Cut You Where You Was (englisch für „Dort zuschlagen, wo du warst“) ist ein Musikalbum von Henry Threadgill Zooid. Die im Juni 2025 entstandenen Aufnahmen erschienen am 28. August 2026 auf Pi Recordings.
Hintergrund Auf Cut You Where You Was leitet der amerikanische Holzbläser und Komponist Henry Threadgill sein seit 25 Jahren bestehendes Ensemble Zooid. Fünf Jahre nach Poof nahm er mit denselben Musikern und in ungewöhnlicher Besetzung auf: Gitarrist Liberty Ellman (der das Album auch abmischte und masterte), Tubist und Posaunist Jose Davila, Cellist Christopher Hoffman, Schlagzeuger Elliot Humberto Kavee und Threadgill selbst am Altsaxophon, an der Flöte und an der Bassflöte. Die Aufnahmen fanden im Juni 2025 statt.
Das Kammerensemble „Zooid“ ist nach dem biologischen Begriff für ein Individuum benannt, das sich mit anderen zu einer Kolonie verbunden hat. „Zooid“ beherrscht Threadgills komplexes und intervallbasiertes Kompositionssystem und dessen Syntax, die harmonische Beziehungen neu interpretiert und den fünf Musikern dabei ungewöhnliche, nicht-hierarchische Freiheit gewährt, so Eyal Haareuveni. „Dieses Ensemble versteht es, innerhalb der inneren Logik von Threadgill zu denken und seine organisch fließenden, aber unvorhersehbaren Strukturen mit den sich überlappenden Impulsen in Einklang zu bringen, wobei jede Entscheidung das Gleichgewicht des Ganzen verändert“.
Titelliste Henry Threadgill Zooid: Cut You Where You Was (Pi Recordings) Fluoroscope – 6:12 Bingo Part 1 – 2:16 Bingo Part 2 – 2:02 Bingo Part 3 – 3:41 Red Admiral Red Moon Rising – 12:21 Blur – 1:45 Off and on What Happened – 1:52 Lightnin’ – 1:48 Snow Bones – 1:55 Wind at My Back – 1:55
Die Kompositionen stammen von Henry Threadgill.
Rezeption Nachdem Threadgill sich mit gitarrenlastigen Oktetten (Listen Ship) und einem zwölfköpfigen Orchester (The Other One) in die Tiefen des musikalischen Alltags begeben hatte, sei er nun wieder in vertrautem Terrain angekommen, meint S. Victor Aaron (Something Else). Der gefeierte Komponist, Holzbläser und Bandleader hätte sein seit einem Vierteljahrhundert bestehendes Quintett „Zooid“ neu belebt, um mit alten Weggefährten neue musikalische Abenteuer zu erleben. Cut You Where You Was würde die Fortsetzung von Threadgills längstem Projekt bilden, das bis zum Trio Air zurückreiche, das er Anfang der 1970er-Jahre mitbegründete. Diese Kontinuität schaffe Vertrautheit, gab ihnen aber auch immer mehr Selbstvertrauen, Threadgills Partituren mit eigenen Ideen zu versehen – eine Freiheit, die er bei seinen Bandmitgliedern, sowohl ehemaligen als auch aktuellen, stets gefördert habe.
Etwas würde dafür sorgen, dass „Zooid“ auch nach 25 Jahren nicht an Reiz verliere. Obwohl man die Kombination aus Saxophon, Gitarre, Tuba, Cello und Schlagzeug schon lange hören könne, klinge das Zusammenspiel dieser Klänge immer noch frisch und neuartig, so Aaron. Jedes einzelne Instrument trete auf „Fluoroscope“ deutlich hervor, „als blicke man in das Innere einer kunstvoll konstruierten Maschine und staunt über ihr perfektes Zusammenspiel“. Threadgills Stück sei zugleich kunstvoll komponiert und weit gefasst und würde das Kunststück vollbringen, sowohl Kammermusik als auch improvisierte Musik zu sein.
Die Musik klingt wie ein meinungsstarkes, fast telepathisches Gespräch, das stets aufmerksames Zuhören und ein ständiges Überdenken seiner Wege und Rhythmen erfordere und immer wieder dringliche, gewagte und expansive Elemente einbeziehe, meint Eyal Haareuveni (Salt Peanuts). Threadgill würde weiterhin als nachdenklicher, einflussreicher Impulsgeber mit einem Altsaxophonspiel von gesanglicher Qualität agieren, das Anklänge an Blues und Gospel, tiefgründige Lyrik und unerwarteten Humor aufweise.
Das zwölfminütige Herzstück „Red Admiral Red Moon Rising“ biete Threadgills radikalen, fantasievollen Ideen genügend Raum, sich geduldig zu entfalten, bilde aber die Ausnahme, so Haareuveni. Die meisten Stücke seien kurze, prägnante Miniaturen von etwa zwei Minuten Länge, inspiriert von Threadgills Faszination für frühe Aufnahmetechniken. Threadgill würde nach wie vor von Musikern und Zuhörern gleichermaßen aufmerksames Zuhören verlangen, ein Hinhören jenseits der Gewohnheit und ein Hören jenseits der Erwartungen. Es sei, wie immer, ein aufschlussreiches und zum Nachdenken anregendes Erlebnis.
Nach Ansicht von Dan McClenaghan, der das Album in All About Jazz rezensierte, würde der Einsatz des „Oompah“ der Tuba dem Klang eine verspielte Note verleihen, „wie der Soundtrack eines traumhaften Zirkus, der auf einem Brachfeld am Rande der Stadt aufgebaut ist“. Dass alle gleichzeitig spielen, sei eine Seltenheit. Threadgills Flöte verleihe dem Klang neben Ellmans kantiger Gitarre eine gewisse Gelassenheit. Was die Komposition angeht, spiele Threadgill in einer eigenen Liga. Genau dafür sind Pulitzer-Preise da – der Saxophonist und Komponist habe 2016 den Pulitzer-Preis für sein Album In for a Penny, In for a Pound gewonnen. Weder in Cut Where You Was noch in irgendeinem seiner Alben gebe es ausgedehnte Melodielinien; vielmehr sei alles in prägnante, knackige Statements zerlegt. Dies sei nicht nur ein Aspekt der einzelnen Komposition, sondern gelte für das gesamte Album, wodurch das Werk zu einem zusammenhängenden Ganzen werde – ein Markenzeichen von Threadgill; jedes Album wirkt wie eine Suite.
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Einzelnachweise
Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Henry Threadgill Kategorie:Album 2026