Lee Nam-suk (* 28. Juni 1925 in Yeoju, Gyeonggi-do, damaliges Japanisches Kaiserreich, heutiges Südkorea; † 29. August 2000 in Torrance, Kalifornien, USA) gilt als Mitbegründer des Chang Moo Kwan, eine der fünf ursprünglichen „Kwans“ (Schulen der koreanischen Kampfkunst). In seinem späteren Leben machte Lee Nam-suk die Küstenstadt San Pedro in Kalifornien zu seiner Heimat; dort knüpfte er wieder an seine traditionellen Wurzeln im Chang Moo Kwan an. Mit 70 Jahren unterrichtete er noch aktiv Chang Moo Kwan im YMCA von San Pedro. Lee Nam-suk verstarb am 29. August 2000 in der benachbarten südkalifornischen Stadt Torrance.

Frühes Leben Lee Nam-suk wurde 1925 in Yeoju geboren und in den 1930er Jahren zog die Familie Lee während der japanischen Besatzung der Koreanischen Halbinsel, nach Seoul. Vor dem Umzug nach Seoul verlor Lee Nam-suk seinen 1-jährigen Bruder. Lee Nam-suks Lieblingssport war Fußball, und er galt als dominanter Spieler.

Als Teenager fand er zufällig eine zerfledderte, weggeworfene chinesische Übersetzung von Gichin Funakoshis „Karate Jutsu“, die in der Gosse lag. Er nahm es mit nach Hause und begann, den Text sowie die dazugehörigen Schwarz-Weiß-Fotos eingehend zu studieren. In der Übersetzung fand er auch detaillierte Analysen der fünf Heian- bzw. Pinan-Katas, von Kanku-dai, Naihanchi und anderen. Dies war der Punkt, andem er mit dem Training anfing.

Yoon Byung-in ein Schüler von Kanken Toyama gründete Ende 1946 oder Anfang 1947 die Kwon Beop Bu (Bu, bedeutet Abteilung) in der Joseon YMCA-Zentrale in Jongno-gu, Seoul. Lee Nam-suk unterrichtete ebenfalls in der Joseon YMCA-Zentrale. Er lehrte dort Kong Soo Do. Beide legten ihre Klassen zusammen, nachdem sie sich auf einen Lehrplan geeinigt hatten. Ab Mai 1947 unterrichtete LEE Nam-suk zudem Kong Soo Do im Kommunikationsministerium, wo er auch beruflich tätig war.

Im Juni 1950 brach der Koreakrieg aus, und Südkorea befand sich im Chaos. Im Süden wurden Kampfsport-ausgebildete Kommandos über die Linien geschickt, um zu spionieren und gelegentlich auch zu exekutieren. Der Preis für die Kampfkünste war hoch, denn viele galten als vermisst oder kamen ums Leben

Yoon Byung-du, ein Bruder von Yoon Byung-In und zu der Zeit Hauptmann der nordkoreanischen Armee, tauchte im August 1950 auf und nahm seinen Bruder mit nach Nordkorea. Zu diesem Zeitpunkt brach der Kontakt zwischen Yoon Byung-In und seinen Schülern ab, da sich Yoon Byung-in in einem Kriegsgefangenenlager auf der Insel Geojedo befand.

Das Hauptgebäude des Jung Ang YMCA wurde Ende 1950 oder 1951 durch Bombenangriffe amerikanischer Kampfflugzeuge vollständig zerstört, weshalb das Jung Ang YMCA Kwon Beop Bu bis 1952 vorübergehend geschlossen blieb.

Lee Nam-suks Rolle bei der Expansion des Chang Moo Kwan 1953 nahm Lee Nam-suk die Schüler des Jung Ang YMCA Kwon Beop Bu zu sich in den Trainingsraum (Cheshin Bu oder Postverwaltungs-Club) im Kommunikationsministerium.

Danach benannte Lee Nam-suk seinen Club um in „Changmugwan“ (symbolisiert durch zwei Drachen). Den Namen Changmugwan verwendete Yoon Byung-in bereits während seiner Zeit in Korea.

Mitglieder wie Kwak Seong-gyu, Son Cheol-jun und Kim Seon-gu begannen mit dem Wiederaufbau am Standort des ehemaligen Hauptpostamts von Seoul (heute Regierungsgebäude an der Sejong-daero, Seoul), nachdem es vom Kommunikationsministerium offiziell anerkannt worden war. Damals waren die Verkehrsanbindungen schwierig, und es gab außer dem Basistrainingszentrum keine weiteren Dojangs.

Am 5. Oktober 1953 wurde Lee Nam-suk zum Direktor von Changmugwan ernannt. Später verlor Lee Nam-suk die Nutzung der Trainingsräume in der Postverwaltung und der Changmugwan zog er nach Muak-dong, Jongno-gu, Seoul.

