mini|Friedensdenkmal auf dem Platz des Friedens mini|hochkant|Friedensdenkmal – Sicht auf das Relief Familienglück mini|hochkant|Widmungsinschrift von 1965
Das Friedensdenkmal in Hanau-Steinheim ist eine Stiftung von Louis Meyer-Gerngroß und gilt als erstes in Deutschland errichtetes Friedensdenkmal.Henke, S. 179.
Geografische Lage Das Denkmal steht auf dem „Platz des Friedens“ (zum Zeitpunkt der Errichtung: „Marktplatz“) im Zentrum des heutigen Hanauer Stadtteils Steinheim und dessen Ortsteil „Groß-Steinheim“.
Geschichte Louis Meyer-Gerngroß wurde in SteinheimSteinheim war bis 1974 selbständig und wurde zum 1. Juli 1974 im Zuge der Gebietsreform in Hessen nach Hanau eingemeindet (). geboren und war erfolgreicher Unternehmer in Mannheim, wo er eine Steingutfabrik betrieb.Nach Steinheimer Friedensdenkmal (= Museen Hanau: Objekt der Woche #184) handelte es sich um einen Großhandel mit Steingut und Porzellan. Anlässlich des 25-jährigen Betriebsjubiläums stiftete er das Friedensdenkmal. Gestaltet wurde das Denkmal von Georg Busch, der ebenfalls aus Steinheim stammte, zu diesem Zeitpunkt in München arbeitete – wo auch die ursprünglichen Metallteile für das Denkmal gegossen wurdenKrumm, S. 391. – und mit Louis Meyer-Gerngroß befreundet war.Henke, S. 175. Die Planungen begannen 1909. Der eigentliche Bau, einschließlich der Umgestaltung des unmittelbaren Umfelds, fand von August bis Oktober 1911 statt. Als historischer Bezugspunkte galt der 40. Jahrestag der Gründung des Deutschen Reichs, die seitdem verflossene Zeitspanne wurde als lang andauernde Friedenszeit wahrgenommen. Die Einweihung fand am 15. Oktober 1911 statt.Henke, S. 176f. Louis Meyer-Gerngroß und Georg Busch wurden am gleichen Tag zu Ehrenbürgern der Stadt Steinheim ernannt.Kaiser, S. 70.
In der Zeit des Nationalsozialismus bildete das Denkmal dank seines zentralen Standorts den Mittelpunkt bei öffentlichen Aufmärschen. 1938 wurde es beschädigt. Am 17. April 1940 fasste der Stadtrat den Beschluss, das Denkmal aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, da es von einem Juden gestiftet war. Die Metallteile wurden verschrottet, die Steinteile im Hof des Schlosses Steinheim eingelagert.Henke, S. 285. Bei der Aktion wurden auch die im Grundstein des Denkmals niedergelegten Urkunden zerstört.Henke, S. 179.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs dauerte es 20 Jahre, bevor das Denkmal wiedererrichtet wurde. Die bildhauerisch bearbeiteten Steinteile hatten die Katastrophe im Schlosshof überstanden. Und die Erben von Georg Busch verfügten noch über die Gussformen und stellten diese zur Verfügung, so dass ein Nachguss der Figur und der Plaketten möglich war. Am 17. November 1965, dem Buß- und Bettag, wurde das Denkmal am ursprünglichen Standort ein zweites Mal eingeweiht. 1980 wurde es um eine Plakette ergänzt, die an die im Nationalsozialismus ermordeten Steinheimer Juden erinnert.Kaiser, S. 71, Krumm, S. 392.
Denkmal Das Denkmal hat einen im Querschnitt quadratischen, dreiteilig gegliederten Sockel. Darauf steht ein in Bronze gegossener „Jüngling“, bekleidet mit einem Chiton, der in der rechten Hand den Zweig eines Ölbaums hält. Er symbolisiert den Frieden. An je zwei gegenüberliegenden Seiten des Sockels sind zwei Reliefs und zwei Tafeln angebracht. Die Reliefs sind Allegorien auf die Früchte des Friedens, den Wohlstand (ein Mann unter fruchtbeladenen Zweigen) und das Familienglück (Mann, Frau und Kind). Die Plaketten zeigen Großherzog Ludewig I. von Hessen und bei Rhein mit einer Inschrift, die auf die unter ihm erlassene Verfassung des Großherzogtums Hessen Bezug nimmt.Der in der Literatur mehrfach genannte Bezug zum 100-jährigen Erlass der Verfassung des Großherzogtums trifft nicht zu. Die Verfassung wurde 1820 erlassen. Steinheim gehörte damals zum Großherzogtum Hessen. Eine weitere Plakette zeigte die ursprüngliche Widmungsinschrift. Sie wurde beim Wiederaufbau durch eine neue Inschrift ersetzt, die in Stichworten die Eckdaten der Geschichte des Denkmals, 1911, 1940, 1965, benennt.
Literatur Ernst Henke: Geschichte der Juden der Stadt Steinheim am Main. ConCon, Hanau 2003. ISBN 3-928100-96-3 Wilhelm Bernhard Kaiser: Steinheim. Denkmäler und Geschichte. Stadt Hanau u. Heimat- und Geschichtsverein Steinheim, Hanau-Steinheim, 1988. Carolin Krumm: Kulturdenkmäler in Hessen – Stadt Hanau . Hg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Theiss, Wiesbaden 2006. ISBN 3-8062-2054-9, 391f. Norbert Pfältzer: Ein Denkmal für den Frieden. In: Steinheimer Jahrbuch 3, 1993, S. 57–84.
Weblinks
Burkhard Huwe: Begrüßung anlässlich der Feier 100 Jahre Friedensdenkmal. Steinheimer Friedensdenkmal (= Museen Hanau: Objekt der Woche #184).
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Kulturdenkmal in Hanau Kategorie:Bronzeskulptur in Hessen Kategorie:Denkmal in Hessen Kategorie:Friedensdenkmal Kategorie:Personendarstellung Kategorie:Allegorische Skulptur Kategorie:Kunstwerk im öffentlichen Raum in Hessen Kategorie:Skulptur (1911) Kategorie:Zerstört in den 1940er Jahren Kategorie:Replik Kategorie:Steinskulptur Kategorie:Judentum in Hanau Kategorie:Skulptur (1965) Kategorie:Großherzogtum Hessen