miniatur|Jewgenija Berkowitsch Jewgenija Borissowna Berkowitsch, genannt Schenja Berkowitsch (; * 29. April 1985) ist eine russische Theaterregisseurin.
Leben Herkunft Schenja Berkowitsch stammt aus einer jüdischen Familie. Ihre Großmutter Nina Katerli (1934–2023) war eine Schriftstellerin. Von deren Ehemann, der als Jude keine Theaterschule besuchen durfte, hatte Schenja Berkowitsch ihre Liebe zum Theater. Ihre Mutter Jelena Efron ist eine Menschenrechtsaktivistin, ihr Vater Boris Berkowitsch ein Dichter, der nach der Scheidung von seiner Ehefrau in den frühen 1990er Jahren nach Israel emigrierte.
Künstlerische Entwicklung Schenja Berkowitsch war ab 2003 am Theater der jungen Kreativität in St. Petersburg als Regisseurin und Lehrerin tätig. In dieser Zeit studierte sie außerdem am Staatlichen Institut für Darstellende Kunst und erhielt 2007 einen Abschluss für Theatermanagement. Ab 2008 studierte sie Regie an der Moskauer Theaterschule bei Kirill Serebrennikow. Ihre Abschlussinszenierung The Lark wurde 2012 im Tschechow-Theater aufgeführt.
2018 gründete sie mit anderen die unabhängige Theatergruppe Töchter von Soso, wo sie mehrere Stücke inszenierte, darunter 2020 Finist, heller Falke von Swetlana Petritschuk. Dieses beruht auf Erlebnissen einer jungen russischen Frau, die nach Syrien zu einem Kämpfer des Islamischen Staates reiste, den sie vorher über das Internet geheiratet hatte. Nach ihrer Rückkehr nach Russland wurde sie zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. 2021 gewann dieses Stück zwei der renommierten Theaterpreise Goldene Maske.
Staatliche Repressionen Verhaftung Am 24. Februar 2022 beteiligte sich Schenja Berkowitsch an einer Protestaktion gegen den russischen Einmarsch in der Ukraine, wofür sie für elf Tage inhaftiert wurde. Im Mai veröffentlichte sie zwei Gedichte gegen diesen Krieg im Internet, die einige Verbreitung fanden.
Am 4. Mai 2023 wurde sie wegen des Theaterstückes mit der Autorin Swetlana Petritschuk wegen Rechtfertigung von Terrorismus nach einer Anzeige der ultrarechten Nationalen Befreiungsbewegung verhaftet. Am darauffolgenden Tag wurden die Wohnhäuser ihrer Mutter und Großmutter durchsucht. Danach gab es mehrere öffentliche Beschuldigungen gegen sie, aber auch eine breite Unterstützungswelle im Land. Diese betonte immer wieder, dass das Stück nicht für, sondern gegen islamistische Organisationen gerichtet sei. Amnesty International appellierte für ihre Freilassung bei den russischen Behörden. Ihre Untersuchungshaft wurde mehrmals verlängert. Im November 2023 durfte Schenja Berkowitsch an der Beerdigung ihrer Großmutter Nina Katerli teilnehmen. Ihre 25-stündigen Fahrt dorthin in einem Gefangenentransporter ohne Heizung, warme Kleidung, Essen, Trinken, Sitz- und Schlafmöglichkeiten beschrieb sie aber als grausam. Im April 2024 wurden beide Frauen auf eine offizielle Liste von angeblichen Terroristen und Extremisten gesetzt.
Gerichtsverfahren und Verurteilung Am 20. Mai 2024 begann der Prozess gegen Schenja Berkowitsch und Swetlana Petritschuk vor einem Militärgericht in Moskau, was wegen eines Theaterstückes einmalig in der russischen Geschichte war. Ihr Theaterlehrer Kirill Serebrennikow protestierte dagegen mit dem Zeigen von einem Foto von ihr während der Vorführung eines Filmes von ihm bei den Filmfestspielen in Cannes an diesem Tag. Der Prozess hatte skurrile Züge, da sich der Militärrichter anscheinend intensiv mit literarischen Fragen beschäftigte. Ein systemtreuer Theaterregisseur beschuldigte beide, mit ihrem Theaterstück gegen die Interessen des Landes agiert zu haben. Ein angeblicher anonymer Zeuge wurde mit veränderter Stimme auf eine Videoleinwand projiziert und war kaum zu verstehen. Einige Szenen aus dem Prozess wurden von der Filmemacherin Jekaterina Mamontowitsch für einen Dokumentarfilm aufgenommen.
Am 8. Juli 2024 wurden beide Frauen zu sechs Jahren Lagerhaft verurteilt, was in dieser Höhe für alle Anwesenden überraschend war.Lange Haftstrafen für Theaterschaffende. In: Tagesschau, 9. Juli 2024., mit Hintergrundanalysen Danach gab es eine breite nationale und internationale Berichterstattung und Proteste.
Am 25. Dezember 2024 senkte ein Berufungsverfahren die Strafe um fünf Monate. Am 6. Februar 2025 wurde Schenja Berkowitsch in die Strafkolonie 3 in Pribreschny im Gebiet Kostroma gebracht. Dort lebt sie unter schweren Bedingungen und darf monatlich nur 15 Minuten mit ihrer Familie telefonieren. Sie kann aber in einer Theatergruppe spielen.Wenn Literatur und Theater ins Straflager führen. In: Niederdeutsch-friesisches PEN-Zentrum, 30. August 2026 (mit einer Übersicht und dem aktuellen Stand)
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Einzelnachweise
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