Martha Dudzinski (* 1989 in Friedrichshafen) ist eine deutsche Arbeitsmarkt-Expertin und Autorin. Sie ist Mitgründerin und ehemalige Geschäftsführende Gesellschafterin der SWANS Initiative. Dudzinski vertritt machtkritische Positionen in Diskursen rund um Wirtschaft und Arbeitsmarkt, ihre analytischen Schwerpunkte liegen auf einander überlappenden Machtmechanismen (Mehrfachdiskriminierung) und strukturellen Faktoren. Sie ist Autorin des 2024 erschienenen Sachbuchs Konsequent 60 Prozent.Konsequent 60 Prozent. Verlagsseite. Edition Michael Fischer, abgerufen 2026.
Leben Dudzinski ist in Friedrichshafen am Bodensee geboren und dort als ältere von zwei Kindern bei ihrer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen.taz Interview: „Emanze war ich schon immer“. In: taz, 16. August 2020. Online: taz.de. Nach dem Abitur am Graf-Zeppelin Gymnasium Friedrichshafen studierte sie Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München (B.A.), absolvierte ein Erasmus-Semester an der Tischner European University Krakau und erwarb an der University of Edinburgh einen M.Sc. in Internationaler und Europäischer Politik. Sie ist Altstipendiatin der Journalisten-Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Werdegang Während und nach dem Studium arbeitete Dudzinski als freie Journalistin, unter anderem für die ARD und Zeit Online. Sie war vier Jahre Referentin im Bundespresseamt und zwei Jahre Pressesprecherin bei Mercedes-Benz Deutschland.
Neben ihrer Tätigkeit im Bundespresseamt gründete sie die (post-)migrantische Selbstorganisation SWANS Initiative, die sie zunächst ehrenamtlich leitete und aufbaute, nach ihrem Ausscheiden bei Mercedes-Benz hauptamtlich als Geschäftsführende Gesellschafterin. Unter ihrer Leitung entwickelte SWANS ein Karrierenetzwerk und Förderprogramm, speziell zugeschnitten auf die Bedarfe im deutschsprachigen Raum aufgewachsener Studentinnen und Akademikerinnen mit Einwanderungsgeschichte, Schwarzer Frauen und Women of Color (BIWOC). Analog zu einem Stipendium profitieren laut Eigenangaben über 1500 Frauen von einer kostenlosen ideellen Förderung und einer umfassenden Netzwerkplattform mit Stellenbörse.Was wir tun. SWANS Initiative, abgerufen 2026. Als „Lions Club für Leylas“ setzt sich die Organisation öffentlich für eine angemessene Repräsentation hochqualifizierter Frauen mit Migrationshintergrund und BIWOC auf dem akademischen Arbeitsmarkt ein.
Im April 2024 veröffentlichte Dudzinski das Sachbuch Konsequent 60 Prozent. Wie du mit weniger Arbeit mehr schaffst.Konsequent 60 Prozent (Hörbuch, gelesen von Martha Dudzinski). Audible.de, 2024. Das Buch kombiniert strukturelle Arbeitsmarktanalysen und Kritik an traditionellen Zeit- und Produktivitätsratgebern mit eigenen Methoden des Energiemanagements; unter anderem entwickelt Dudzinski mit der von ihr so benannten „Magenkrampf-Matrix“ eine Abwandlung der Eisenhower-Matrix. Anlass für das Buch war die eigene Long-Covid-Erkrankung, in deren Folge Dudzinski ihre Arbeitsweise grundlegend verändern musste.
Positionen Dudzinski vertritt machtkritische Positionen in Diskursen rund um Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Ihre analytischen Schwerpunkte liegen auf einander überlappenden Machtmechanismen (Mehrfachdiskriminierung) und strukturellen Faktoren.
Im Bayerischen Rundfunk kritisiert sie Homogenität in deutschen Unternehmen: "In jedem Raum, der nicht zur Hälfte mit Frauen und zu einem Viertel aus Menschen mit Migrationshintergrund besetzt ist, sind diese Gruppen unterrepräsentiert." Gegenüber dem Handelsblatt und Business Insider Deutschland beschreibt sie diskriminierende Bewerbungsverfahren.„Viele müssen sich im Bewerbungsgespräch die unverschämtesten Sachen anhören“. In: Business Insider Deutschland, 23. Januar 2022. businessinsider.de. Sie fordert, dass Verantwortungsbewusstsein und Eigeninitiative von Menschen aus migrantischen Familien im beruflichen Kontext besser abgefragt und wertgeschätzt werden, da viele diese u. a. durch Übersetzungs- und Dolmetschertätigkeiten bei Behördengängen, Anträgen und Elternsprechtagen schon als Kinder erlernen mussten.
Neben strukturellen Faktoren thematisiert sie auch individuelle Lebensrealitäten und deren Auswirkungen, u. a. gegenüber der Süddeutschen Zeitung: "Dann hat man einfach ein anderes Auftreten als die Kieferorthopäden-Töchter. Wer immer das Gefühl hatte, einen Platz am Tisch zu erhalten, hat eine ganz andere Anspruchshaltung, ein ganz anderes Selbstverständnis." In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärte sie zur Bedeutung von Vorbildern: „Wenn einem ständig gesagt wird, dass man nicht gut genug ist, fängt man selbst an, daran zu glauben.“Frankfurter Allgemeine Zeitung: Vorbilder im Beruf und die Frage nach der eigenen Identität, 11. September 2023. faz.net.
Anlässlich des Correctiv-Berichts Geheimplan gegen Deutschland äußerte sich Dudzinski im Norddeutschen Rundfunk kritisch über BDI-Präsident Siegfried Rusfuhr, der betont hatte, wie wichtig Menschen mit Migrationshintergrund für das „Exportland Deutschland“ seien: „Die Menschen in diesem Land, die von Rassismus betroffen sind, werden sich nicht sicherer fühlen, (nur) weil sie wahrgenommen werden als als konstruktiver Beitrag zum Bruttosozialprodukt.“
Auszeichnungen (Auswahl) Wirtschaftsjunioren Deutschland und SZ Institut: 4x4 mutige Menschen unter 40 University of Edinburgh: Finalistin „Being Edinburgh“ Alumni Auszeichnung 2022 Business Insider Deutschland: Zukunftsmacherin 2021 Business Punk "100 Gründer, Macher und Kreative" 2020
Veröffentlichungen Konsequent 60 Prozent. Wie du mit weniger Arbeit mehr schaffst. Edition Michael Fischer, München 2024, ISBN 978-3-7459-2241-7 (auch als Hörbuch, gelesen von der Autorin, Audible 2024).
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1989 Kategorie:Frau