, Olwen M. Grace: A taxonomic revision of the genus Hydnora (Hydnoraceae). In: Kew Bulletin. Band 79, S. 459–514, 2024, doi:10.1007/s12225-024-10193-5. Tony Dold, Michelle Cocks, Nomtuzi Sizane: Fine Fare, Rare Remedy. Hydnora africana: a most unusual and versatile parasitic plant. In: Veld & Flora, Band 91, S. 123–125, 2003.

Weblinks

Hydnora africana auf Plants of South Africa Hydnora africana auf der Seite der Botanical Society of America

Kategorie:Pfefferartige Kategorie:Pflanzenparasit Kategorie:Piperales