Die 1830 gegründete Petersburg Railroad war eine US-amerikanische Bahngesellschaft in den Bundesstaaten Virginia und North Carolina. Ihre knapp 100km lange Bahnstrecke von Petersburg nach Garysburg und Weldon am Roanoke River wurde zum ältesten Teil der Hauptverbindung Virginia–Florida der Atlantic Coast Line Railroad, deren Vorgänger Atlantic Coast Line Railroad of Virginia am 21. November 1898 mit der Übernahme der Petersburg Railroad durch die Richmond and Petersburg Railroad entstand.

Geschichte

Anfang des 19. Jahrhunderts konkurrierten die Hafenstädte Petersburg und Norfolk um den Handel mit dem landwirtschaftlich geprägten Süden Virginias. Norfolk profitierte dabei vom 1805 eröffneten Dismal Swamp Canal, der sowohl dem südlich von Norfolk gelegenen Gebiet als auch Anliegern des Roanoke Rivers eine attraktive Transportverbindung zu einem Seehafen bot. Als Ende der 1820er-Jahre sowohl Technik als auch Material für den Bau von Bahnstrecken verfügbar schienen, fand das Projekt einer Bahnstrecke von Petersburg nach Süden großes Interesse unter den dortigen Händlern, um eine eigene Hinterlandverbindung in Konkurrenz zum Dismal Swamp Canal zu erhalten.

Am 10. Februar 1830 bestätigte der Bundesstaat Virginia die Gründung der Petersburg Railroad mit einer Einlage von 400000 US-Dollar. Der Staat gestand dem Unternehmen die Konzession zum Bau einer Bahnstrecke von Petersburg zu einem Punkt an der Bundesstaatsgrenze zu North Carolina sowie Steuerfreiheit für alle Immobilien, Anlagen und Profite zu. Zudem war der Staat mit einer Einlage von 160000 US-Dollar ein signifikanter Anteilseigner der Gesellschaft.

Noch 1830 wurden die Vermessungs- und Bauarbeiten aufgenommen. Die meisten Landeigentümer stellten die für die Bahnstrecke benötigten Grundstücke kostenlos zur Verfügung und beteiligten sich mit Sklaven an den Forst- und Erdarbeiten. Die Strecke wurde eingleisig mit einer Spurweite von 1435mm, der späteren Regelspur, errichtet. Im Oktober 1832 wurde der Bahnbetrieb auf etwa der Hälfte der Strecke aufgenommen, im folgenden Jahr auf gesamter Länge von Petersburg über Hicksford (ab 1887: Emporia) bis Blakeley bei Garysburg am Nordufer des Roanoke Rivers. 1834 konnte die Petersburg Railroads als zweite Bahngesellschaft nach der Camden and Amboy Railroad mit dem United States Postal Service einen Vertrag zum Postverkehr abschließen.

1838 wurde von Petersburg nordwärts die Hauptstrecke der Richmond and Petersburg Railroad zwischen den beiden namensstiftenden Orten eröffnet. Im Süden bot die Wilmington and Raleigh Railroad (ab 1855: Wilmington and Weldon Railroad) seit 1834 Anschluss von Weldon, gegenüber von Blakeley am Südufer des Roanoke Rivers gelegen, nach Wilmington. 1840 nahm zudem die Greenesville and Roanoke RailroadSchreibweise teilweise auch Greenville oder Greensville den Betrieb auf einer Strecke zwischen Belfield bei Hicksford und dem flussaufwärts von Garysburg am Roanoke River gelegenen Ort Wilkins Ferry (Gaston) auf, wodurch eine Verknüpfung mit der Raleigh and Gaston Railroad und deren Strecke nach Raleigh entstand. Die Petersburg Railroad führte von Beginn an den Betrieb der Greenesville and Roanoke Railroad und übernahm die Gesellschaft 1853 vollständig.

Weder in Petersburg noch in Blakeley bestand in den ersten Jahren eine direkte Gleisverbindung zwischen den benachbarten Bahnstrecken. Die jeweiligen Betreibergesellschaften konkurrierten um den Umschlag von und zum Schiffsverkehr, während dem Übergang von Bahnstrecke zu Bahnstrecke geringere Bedeutung beigemessen wurde. Dennoch wies die Petersburg Railroad um 1840 bereits signifikanten Durchgangsverkehr aus. 1836 eröffnete die maßgeblich durch Unternehmer aus Norfolk und Portsmouth finanzierte Portsmouth and Roanoke Railroad eine Bahnstrecke von Portsmouth zum Roanoke River nahe Blakeley und querte diesen 1837 mit einer Brücke nach Weldon. Um der konkurrierenden Bahngesellschaft nicht den attraktiveren Anschluss zur Wilmington and Raleigh Railroad zu überlassen, versuchte die Petersburg Railroad zunächst eine gemeinsame Nutzung der Brücke zu vereinbaren und errichtete nach dem Scheitern der Verhandlungen eine eigene, parallele Brücke.

In den 1850er- und 1860er-Jahren war die Petersburg Railroad finanziell erfolgreich und konnte sowohl hohe Dividenden ausschütten als auch ihre Infrastruktur unter anderem durch die Verwendung schwerer Schienen an die wachsenden Beförderungszahlen anpassen. Ein Teil der Arbeitskräfte der Bahngesellschaft waren Sklaven, die von Plantagenbesitzern auf Zeit vermietet wurden.

