mini|Rapenburg 61 im August 2009 Das Snouck-Hurgronje-Haus in Leiden befindet sich am Rapenburg 61 und ist als Rijksmonument unter der Nummer 25498 im niederländischen Denkmalregister verzeichnet.Eintrag des Gebäudes im Niederländischen Rijksmonumentenregister [Zugriff am 26. August 2026].
Im 15. Jahrhundert gehörte das Grundstück zu einem großen Rittergut, das sich über die Parzellen Rapenburg 59 bis 63 erstreckte. Durch ein Tor gelangte man auf einen Hof, der von einem Treppenturm in der Ecke eines L-förmigen Gebäudes dominiert wurde. Es handelt sich um ein sogenanntes Hofhaus (hofhuis), einen in Leiden seltenen Haustyp. Dieses mittelalterliche Gebäude ist in seinen Grundzügen noch erhalten. 1622 wurde das Rittergut aufgeteilt. Nach dem Verkauf entstanden auf dem vorderen Hofbereich weitere Bebauung und ein Hinterhaus. 1656 wurde das Gebäude in eine zweischiffige Komposition überführt.Edwin D. Orsel: Wonen op stand door de eeuwen heen. In: Jaarverslag Unit Monumenten & Archeologie 2009, S. 41f.; dort finden sich auch 3D-Rekonstruktionen, die die bauliche Entwicklung des Gebäudes veranschaulichen.
1701 veranlasste der Eigentümer, Bürgermeister Joost van Heemskerck (1649–1717), einen weiteren Umbau. Nach Entwürfen des Architekten Jacob Roman (1640–1716) entstand eine neue Fassade im Stiel Ludwigs XV; sie wurde der älteren Bausubstanz vorgeblendet. Von diesen Umbauten sind Bauzeichnungen erhalten.Vgl. Ronald Stenvert/Edwin D. Orsel: Jacob Roman: An Innovative Designer? In: Bulletin KNOB 117/2 (2018), S. 58–79, hier: S. 68. Zugleich erhielt das gesamte Gebäude einen neuen Dachstuhl. Im Inneren wurde eine zeittypische Grundrissgliederung mit einem zentralen Flur und beidseitig angeordneten Räumen geschaffen. 1764 wurde das Bauwerk im Auftrag von Theodora Elisabeth und Joost van Reverhorst durch eine neue, mit Rokokodekor ausgestattete Eingangspartie dem zeitgenössischen Geschmack angepasst; die 1701 errichtete Backsteinfassade blieb dabei weitgehend erhalten. Aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammt auch die qualitätvolle Innenausstattung mit Rokokostuck, geschnitzten Türen, Wandvertäfelungen, Spiegeln, Konsoltischen und einem reich gestaltete Kamin mit grauem Marmorsims. Erhalten sind ferner Stuckarbeiten im Eingangsbereich und weitere historische Raumausstattungen; die ursprünglichen Wandbespannungen und bemalten Tapeten sind dagegen verloren. Teile des Hauses wurden im 19. Jahrhundert verändert.Engelbert Hendrik ter Kuile: De Nederlandsche Monumenten van geschiedenis en kunst. Bd. VII: De provincie Zuid-Holland, Teil 1: Leiden en westelijk Rijnland, Den Haag 1944, S. 143; Edwin D. Orsel: De hand van Jacob Roman; de nokplaat van Rapenburg 61 te Leiden uit 1701. In: Nieuwsbrief Stichting Bouwhistorie Nederland 47 (2009), S. 38–41; ders.: Wonen op stand door de eeuwen heen. In: Jaarverslag Unit Monumenten & Archeologie 2009, S. 41f.
1919 erwarb der Arabist und Islamwissenschaftler Christiaan Snouck Hurgronje (1857–1936) das Gebäude; im verdankt das Haus seinen heutigen Namen. Nach Snoucks Tod wurde das Haus am Rapenburg nicht mehr bewohnt; seine Witwe Ida Snouck Hurgronje (1873–1958) und die Tochter, Christien Liefrinck-Snouck Hurgronje (* 1914), zogen nach Wassenaar. Im Oktober 1936 gründeten Freunde und Kollegen ein „Snouck Hurgronje-Comité“, um das Gebäude für das 1927 gegründete Oosters Instituut zu erwerben. Trotz der Beteiligung zahlreicher angesehener Persönlichkeiten kamen jedoch nicht genügend Mittel zusammen. Schließlich kaufte das Leids Universiteits Fonds das Haus und vermietete es an das Institut. Das Obergeschoss bezog das neu gegründete Instituut voor Strafrecht en Criminologie. Der große Saal diente akademischen Zusammenkünften; daneben fanden in den Räumlichkeiten verschiedene im Oosters Instituut organisierte Einrichtungen sowie die Bibliothek Rudolph Said-Ruetes Platz. Das Haus entwickelte sich damit zu einem Zentrum der Leidener Orientalistik und bewahrte diese Funktion auch in der Nachkriegszeit. Erst 1982 verließen die Orientalisten das Gebäude und bezogen neue Räumlichkeiten. 2017 wurde das Haus an eine Vermögensverwaltungs- und Investmentgesellschaft veräußerte;Wim van den Doel: Het volkomen geleerdenleven van Christiaan Snouck Hurgronj, Amsterdam 2021, S. 528f. gegenwärtig wird es vom Instituut voor de Nederlandse Taal genutzt.Laura van Eerten: Terug naar het Rapenburg. Online auf ivdnt.org, 20. Februar 2018 [Zugriff am 26. August 2026]. 2009 wurden Restaurierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen an dem Gebäude durchgeführt.Edwin D. Orsel: De hand van Jacob Roman; de nokplaat van Rapenburg 61 te Leiden uit 1701. In: Nieuwsbrief Stichting Bouwhistorie Nederland 47 (2009), S. 38–41; ders.: Wonen op stand door de eeuwen heen. In: Jaarverslag Unit Monumenten & Archeologie 2009, S. 41.
Literatur Engelbert Hendrik ter Kuile: De Nederlandsche Monumenten van geschiedenis en kunst. Bd. VII: De provincie Zuid-Holland, Teil 1: Leiden en westelijk Rijnland, Den Haag 1944, S. 143. Annie Versprille: Huisvesting. In: Gedenkboek bij het 200-jarig bestaan van de Maatschappij der Nederlandse Letterkunde te Leiden, Leiden 1966, S. 115–28. Edwin D. Orsel: De hand van Jacob Roman; de nokplaat van Rapenburg 61 te Leiden uit 1701. In: Nieuwsbrief Stichting Bouwhistorie Nederland 47 (2009), S. 38–41. Edwin D. Orsel: Wonen op stand door de eeuwen heen. In: Jaarverslag Unit Monumenten & Archeologie 2009, S. 41f. Ronald Stenvert/Edwin D. Orsel: Jacob Roman: An Innovative Designer? In: Bulletin KNOB 117/2 (2018), S. 58–79. Wim van den Doel: Het volkomen geleerdenleven van Christiaan Snouck Hurgronj, Amsterdam 2021, S. 528f.
Weblinks
Eintrag zu Rapenburg 61 im Niederländischen Rijksmonumentenregister.
Anmerkungen
Kategorie:Bauwerk in Leiden