Daryal (, deutsche Transkription Darjal; NATO-Codename Pechora) ist eine sowjetische Bauart ortsfester Frühwarnradare. Die Anlagen dienten der Erfassung und Verfolgung ballistischer Raketen und anderer Objekte im erdnahen Weltraum. Sie waren Bestandteil des sowjetischen und später des russischen Systems zur Warnung vor Raketenangriffen. Von den geplanten Anlagen gingen nur die Stationen bei Petschora in Russland und Qəbələ in der Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik in Betrieb.

mini|Künstlerische Darstellung einer Daryal-Anlage bei Petschora; links der Sender, rechts der Empfänger

Technik Daryal ist ein bistatisches Radar. Sender und Empfänger befinden sich in getrennten Gebäuden. Beide verwenden elektronisch geschwenkte Phased-Array-Antennen. Für die ursprüngliche Ausführung werden Abmessungen von etwa 30 × 40 Metern für die Sendeantenne und 80 × 80 Metern für die Empfangsantenne angegeben. Die Signalverarbeitung erfolgte digital.

Das Radar arbeitet im UKW-Bereich bei Frequenzen zwischen etwa 150 und 200 MHz. Die angegebene instrumentierte Reichweite beträgt rund 6000 Kilometer. Durch die getrennten Sende- und Empfangsanlagen unterschieden sich die Stationen baulich von Radaren, bei denen beide Funktionen in derselben Antennenanlage zusammengefasst sind.

Die Grundausführung trug die sowjetische Systembezeichnung 5N79. Unter der Bezeichnung Daryal-U beziehungsweise 90N6 wurde eine veränderte Ausführung mit einer geringeren Zahl von Sendeelementen und einem neuen Rechnersystem entwickelt. Daryal-UM war eine weitere geplante Variante.

Entwicklung Die Entwicklung begann Ende der 1960er Jahre am Mints-Institut für Radiotechnik der Akademie der Wissenschaften der UdSSR. Chefkonstrukteur der Grundausführung war Wiktor Iwanzow. Der Entwurf sah hohe Sendeleistungen, große phasengesteuerte Antennen und eine digitale Verarbeitung der empfangenen Signale vor.

Als Erprobungsanlage entstand in Olenegorsk die als Daugava bezeichnete Empfangsanlage. Sie arbeitete mit dem Sender einer bereits vorhandenen Radarstation des Typs Dnestr-M zusammen. Nach den Erfahrungen mit dieser Anlage beschloss die sowjetische Regierung 1975 den Bau vollständiger Daryal-Stationen bei Petschora und Qəbələ.

Die Station bei Petschora nahm 1984 den Betrieb auf. Die Anlage bei Qəbələ folgte 1985. Beide ergänzten die vorhandenen sowjetischen Frühwarnradare der Typen Dnestr-M und Dnepr.

Ein 1979 beschlossenes Ausbauprogramm sah weitere Stationen vor. Anlagen des Typs Daryal-U sollten bei Balchasch, Mischeljowka und Jenisseisk entstehen. Für Skrunda in der Lettischen SSR und Mukatschewo in der Ukrainischen SSR waren Stationen der Ausführung Daryal-UM vorgesehen. Keine dieser Anlagen erreichte den regulären Betrieb.

Nicht fertiggestellte Anlagen Die Daryal-U-Anlagen bei Balchasch und Mischeljowka blieben nach dem Zerfall der Sowjetunion unvollendet. Die Bauarbeiten an der Daryal-UM-Anlage bei Mukatschewo wurden 1991 eingestellt. Die weitgehend errichtete Empfangsanlage in Skrunda wurde nach der Unabhängigkeit Lettlands am 4. Mai 1995 gesprengt. Die unvollendete Anlage bei Mischeljowka wurde 2011 abgebrochen.

Eine weitere Daryal-U-Station wurde ab 1980 bei Jenisseisk im Krasnojarsker Gebiet gebaut. Ihr Standort lag im Inneren der Sowjetunion. Der ABM-Vertrag von 1972 erlaubte neue Frühwarnradare dagegen nur an der Peripherie des Staatsgebiets und mit einer nach außen gerichteten Orientierung. Die Vereinigten Staaten betrachteten die Anlage deshalb als Vertragsverletzung. Die sowjetische Regierung stellte die Bauarbeiten ein, erkannte die Vertragsverletzung 1989 an und sagte den Abbruch zu. Die Demontage wurde nach Angaben des US-Kongresses 1992 abgeschlossen.

Betrieb nach dem Zerfall der Sowjetunion Nach 1991 lagen die beiden betriebsfähigen Daryal-Stationen in unterschiedlichen Staaten. Die Anlage bei Petschora verblieb auf russischem Gebiet. Die Station bei Qəbələ ging in das Eigentum Aserbaidschans über und wurde auf Grundlage eines 2002 geschlossenen Abkommens weiterhin von Russland genutzt.

Russland und Aserbaidschan konnten sich 2012 nicht auf eine Verlängerung des Nutzungsvertrags einigen. Russland stellte den Betrieb der Station am 10. Dezember 2012 ein. Damit blieb die Anlage bei Petschora als einzige in Betrieb befindliche Daryal-Station erhalten. Sie gehörte auch 2026 zum bodengebundenen Teil des russischen Raketenfrühwarnsystems.

Einzelnachweise

Kategorie:Militärische Radaranlage Kategorie:Militärische Ausrüstung (Sowjetunion) Kategorie:Luftaufklärung