Die Grotte du Bison ([]), () früher Grotte de Meyrals (Höhle von Meyrals), ist eine Horizontalhöhle und archäologische Fundstelle in der südwestfranzösischen Gemeinde Meyrals im Département Dordogne.
Die im hinteren Teil der Höhle angebrachten jungpaläolithischen Felsritzungen und Malereien werden der Frankokantabrischen Höhlenkunst zugerechnet.
Geographische Lage und Topographie Die Grotte du Bison befindet sich in einem Felsmassiv an der linken Talseite der Petite Beune, etwa 20 m über dem Talgrund, an der nördlichen Gemeindegrenze von Meyrals. Sie liegt auf Privatgrund, etwa 200 m westlich des Parkplatzes der Grotte de Bernifal an der D47 (Route de Sarlat). Die Höhle ist in Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich. Seit Ende 2005 ist sie als eingetragenes Kulturdenkmal (Monument historique) geschützt.
In wenigen hundert Metern Entfernung finden sich weitere Höhlen mit steinzeitlicher Parietalkunst: die Grotte de Sous-Grand-Lac, die Grotte de Bernifal, die Grotte de la Calévie und auf der gegenüberliegenden Talseite die Grotte Nancy.
Das Portal der Grotte du Bison ist 3,5 m breit, 4 m hoch und nach Osten gerichtet. Es weist einige Nischen und Ausklinkungen zur Aufnahme von Holzbalken auf, die wahrscheinlich im Mittelalter angebracht wurden. Zwischen den Steinquadern einer gut kniehohen Trockenmauer ist ein schmaler Durchgang freigehalten. Vom Eingang aus erstreckt sich der Höhlengang 32 m weit in westlicher Richtung (Galerie I). Nach rechts zweigen in regelmäßigen Abständen drei kurze Seitengänge ab. Der erste (Galerie du Bison) enthielt Steinartefakte und Wisentknochen, die der Höhle ihren heutigen Namen gaben. Nach links führen zwei Durchgänge in einen parallelen Gang von 50 m Länge (Galerie II). Unmittelbar hinter dem zweiten Durchgang ist der rückwärtige Höhlenbereich verschlossen. Hinter der Absperrung kommt man nur noch kriechend voran. Nach 20 m zweigt ein weiterer Gang nach links ab (Galerie III), der sich zu einem Raum weitet, um nach einigen weiteren Metern als niedriger, schmaler Schlauch zu enden.
Parietalkunst Erste systematische Untersuchungen führten Mitglieder des Höhlenforschervereins von Périgueux in Zusammenarbeit mit André Glory im Jahr 1957 durch. Dabei wurde ein mit schwarzer Farbe in Blas- oder Spucktechnik ausgeführtes Handnegativ entdeckt; Jahre später ein weiteres sowie eines, von dem nur drei Finger fragmentarisch erhalten sind. Die Abbildungen sind an besonders schwer einsehbaren Stellen nahe über dem Boden angebracht und können zum Teil nur im Liegen betrachtet werden. In der Galerie III findet sich an der östlichen Höhlenwand die gravierte Umrisslinie eines Mammuts. Den Kopf und Rüssel eines solchen Tieres könnte eine der wenigen mit Farbpigmenten gezeichneten Linien darstellen, die an derselben Wand verläuft.
Alle Kunstwerke sind am Ende der Galerie II und in der Galerie III an den Höhlenwänden angebracht. Am Kreuzungspunkt beider Gänge sind auf Kalksteinblöcken ein gravierter Hirsch und zwei tektiforme (hütten- bzw. dachförmige) Zeichen zu erkennen sowie die Reste von Farbauftrag. Zwei bzw. drei weitere, teils fragmentarische Tektiforme wurden in der Galerie III erkannt. Die Bedeutung der Zeichen ist bislang nicht abschließend geklärt; Prähistoriker deuteten sie als Symbole für Hütten (Henri Breuil), Tierfallen (Herbert Kühn), Geister- bzw. Traumfänger (Hugo Obermaier) oder Stammeszeichen (André Leroi-Gourhan).
Außergewöhnlich sind mehrere als Masken bezeichnete Reliefs, die aus Speläothemen herausgearbeitet wurden und an anthropomorphe Darstellungen, ein Mammut und einen aufsteigenden Vogel erinnern.
Chronologische Einordnung Die Kunstwerke wurden mehrfach von Wissenschaftlern untersucht, wobei die anschließenden chronologischen Zuschreibungen widersprüchlich ausfielen. Während Henri Breuil die Entstehung der Handnegative zeitlich „vor jeder anderen bildlichen Darstellung“ sah und sie daher seinem Aurignacien-Périgordien-Zyklus (Cycle aurignaco-périgordien) zuordnete, stellte André Leroi-Gourhan einige der Darstellungen in die jüngeren Phasen des Solutréen und des Magdalénien. Jacques Jaubert und Jean-Christophe Portais gehen heute von einer Entstehung im Gravettien aus.
Literatur Alain Roussot: La Grotte du Bison – Grotte de Meyrals In: L’Art des cavernes: Atlas des grottes ornées paléolithiques françaises. Paris 1984, ISBN 2-11-080817-9, S. 175–177. Jacques Jaubert, Jean-Christophe Portais: Grotte du Bison (Meyrals) In: PréhistoGuide Nouvelle-Aquitaine, sites – musées – parcs – fac-similés éditions confluences, Bordeaux, 2023, ISBN 978-2-35527-279-0, S. 314.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Höhle in Europa Kategorie:Höhle in Okzitanien Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Okzitanien Kategorie:Jungpaläolithikum (Europa) Kategorie:Steinzeitlicher Fundplatz in Europa Kategorie:Meyrals Kategorie:Monument historique seit 2005 Kategorie:Monument historique im Département Dordogne Kategorie:Gravettien