Vitus Holger Weh (* 15. Juli 1965 in Geisingen, Deutschland; oft Vitus H. Weh oder kurz Vitus Weh) ist ein in Österreich tätiger Kulturwissenschaftler, Kurator, Ausstellungsmacher, Autor und Museumsplaner im Bereich der bildenden Kunst, des Designs und der Architektur. Er ist vor allem als Mitkonzeptor des Quartier21 im MuseumsQuartier Wien sowie als Berater für zeitgenössische Kunst der Esterházy Privatstiftung bekannt.
Leben Weh wurde 1965 in Geisingen (Baden-Württemberg) geboren und lebt seit 1994 in Wien. Er studierte Angewandte Kulturwissenschaften, Kunstgeschichte und Philosophie an den Universitäten Hildesheim und Berlin und schloss das Studium mit einem Diplom an der Universität Hildesheim ab. Seit 1992 ist er als freier Kunstkritiker, Autor und Ausstellungsmacher tätig.
Werdegang Von 1993 bis 1994 war Weh Kurator am Kunstverein München, wo er 1994 gemeinsam mit Helmut Draxler die Ausstellung Die Utopie des Designs realisierte. 1994/95 war er Mitbegründer und Redakteur der Zeitschrift springerin. Hefte für Gegenwartskunst in Wien, 1996/97 Kunstredakteur der Wochenzeitung Falter.
MuseumsQuartier Wien und Quartier21 Von 1998 bis 2001 kuratierte Weh gemeinsam mit Markus Wailand die Projektreihe Kunst auf der Baustelle, die die Bauphase des MuseumsQuartiers mit Konzerten, Künstlerplakaten und ortsspezifischen Projekten begleitete. Ab 2000 arbeitete er mit Wailand (später mit Thomas Edlinger) ein Strukturkonzept für die verbliebenen Leerflächen im barocken Fischer-von-Erlach-Trakt aus, dem der Name Quartier21 gegeben wurde. Das quartier21 (Q21) wurde im September 2002 eröffnet. Weh übernahm ab 2002 die künstlerische Leitung im Quartier21.
Zwischen 2006 und 2019 etablierte Weh im MuseumsQuartier sukzessive mehrere „Mikromuseen“ in öffentlichen Durchgängen (Passagen) des Areals – Themenpassagen für Klangkunst, Comic, Street Art, Typografie, Literatur, Geologie, Fotografie, Skulptur und Performance. Das Konzept dieser Mikromuseen stammt von Weh; er verglich das MuseumsQuartier idealerweise mit einem englischen Landschaftsgarten, in dem das Durchwandern der Höfe und Passagen selbst zur Erfahrung werde. Zu den Passagen zählen unter anderem die Tonspur_passage, die Kabinett comic passage, die Street Art Passage, die Literaturpassage, die Meteoritenpassage sowie die 2018 eröffneten Sternenpassage und Brückenpassage.
mini|Die TONSPUR_passage im MuseumsQuartier Wien mit 8-Kanal-Lautsprechern und einem Deckenbild von Esther Stocker, 2006
mini|Die von Weh eingerichtete Kabinett comic passage im MuseumsQuartier Wien mit dem Deckenbild von Stéphane Blanquet, 2007
Von 2013 bis 2016 erschloss Weh mit Theater-, Musical- und Ausstellungsprojekten neue Räumlichkeiten im MuseumsQuartier, darunter Passagen / Passagiere (2013), The Making of Österreich (2014) und The Invisible Show (2016). Die Musikrevue The Making of Österreich, ein partizipatives Kulturprojekt im barocken Dachboden des MuseumsQuartiers auf Motiven von The Sound of Music mit Austrofred als Zeremonienmeister und in einer Inszenierung von Yosi Wanunu, wurde 2015 in der Kategorie Spezialpreis für den Nestroy-Theaterpreis nominiert. Insgesamt war Weh von 2002 bis 2021 mit strukturellen Konzeptionen und künstlerischer Beratung für das MuseumsQuartier tätig.
