Die Schlacht bei Kuszliki fand am 4. November 1661 während des Polnisch-Russischen Krieges von 1654 bis 1667 statt.
Vorbereitung Im September begann Stefan Czarniecki mit den Vorbereitungen für einen Feldzug nach Litauen. Da die konföderierten Truppen sich weigerten, ohne Sold auszurücken, dachte König Johann II. Kasimir nur noch widerwillig an diese Expedition - gebunden war er eigentlich nur durch das während des Reichstags abgegebene Versprechen. Die Verhandlungen mit den Konföderierten verzögerten den mehrfach festgesetzten Aufbruchstermin immer wieder.
Schließlich wurde jedoch das litauische Aufgebot einberufen und aufgefordert, sich bis zum 30. September bei Merkinė einzufinden. Der König verließ die Hauptstadt und erreichte am 28. September Nowy Dwór bei Grodno, nachdem die dortige russische Besatzung abgezogen war. Zugleich wurde beschlossen, die nicht-konföderierten ausländischen Regimenter zu besolden, deren Zahl Czarniecki bereits seit längerer Zeit durch neue Anwerbungen in Pommern vergrößert hatte. In der Zwischenzeit beschränkten sich die militärischen Aktivitäten auf Gefechte zwischen Vorausabteilungen und Streifkorps.
Am 10. Oktober brach Johann II. Kasimir mit seinem Heer nach Merkinė und von dort weiter nach Vilnius auf. Die Truppen erreichten die Stadt am 12. Oktober, worauf sich die Moskauer Garnison in das Schloss zurückzog. Da eine langwierige Belagerung nicht in Betracht kam, verließen die polnischen Truppen Wilna bereits nach drei Tagen. Über Dauhinava marschierten sie zum litauischen Lager an der Dsisna und erreichten Ende Oktober Głębokie, das nur wenige Kilometer vom litauischen Lager bei Kuszliki entfernt lag. Die konföderierten Truppen unter Żeromski begrüßten den Plan einer gemeinsamen Schlacht gegen Chowanski. Die Rolle des Vermittlers übernahm Czarniecki, der während innerer Unruhen und der Auseinandersetzung mit kompromissbereiten Offizieren in das litauische Lager kam.Adam Kersten Stefan Czarniecki S. 518–522
Die Schlacht Während des Besuchs Czarnieckis im litauischen Lager wurden die weiteren gemeinsamen Operationen beider Heere abgestimmt. Man beschloss, das feindliche Lager unmittelbar anzugreifen. Der Angriff sollte am 4. November zwei Stunden vor Tagesanbruch beginnen, bereits am 3. November war die königliche Infanterie in die Nähe des litauischen Lagers herangeführt worden. Die große Zahl an Infanterieregimentern ließ auf einen Erfolg hoffen, obwohl das Lager Chowanskis recht gut befestigt war. Der Angriffsplan sah einen gleichzeitigen Angriff von zwei Seiten vor: Von der Front sollten Żeromski und die Division Gosiewskis angreifen, von hinten Czarniecki mit der Kroninfanterie und der Reiterei des rechten litauischen Flügels. Entsprechend diesem Plan nahm Czarnieckis Infanterie auf der Rückseite des Lagers Chowanskis Stellung und schnitt damit den Russen den Rückzugsweg ab.
Die polnischen Absichten wurden jedoch teilweise durch den unerwarteten Rückzug Chowanskis vereitelt. Als Czarniecki und Żeromski bemerkten, dass die Russen die Schanzen zu verlassen begannen, warfen beide ihre Truppen eigenständig in den Kampf. Dank des Einsatzes der Infanterie gelang es relativ schnell, den Widerstand der feindlichen Infanterie, die aus hölzernen Befestigungen heraus das Feuer eröffnete, zu brechen und den Gegner zum Verlassen seiner Stellungen auf offenem Feld zu zwingen. Die Russen wichen daraufhin in Richtung Polozk zurück. Es kam noch zu einem dritten, erbitterten Gefecht, in dessen Verlauf die Moskauer Reihen durch einen kühnen Angriff gesprengt wurden. Anschließend verfolgte man den Feind „bis vor Polozk und trieb ihn unter Schlägen und Hieben vor sich her“. Die Schlacht endete mit einem Sieg der polnisch-litauischen Seite, wurde jedoch mit erheblichen eigenen Verlusten erkauft. Dem bereits üblichen Brauch folgend, ließ Czarniecki seine Truppen im ehemaligen Lager Chowanskis Quartier beziehen.Adam Kersten Stefan Czarniecki S. 522–523
Nachfolge Im Umfeld von Johann II. Kasimir war man sich bewusst, dass der Sieg bei Kuszliki von geringer Bedeutung bleiben würde, wenn der Feldzug nicht fortgesetzt würde. Sein weiterer Verlauf lag in den Händen des litauischen Heeres, denn mit den Truppen der Krone allein war eine weitere Offensive nicht möglich. Die Konföderierten weigerten sich jedoch, dem Beispiel der Kronkonföderierten folgend, nach dem Rückzug Chowanskis und dem Wegfall der unmittelbaren Bedrohung entschieden und ausgesprochen scharf, weitere militärische Operationen durchzuführen. Selbst der Besuch Johanns II. Kasimir im Lager der Konföderierten konnte sie nicht umstimmen.
Bereits am folgenden Tag verließen die litauischen Truppen ihr Lager bei Kuszliki und zogen in ihre Winterquartiere. Angesichts dieser Haltung des litauischen Heeres wurde der weitere Aufenthalt des Königs in Litauen völlig sinnlos. Johann II. Kasimir übertrug daraufhin Czarniecki den Oberbefehl über die Truppen und kehrte selbst in die Gegend von Wilna (Vilnius) zurück. Die Stadt wurde am 2. Dezember erobert, worauf sich der König für einen längeren Aufenthalt nach Nowy Dwór bei Grodno begab.Adam Kersten Stefan Czarniecki S. 523–524
Literatur Adam Kersten "Stefan Czarniecki 1599–1665", Lublin 2005 Urszula Augustyniak, Historia Polski 1572–1795, 2008 Gennadi Sahanowitsch "Die Streitkräfte des Großfürstentums Litauen XVI—XVII". / Пад рэд. Г. В. Штыхава. — Мн.: Навука і тэхніка, 1994. Kurbatow, O. A. "Aus der Geschichte der Militärreformen in Russland in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts" Реорганизация конницы на материалах Новгородского разряда 1650-х—1660-х гг.: Диссертация … кандидата исторических наук. М., 2002 Malow, A. W. "Der Russisch-Polnische Krieg 1654—1667" — М.: Цейхгауз, 2006
Einzelnachweise
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