Die Orangekopftangare (Thlypopsis sordida, Syn.: Nemosia sordida, Nemosia fulvescens) ist eine Vogelart aus der Familie der Tangaren (Thraupidae), die in Kolumbien, in Venezuela, in Ecuador, in Peru, in Bolivien, in Brasilien, in Paraguay und in Argentinien verbreitet ist. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt.

Merkmale mini|Orangekopftangare ♀ Die Orangekopftangare erreicht eine Körperlänge von ca. 13,0 cm bei einem Gewicht von ca. 14,0 bis 19,0 g. Es ist eher unscheinbare Tangare mit dünnem Schnabel und einem gelborangen Kopf. Ihre Proportionen erinnern an die der Waldsänger. Beim Männchen sind der Oberkopf und die Kopfseiten orangerostfarben, wobei die Farbe an den Zügeln, den Augenpartien und der Kehle in ein leuchtendes Gelb übergeht. Die Oberseite, einschließlich der Oberschwanzdecken, dem Schwanz und der Oberflügeldecken, sind sandgrau. Die Handdecken und Schwungfedern sind dunkel mit grauen Säumen. Die Unterseite ist gelbbraun bis zimtfarben und wird zur Mitte der unteren Brust, zum Bauch und zu den Unterschwanzdecken hin weißlich. Die Iris ist dunkel braun, der Schnabel dunkel und die Beine hornfarbengrau. Das Weibchen ist auf der Oberseite, insbesondere am Oberkopf, matter als das Männchen gefärbt. Die Zügel, das Gesicht und die Kehle wirken matter gelb, die gelbe Färbung des Kopfes ist weniger ausgedehnt und hebt sich weniger stark vom Rücken ab. Jungvögel ähneln dem Weibchen, wirken jedoch noch matter. Sie sind auf der Oberseite, einschließlich des Oberkopfs, grauolivfarben. Die Unterseite ist heller.Steven Leon Hilty (2020)

Lautäußerungen Der Einzelgesang der Orangekopftangare variiert je nach Region. Im Norden Perus und in Ecuador ist er hoch, abgehackt sowie an- und abschwellend, klingt wie pits’a, si-a, pits’a, si-i und endet auf einem hohen Ton. Im Nordwesten Argentiniens im Nationalpark Calilegua ist er hoch, stockend und abgehackt, klingt wie sit, sit, a si-fits-tsa und ebenfalls mit an- und abschwellendem Muster. Bei Duetten oder Gesängen bzw. erregtem Geplapper im Norden Perus und in Bolivien sind einige hohe Töne zu hören, gefolgt von schnellem, hohem Gezwitscher. Diese werden im Sitzen oder im Flug vorgetragen und klingen wie sit sit t-t-t-t-t-t-t-t-t-t-d-dit. Der ganzjährige Gesang im Osten Brasiliens im Bundesstaat Rio de Janeiro umfasst verschiedene Gesangstypen. Typisch ist ein dünnes, hohes tsap-tsip, tsip, tsip-tsop-tsuit. Ebenfalls in Brasilien zu hören ist ein hoher tsi . . . . tsrrrri-Triller. Zu den Rufen gehören hohe tsiit-, siit- oder sit-Laute, oft verdoppelt, verdreifacht oder rasch wiederholt. Außerdem gehört ein schnelles, hohes sit-it-t-t-t-t-t-t Gezwitscher und das langsamer vorgetragene siit-a zu seinem Repertoire.

Fortpflanzung Wenig ist über die Brutbiologie der Orangekopftangare bekannt. In Argentinien wurde im Dezember ein Nest entdeckt. Es handelte sich um ein offenes, napfförmiges Nest in ca. 2 Meter Höhe. Dieses enthielt zwei bläulich weiße Eier mit brauner und zimtfarbener Zeichnung. Regelmäßig parasitiert der Seidenkuhstärling (Molothrus bonariensis) das Nest der Orangekopftangare.