Im Sezessionskrieg war die Petersburg Railroad zunächst vor allem für den Nachschub des Heers der Konföderierten Staaten relevant, wobei sowohl die hohe Beanspruchung als auch fehlende Mittel für Reparaturen und Instandhaltung zu großen Schäden an Material und Infrastruktur führten. Ab 1864 war die Region selbst Kriegsschauplatz. Die Unterbrechung der Bahnstrecken um Petersburg war ein erklärtes Ziel der später als Belagerung von Petersburg bekannten Feldzüge des Unionsheers ab Juni 1864. Angriffe im August und Dezember 1864 zerstörten große Teile der Bahnstrecke.

mini|Anzeige der Petersburg Railroad mit Verweis auf Kurswagenverbindungen über direkte Gleisverbindungen (1884)Nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs im Frühsommer 1865 begann der Wiederaufbau der Strecke der Petersburg Railroad im Juli 1865. Dabei wurde in Petersburg im Mai 1867 erstmals eine direkte Gleisverbindung mit der Strecke der Richmond and Petersburg Railroad geschaffen. Die Finanzierung der Bauarbeiten und Ersatzbeschaffung von Material war für die Bahngesellschaft allerdings schwierig. Zudem verlor sie einen signifikanten Anteil des durchgehenden Verkehrs von und nach Süden an die inzwischen als Seaboard and Roanoke Railroad firmierende vormalige Portsmouth and Roanoke Railroad, womit die Einnahmen deutlich unter dem Niveau vor dem Sezessionskrieg lagen. Am 10. Mai 1877 meldete die Petersburg Railroad daher Insolvenz an und übergab den Betrieb an den bestellten Insolvenzverwalter. Nach der Aufnahme von neuem Kapital wurde die Petersburg Railroad zum 9. Mai 1881 wieder selbständig. Zu den Anteilseignern zählten nun die Unternehmer William Thompson Walters und Henry Walters.

Die Herstellung durchgehender Gleisverbindungen zwischen Strecken benachbarter Bahngesellschaften in Petersburg, aber auch an anderen Orten wie Wilmington, erhöhten die Attraktivität dieser Strecken für den Güterverkehr. So war es nun möglich, verderbliche Fracht wie Obst und Gemüse über längere Distanzen zu befördern. Die Verknüpfung der vor allem für Frühgemüse und Frühobst idealen Anbaugebiete an der Küste Virginias und North Carolinas mit den Großstädten im Nordosten der Vereinigten Staaten, wie etwa New York City und Philadelphia, entwickelte sich ab den späten 1860er-Jahren zu einem wichtigen Standbein der Petersburg Railroad und ihrer Nachbarbahngesellschaften. Als Oberbegriff wurde „Atlantic Coast Despatch“ gewählt.

Weiteren Verkehrszuwachs brachte 1886 die Umstellung der südlich von Wilmington anschließenden Bahnstrecken verschiedener Gesellschaften von der bisher verwendeten Spurweite von fünf Fuß (1524mm) auf die nördlich von Wilmington verwendete Regelspur. Damit wurde die durchgehende Fahrt bis nach Georgia und Florida möglich. Um den zunehmenden Güterverkehr nicht durch das Zentrum von Petersburg führen zu müssen, errichteten die Richmond and Petersburg Railroad und die Petersburg Railroad gemeinsam eine etwa 9,5km lange, westlich des Ortskerns führende Umgehungsbahn, die 1895 eröffnet wurde.

1896 erwarb die Petersburg Railroad die Petersburg & Asylum Railroad, die seit 1887 eine etwa 5,5km lange Bahnstrecke von Petersburg zu einer staatlichen Nervenklinik betrieb. Die Petersburg Railroad benannte die Betreibergesellschaft in Petersburg & Western Railroad um, hielt sie aber separat vom übrigen Bahnbetrieb. 1899 wurde sie von einem Vorgänger der Virginia Railway and Power Company übernommen.

1891 erwarb eine Gruppe von Unternehmern aus Baltimore unter Leitung von Benjamin Franklin Newcomer und William Thompson Walters die American Improvement and Construction Company. Die ursprünglich für den Überseehandel gegründete inaktive Gesellschaft wurde zu einer Holding, um Firmenbeteiligungen zusammenzufassen und als Aktiengesellschaft weitere Zukäufe zu finanzieren. Zu diesen Beteiligungen zählte seit 1873 die Richmond and Petersburg Railroad, die zum 21. November 1898 die Petersburg Railroad erwarb. Mit der Übernahme der Petersburg Railroad durch ihre nördlich anschließende Nachbargesellschaft entfielen die bislang gewährten Steuerbegünstigungen, doch wurden die erwarteten Effizienzgewinne höher als der Steuervorteil eingeschätzt. Die Richmond and Petersburg Railroad änderte zugleich ihren Firmennamen in Atlantic Coast Line Railroad Company of Virginia. Dieses Unternehmen wurde am 12. Januar 1900 wiederum zur Atlantic Coast Line Railroad.

Infrastruktur Die Hauptstrecke der Petersburg Railroad führte etwa 100km von Petersburg südwärts über Hicksford (ab 1887: Emporia) bis Garysburg und Weldon am Roanoke River. Sie wurde bei der Nachfolgegesellschaft Atlantic Coast Line Railroad ein Teil der Main Line von Richmond bis Florida und in den 1920er-Jahren zweigleisig ausgebaut.

Die einzige eigene Zweigstrecke der Petersburg Railroad führte von Belfield bei Hicksford nach Wilkins Ferry (Gaston), wurde aber bereits 1874 stillgelegt.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Bahngesellschaft (Virginia) Kategorie:Bahngesellschaft (North Carolina) Kategorie:Unternehmensgründung 1830 Kategorie:Aufgelöst 1898 Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Virginia) Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (North Carolina) Kategorie:Ehemaliges Verkehrsunternehmen (Vereinigte Staaten)