Das Tribunal Neuenhaus (ab 1814: königliches provisorisches Tribunal Bentheim) war ein französisches Gericht mit Sitz in Neuenhaus und dann ein hannoveranisches Gericht mit Sitz in Bentheim.
Geschichte In der Grafschaft Bentheim bestand das Hofgericht Bentheim. 1806 fiel die Grafschaft an das Großherzogtum Berg. Das Hofgericht Bentheim wurde zunächst beibehalten und dann nach Coesfeld verlegt. 1810 wurde das Gebiet von Frankreich annektiert und zunächst als Arrondissement Neuenhaus im Département Ems-Occidental und dann ab dem 27. April 1811 als Arrondissement Neuenhaus im Département Lippe verwaltet. Gemäß französischer Gerichtsorganisation wurde auf Ebene der Arrondissement ein Tribunal erster Instanz eingerichtet, hier also das Tribunal Neuenhaus. Diesem waren Friedensgerichte untergeordnet. Für das Tribunal waren das die Friedensgerichte (Justice de paix) Bentheim, Nordhorn, Neuenhaus und Emblicheim. Appellationsinstanz gegen Entscheidungen des Tribunals war der Kaiserliche Gerichtshof (Cour Impériale) in Münster.
Nach dem Ende der Franzosenzeit kam das Gebiet der Grafschaft Bentheim an das Königreich Hannover. 1814 wurde das Tribunal nach Bentheim verlegt und als „Königliches Provisorisches Tribunal“ bezeichnet. Während das Tribunal unter französischer Herrschaft nur für Zivilsachen zuständig gewesen war, war es nun auftragsweise auch für die Kriminalgerichtsbarkeit zuständig, entschied in Domanial-, Marken- und Privilegiensachen und hatte dazu in Ehesachen die Rechtsprechung des Oberkirchenrats übernommen. Als Appellationsgericht wirkte die Justizkanzlei Osnabrück. Dem Tribunal waren die provisorischen Friedensgerichte Bentheim/Schüttorf, Emlichheim, Neuenhaus/Veldhausen, Nordhorn und Uelsen zugeordnet. Das provisorische Tribunal war mit einem Präsidenten (Christian Philipp Steuber) und anfangs drei, dann zwei Richtern besetzt.
Nach der Einigung über die standesherrlichen Rechte wurde das Tribunal 1824 aufgehoben und seine Aufgabe übernahm die Mediatjustizkanzlei Bentheim.
Siehe auch Gerichtsorganisation der Hanseatischen Departements
Literatur Max Bär: Abriß einer Verwaltungsgeschichte des Regierungsbezirks Osnabrück, 1901, S. 168–170, Digitalisat.
Weblinks Behördengeschichte beim Landesarchiv
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