Harald Schneider (* 17. April 1961) ist ein deutscher Molekularbiologe und Forensiker. Er ist seit 1991 beim Hessischen Landeskriminalamt (HLKA) in Wiesbaden tätig. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören die forensische DNA-Analytik, die Untersuchung kleinster biologischer Spuren sowie die molekulargenetische Aufklärung von Tötungs- und Sexualdelikten und sogenannten Cold Cases durch die Erstellung und Auswertung genetischer Fingerabdrücke. Zu seinen besonderen Arbeitsschwerpunkten gehört die von ihm eingeführte und weiterentwickelte selektive Einzelhautschuppenanalyse.
Beruflicher Werdegang Schneider studierte Biologie mit dem Schwerpunkt Molekularbiologie in Marburg und promovierte anschließend auf diesem Gebiet. 1991 trat er seinen Dienst beim Hessischen Landeskriminalamt in Wiesbaden an und ist seither als Sachverständiger für molekulargenetische Untersuchungen tätig. 1992 übernahm er die Leitung des Fachbereichs Serologie/DNA-Analytik im KTI und war am Aufbau und an der Entwicklung der DNA-Analytik beim Hessischen Landeskriminalamt beteiligt. Im Jahr 2002 wurde Schneider mit der Leitung der Fachgruppe Biologie, DNA-Analytik und Textilkunde des Kriminalwissenschaftlichen und -technischen Instituts (KTI) des HLKA beauftragt. Seit 2004 steht er dieser Fachgruppe vor. In seiner mehr als drei Jahrzehnte umfassenden Tätigkeit beschäftigt sich Schneider insbesondere mit der molekulargenetischen Untersuchung von Spuren aus Tötungs- und Sexualdelikten.
Forensische DNA-Analytik Schneider gehörte zu den frühen Anwendern der forensischen DNA-Analytik in Deutschland und war am Aufbau dieses Bereichs beim Hessischen Landeskriminalamt beteiligt. Besondere Bedeutung erlangte seine Arbeit bei der Untersuchung kleinster biologischer Spuren und bei der Aufklärung lange zurückliegender Kapitalverbrechen. Er entwickelte Verfahren zur Untersuchung von Hautschuppen und war an der Weiterentwicklung der sogenannten Contact Trace Analysis (CTA) beteiligt. Seine Fachgruppe spezialisierte sich zudem auf die erneute Untersuchung ungeklärter Altfälle („Cold Cases“). Schneider veröffentlichte auch wissenschaftlich zur forensischen DNA-Analytik. 2011 erschien im International Journal of Legal Medicine die gemeinsam mit Thomas Sommerer, Steve Rand und Peter Wiegand verfasste Arbeit Hot flakes in cold cases zur Untersuchung einzelner Hautschuppen aus DNA-Mischspuren. Die Arbeit wurde auch in der forensischen Fachliteratur rezipiert; sie wird unter anderem in einer Fachübersicht des US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology (NIST) zur Trennung von Zellen aus DNA-Mischspuren sowie im Handbook of Forensic Medicine im Kapitel „Forensic DNA Analysis“ aufgeführt. Die von ihm etablierte Methode wird im Rahmen der Amtshilfe auch von anderen Landeskriminalämtern und ausländischen Kriminalbehörden genutzt.
Nach Angaben des Hessischen Innenministeriums konnten durch die von Schneider im HLKA etablierte forensische DNA-Analytik schätzungsweise 500 bis 600 Tötungsdelikte und bis zu 5000 Sexualverbrechen aufgeklärt werden.
Bedeutende Fälle In die weltweit erste erfolgreiche DNA-Reihenuntersuchung wurden beim Fall des Mordes an der zweieinhalbjährigen Elora McKemy in Babenhausen im Jahr 1993 unter Schneiders Beteiligung 1889 Personen einbezogen. Durch den Abgleich der DNA-Proben mit der am Tatort gesicherten Täterspur wurde ein in Babenhausen stationierter US-Soldat identifiziert.
Im Fall Mirco Schlitter (2010) in Nordrhein-Westfalen konnte Schneider mit der speziellen Untersuchung von Hautschuppen/Mikrospuren an Mircos Kleidung relevante DNA-Spuren gewinnen, die zur Überführung des Täters beitrugen.
In dem öffentlich besonders beachteten Fall des Mordes an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Jahr 2019 trug nach Angaben des Hessischen Innenministeriums die Analyse von DNA-Spuren aus dem Tatkomplex durch Schneider und sein Team im Hessischen Landeskriminalamt entscheidend zur Aufklärung des Mordfalls bei.
Im Mordfall Amy Lopez (1994) untersuchten Schneider und sein Team im Jahr 2026 alte Asservate erneut mit heutigen Methoden. Eine einzelne Hautschuppe führte zu einer verwertbaren DNA-Spur und schließlich zu einem Tatverdächtigen.
Öffentliche Rezeption Schneiders Arbeit als forensischer DNA-Experte wurde wiederholt in journalistischen Medien und Fernsehdokumentationen dargestellt. 2017 veröffentlichte die Hessische/Niedersächsische Allgemeine ein ausführliches Interview mit Schneider über die Entwicklung der forensischen DNA-Analyse und seine Arbeit an ungeklärten Tötungsdelikten. 2019 gab Schneider der Frankfurter Rundschau ein ausführliches Interview über seine Arbeit als DNA-Experte und die Aufklärung schwerer bzw. lange zurückliegender Straftaten.
Seit 2018 war Schneider wiederholt als forensischer Experte in der ZDFinfo-Dokumentationsreihe Ermittler! zu sehen. In mehreren Folgen wurden von ihm bearbeitete Tötungsdelikte sowie seine Arbeit mit DNA- und Mikrospuren dargestellt. In DNA lügt nicht wurde unter anderem seine Arbeit bei der Aufklärung des Mordes an der dreijährigen Elora McKemy thematisiert.
Eine weitere Ausgabe der Reihe, Soko „Mirco“, behandelte Schneiders Beteiligung an den Ermittlungen zum Mord an dem zehnjährigen Mirco S. Das ZDF bezeichnete seine Unterstützung des Soko-Leiters Ingo Thiel bei der Aufklärung des Falls als „entscheidend“. Dabei wurde insbesondere Schneiders Arbeit mit Mikrospuren dargestellt.
Schneider trat auch in weiteren Ausgaben von Ermittler! als forensischer Experte auf, darunter Unheilvolle Begegnung, Gefährliche Einbrecher, Brandspuren und Verräterische Details. Die Produktionen behandeln unterschiedliche Tötungsdelikte und Cold Cases sowie die dabei von Schneider und seiner Fachgruppe eingesetzten kriminaltechnischen Untersuchungsmethoden.
Auch außerhalb der Dokumentationsreihe wurde Schneider als Experte interviewt. Im März 2026 führte SWR Aktuell mit ihm ein Interview über die Entwicklung der forensischen DNA-Analyse und die Möglichkeiten, Jahrzehnte alte biologische Spuren in Cold Cases mit modernen Methoden erneut zu untersuchen.
Auszeichnungen Harald Schneider erhielt 2023 das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Ausgezeichnet wurde er für seine Arbeit in der forensischen DNA-Analytik.
Einzelnachweise
Kategorie:Molekularbiologe Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1961 Kategorie:Mann