Music City im Gasometer Von 2010 bis 2014 entwickelte Weh die Neupositionierung der Wiener Gasometer als Ausbildungszentrum für zeitgenössische Musik und Tanz unter dem Titel Music City, wofür er Konzept und Businessplan erstellte.
Esterházy Privatstiftung Seit 2013 ist Weh Berater für zeitgenössische Kunst der Esterházy Privatstiftung und kuratorischer Leiter von deren Kunstprogramm Now – Esterhazy Contemporary. In dieser Funktion beauftragt er ortsspezifische Kunstwerke, um mit dem historischen Erbe der Fürsten Esterházy in Dialog zu treten – darunter der Feldweg von Lois Weinberger im Renaissancegarten von Schloss Lackenbach, den Weh 2021 eröffnete. Im Schlosspark Eisenstadt ließ er Gartenkunstwerke von Künstlern wie Anna Artaker, Katinka Bock, Susan Philipsz und Markus Schinwald realisieren.
mini|Von Vitus Weh kuratiertes Werk Sala Terrena von Anna Artaker, Schloss Esterházy, 2024
Zudem leitet und kuratiert er den Esterhazy Art Award, dessen Ausstellungen im Ludwig-Museum Budapest gezeigt werden.
Kunstverein Eisenstadt Im August 2018 gründete Weh gemeinsam mit Peter Menasse den Kunstverein Eisenstadt, dessen Präsident er ist. Der gemeinnützige, auf Mitgliedschaft basierende Verein versteht sich als experimentelle Bühne für zeitgenössische Kunst mit internationaler Ausrichtung; sein Zweck ist es, zeitgenössische bildende Kunst und Kultur zu fördern und einem Publikum näherzubringen.
Akademie an der Grenze Seit 2021 ist Weh Präsident des von ihm mitbegründeten Vereins Akademie an der Grenze. Verein zur Förderung des Bildhauerhauses St. Margarethen, den er gemeinsam mit Petra Menasse-Eibesteiner und Martin Wagner ins Leben rief. Für das denkmalgeschützte Bildhauerhaus, einen in den 1960er-Jahren errichteten Bau des Architekten Johann Georg Gsteu, entwickelte Weh ein Nutzungskonzept als Ort für Kunst, Literatur und Naturvermittlung. Das Gebäude war zuvor von den Esterházy Stiftungen renoviert worden.
Lehrtätigkeit Weh war Lektor an der Kunstuniversität Linz (1998–2025) und an der Kunstakademie Karlsruhe (2012–2016).
Ausstellungen (Auswahl) 1992: Die Kunst der Einladung, documenta Archiv, Begleitausstellung zur documenta IX, Kassel (Kurator mit Hubertus Gaßner und Karlheinz Kopanski). 1994: Die Utopie des Designs, Kunstverein München (Kurator mit Helmut Draxler). 2001: Global Tools. Design im Zeitalter der Intensivstation, Künstlerhaus Wien und Otso, Tapiola/Helsinki (Konzept und Katalog mit Tulga Beyerle). 2002/03: re:Leviathan. Visuelle Formierungen von staatlicher Macht, MQ Wien / Kunsthalle Düsseldorf (Kurator mit Cosima Rainer und Richard Brem). 2008/09: Glanz und Verderben, Ausstellungsprojekt über die Ambivalenz des Kristallinen; kunsthaus muerz, MQ Wien, medienturm Graz. 2016: The Invisible Show, barocker Dachboden des MQ Wien. 2022: Dämonentheater. Michael Vonbank lässt in der Sammlung die Puppen tanzen, Museum Angerlehner, Thalheim bei Wels. 2023/24: Mein Haus in den Wolken. Die fantastische Welt des Andrzej Pietrzyk, Museum Angerlehner. 2026: Geister in der Bel Étage. Die Preisträger des Esterhazy Art Awards im Dialog mit der Historie, Prunkräume von Schloss Esterházy.