Verhalten und Ernährung In acht untersuchten Mägen der Orangekopftangare fand man in drei ausschließlich pflanzliche und in vier nur tierische Bestandteile, während in einem beides enthalten war. Ihr Nahrungsspektrum umfasste Heuschrecken, Käfer, Zweiflügler, Webspinnen sowie Fruchtfleisch und Samen. Sie tritt paarweise oder in Familiengruppen von 3 bis 4 Individuen auf. Bisweilen sieht man sie in gemischten Schwärmen, aber ebenso häufig auch abseits davon. Die Nahrungssuche der Orangekopftangare erfolgt unruhig, in lebhafter Weise und ähnelt dem der Waldsänger. Dabei hüpft sie rasch umher und pickt Insekten ab. Meist geschieht dies vom Blattwerk in Augenhöhe oder höher bis hinauf in die Kronen kleiner Bäume. Seltener flattert oder rüttelt der Vogel oder stößt für kurze Strecken in die Luft vor, um fliehende Beute zu ergreifen.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet der Orangekopftangare (grün) In Venezuela und dem Amazonasbecken ist sie in der Sukzessionvegetation auf Flussinseln und an Flussufern anzutreffen. So bewegt sie sich etwa in hohen Gynerium-Süßgrasbeständen, zwischen Weiden, Tessaria, Cecropia und dem dazugehörigen Buschwerk oder in jüngerem Sekundärbewuchs in der Nähe von Flüssen. Sie ist auch in den Gebieten südlich des Amazonasbeckens in trockenen bis semi-humiden Zonen anzutreffen. Hier bewegt sie sich in den Baumkronen offener Wälder, in Parks, buschreichen Gärten und im Cerrado sowie in lichter Ufervegetation entlang von Wasserläufen. Im Nordwesten Argentiniens kommt die Art in Buschland, Dickicht und an den Rändern trockener, offener Wälder vor, insbesondere entlang zeitweise wasserführender Flussläufe. Sie ist selten oder gar nicht im Inneren geschlossener Wälder zu finden. Dort bewegt sie sich in Höhenlagen bis etwa 100 Meter in Venezuela und ca. 400 Meter in Kolumbien. Andernorts kann sie bis ca. 800 Meter, in Bolivien lokal bis 1500 Meter vorkommen. Es ist der einzige Vertreter der Gattung Thlypopsis im Tiefland des Amazonas.

Unterarten Es sind folgende Unterarten anerkannt: Thlypopsis sordida orinocensis , 1942Herbert Friedmann (1942), S. 85–86. kommt im tropischen östlichen zentralen Venezuela im südlichen Anzoátegui und dem nördlichen Bolívar vor. Bei der Unterart sind die Brust, die obere Brust sowie Seiten und Flanken hellgrau mit einer grauzimtfarbenen Tönung. Thlypopsis sordida chrysopis ( & , 1880)Philip Lutley Sclater u. a. (1837), S. 155–156. ist vom südlichen Teil Kolumbiens bis ins östliche Ecuador, ins östliche Peru und ins westliche Brasilien verbreitet. Die Subspezies ähnelt stark T. s. orinocensis, weist jedoch eine rein graue Oberseite ohne oder mit nur geringem Olivton auf, während die Brust und die Seiten hell graubraun gefärbt sind. Thlypopsis sordida sordida ( & , 1837)Alcide Dessalines d’Orbigny u. a. (1837), S. 28.Zur Publikationsgeschichte siehe Edward Clive Dickinson u. a. (2018a) S. 112–113, Edward Clive Dickinson u. a. (2018b) S. 280 kommt vom östlichen und südlichen Brasilien über das östliche Bolivien, Paraguay bis ins nördliche Argentinien vor.

Nemosia fulvescens , 1844Hugh Edwin Strickland (1844), S. 420. wird heute als Synonym zur Nominatform betrachtet.

Migration Die Orangekopftangare gilt für Mato Grosso und Nordargentinien als saisonaler Strichvogel. Während der Monate des Südwinters erfolgen Verlagerungen von den Andenhängen ins Tiefland.

Etymologie und Forschungsgeschichte Die Erstbeschreibung der Orangekopftangare erfolgte 1837 durch Alcide Dessalines d’Orbigny und Frédéric de Lafresnaye unter dem wissenschaftlichen Namen N[emosia] sordida. Als Verbreitungsgebiet nannten sie die Provinz YuracarésDie Provinz Yuracarés gehörte ursprünglich zum Departamento Beni. Mit der Gründung der Provinz Chapare im Jahre 1854 wurden Teile von Yuracarés dieser neuen Provinz angegliedert. in Bolivien. 1851 führte Jean Louis Cabanis die für die Wissenschaft neue Gattung Thlypopsis für die Orangekopftangare ein.Jean Louis Cabanis (1826), S. 138. Dieser Begriff leitet sich aus und ab.Thlypopsis The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Der Artname sordida stammt von ab.sordida The Key to Scientific Names. Edited by James A. Jobling Chrysopis hat seinen Ursprung in und chrysopis The Key to Scientific Names. Edited by James A. Jobling, fulvescens in .fulvescens The Key to Scientific Names. Edited by James A. Jobling Orinocensis bezieht sich auf den Orinoco. Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay keinen Balg zur Verfügung. Laubmann sah in der Unterart Thlypopsis sordida sordida die Unterart für Paraguay. In der Literatur betrachtete er ein von Félix Posner gesammeltes Exemplar aus Monte SociedadArnaldo de Winkelried Bertoni (1930), S. 254., das von Arnaldo de Winkelried Bertoni beschrieben wurde als Nachweis für das Land. Außerdem erwähnte er Montese del cabeza de oroFélix de Azara (1802), S. 430–432. von Félix de Azara.Alfred Laubmann (1940), S. 170.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Anmerkungen

Kategorie:Tangaren