Publikationen (Auswahl) Mitherausgeber (mit Markus Wailand): Zur Sache Kunst am Bau. Ein Handbuch für das Durchqueren der Standortfaktoren Architektur, Kunst, Design, Staat, Wirtschaft … Triton Verlag, Wien 1998. Global Tools. Design im Zeitalter der Intensivstation. k/haus, Wien 2001. Herausgeber: Glanz und Verderben. Die unheimliche Konjunktur des Kristallinen. Edition Medienturm, Folio Verlag, Wien/Bozen 2009, ISBN 978-3-85256-479-1. Mitherausgeber: betonblumen. Magazin der Street Art Passage Vienna. Verlag Schlebrügge.Editor, Wien, Heftreihe seit 2008. Weh veröffentlichte zahlreiche Texte zu Kunst und Museologie in Zeitschriften wie Frieze, Kunstforum International, spike, springerin und Domus sowie in Zeitungen wie Falter, Süddeutsche Zeitung und taz.
Weblinks Vitus H. Weh im Archiv der basis wien Texte von Vitus Weh auf artmagazine.cc
Einzelnachweise Lebenslauf Vitus Holger Weh (Eigenangaben), Stand 2026. (Primärquelle – für strittige Angaben durch unabhängige Belege zu ergänzen.) Markus Wailand, Vitus H. Weh: quartier21 im MuseumsQuartier Wien, in: Kunstforum International, Bd. 158, 2002, abgerufen am 28. August 2026.
Letzte Eröffnungsetappe im MuseumsQuartier Wien: Das quartier21 eröffnet, OTS/APA, 12. September 2002, abgerufen am 28. August 2026. MQ Passagen, MuseumsQuartier Wien, abgerufen am 28. August 2026. Neue Mikromuseen im MuseumsQuartier Wien, OTS, 26. November 2018, abgerufen am 28. August 2026. Wiener Museumsquartier um zwei Mikromuseen reicher, Salzburger Nachrichten, 26. November 2018, abgerufen am 28. August 2026. Passagen Passagiere im MuseumsQuartier Wien, Der Standard, abgerufen am 28. August 2026. Am Dachboden der Klischees, Augustin, abgerufen am 28. August 2026. Nestroy-Nominierung, Performing Center Austria, 2015, abgerufen am 28. August 2026. Der Gasometer bittet wieder zum Tanz, Der Standard, abgerufen am 28. August 2026. What We Believe – Esterhazy Art Award 2025, Ludwig Museum Budapest, abgerufen am 28. August 2026. Impressum, Kunstverein Eisenstadt, abgerufen am 28. August 2026.
Ein Bild von einem Haus: Neues Leben rund um alte Steine, BVZ, 2021, abgerufen am 28. August 2026. St. Margarethen: Neue Ideen für Bildhauerhaus, burgenland.ORF.at, 4. April 2021, abgerufen am 28. August 2026. Global Tools. Design im Zeitalter der Intensivstation, Der Standard, abgerufen am 28. August 2026. re:LEVIATHAN – Visuelle Formierungen von staatlicher Macht, OTS, 2. Dezember 2002, abgerufen am 28. August 2026. MQ-Dachboden: The Invisible Show mit Austrofred, OTS, 27. September 2016, abgerufen am 28. August 2026. Weh, Vitus H., kunstforum.de, abgerufen am 28. August 2026. Vitus H. Weh, basis wien, abgerufen am 28. August 2026. About us, Esterhazy NOW, abgerufen am 28. August 2026. Kunst vor Ort, Esterhazy NOW, abgerufen am 28. August 2026. Esterhazy Art Award 2019, Esterhazy NOW, abgerufen am 28. August 2026. Eröffnung des Feldwegs von Lois Weinberger, meinbezirk.at, 10. Juni 2021, abgerufen am 28. August 2026. Feldweg als Kunstinstallation, burgenland.ORF.at, 27. Juni 2021, abgerufen am 28. August 2026. Esterhazy NOW bietet zeitgenössischer Kunst einen Rahmen, Esterhazy News, abgerufen am 28. August 2026.
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