Mitte 1955 schlossen sich mehrere koreanische Meister der Kampfkunst zusammen und vereinten verschiedene „Kwans“ (Schulen). Zu diesem Zeitpunkt wurde Nam Suk Lees Chang Moo Kwan häufig als Taekwon-Do bezeichnet, und es hatte womöglich bereits begonnen, einen Teil seiner Eigenständigkeit zu verlieren. Im September 1961 wurde die Korean Taekwondo Association (KTA) gegründet. Nam Suk Lee wurde 1961 zum Generaldirektor der KTA ernannt und im Januar 1962 trat er von diesem Amt zurück.

1957 unterrichtete Meister Lee Nam-suk im Chang Moo Kwan kaum noch und hatte Kim Pyung-soo (3. Dan) mit der Leitung des Großteils des Unterrichts betraut. Kim Pyung-soo wollte seine Ausbildung über den 3. Dan hinaus fortsetzen, fand aber im Chang Moo Kwan niemanden, der ihn unterrichten konnte. Daher unterrichtete er im Chang Moo Kwan und nahm gleichzeitig als Schüler am Kang Duk Won Dojang teil, da beide dieselbe Linie und denselben Lehrplan verfolgten. Kim Soon-bae, Meister Lee Nam-suks Assistenztrainer im Hauptdojang des Chang Moo Kwan, erfuhr davon und teilte Kim Pyung-soo mit, dass er sich für einen Dojang entscheiden müsse. Kim Pyung-soo entschied sich, im Kang Duk Won Dojang zu bleiben und dort Schüler zu werden. Aufgrund seines Rufs als Meister und Kampfkünstler folgten ihm viele Schwarzgurte des Chang Moo Kwan und schlossen sich dem Dojang des Kang Duk Won an.

Im Jahr 1965 wurde die KTA von der koreanischen Regierung neu organisiert; das ursprüngliche Konzept sah vor, dass jede Schule – oder jeder „Kwan“ – ein gewisses Maß an Kontrolle über ihre Eigenheiten behalten konnte, einschließlich der Techniken, Philosophien und Formen.

Lee Nam-suk kehrte zur neu formierten Koreanischen Taekwondo-Vereinigung zurück, indem er 1967 deren Generaldirektor und im Januar 1969 Vizepräsident wurde; zudem wurde er 1971 erneut in dieses Amt berufen. Am 28. Mai 1973 wurde die World Taekwondo Federation (WTF) gegründet.

1973 wurde Lee Nam-suk zum Mitglied des Exekutivrats der WTF ernannt; gleichzeitig berief ihn die KTA zum stellvertretenden Vorsitzenden des Technikausschusses.

In den frühen 1970er Jahren unternahm Lee Nam-suk zahlreiche Reisen, um Chang-Moo-Kwan-Schulen sowohl in Korea als auch im Ausland zu besuchen. Auf dem Höhepunkt im Jahr 1976 umfasste die Organisation Chang Moo Kwan rund 900 Schulen (Dojangs), von denen sich fast 400 im Ausland befanden.

Die Wiederbelebung des Chang Moo Kwan Am 30. Oktober 1982 folgte Lee Nam-suk dem Rest seiner Familie – vier Söhnen und einer Tochter – in die USA und ließ sich in Südkalifornien, in der Küstenstadt San Pedro, nieder.

Vorher übergabe er seine Position des Direktors an den jetzigen Direktor Kim Sun-bae, der Changmugwan bis heute intern vertritt.

Im Jahr 1997 traf Lee Nam-suk auf drei traditionelle Chang-Moo-Kwan-Lehrer: Jon Wiedenman, George Fullerton und Tony Barnes. Alle drei praktizierten bereits seit einem Vierteljahrhundert traditionelles Chang Moo Kwan.

Wiedenman und Fullerton schaften es, dass Lee Nam-suk wieder unterrichtete, indem sie ihm einen Anzug kauften, auf der die koreanische und die amerikanische Flagge genäht war und überreichten ihm sogar einen Gürtel mit individueller Stickerei. Außerdem erklärte Wiedemann Lee Nam-suk, dass er und seine Schüler ihre „Tassen leeren“ und seine Lehren vorbehaltlos annehmen würden. Nun besaß Lee Nam-suk nach vielen, vielen Jahren wieder einen eigenen Dojang.

Für Lee Nam-suk lag der Gewinn in der Würde und der Zufriedenheit, seine Kunst an eine Gruppe weiterzugeben, die sie zu schätzen wusste und in Ehren hielt. Lee Nam-suk praktizierte die von ihm begründete und geliebte Kampfkunst bis vier Tage vor Ausbruch seiner Krankheit. Der Kreis schloss sich: Was 1946 im YMCA von Seoul seinen Anfang genommen hatte, lebte im YMCA von Lees Heimatstadt San Pedro neu auf – wiederbelebt und stärker als je zuvor.

Als Wiedenman Lee Nam-suk fragte, was für Studenten und Ausbilder beim Training am wichtigsten sei und stets im Vordergrund stehen sollte, lautete Lee Nam-suks Antwort schlicht: „Fähigkeiten entwickeln“.

Lee Nam-suk starb am 29. August 2000 in Torrance, Kalifornien.

Nach seinem Tod ernannte Wiedenman – als sein letzter und ranghöchster Schüler – seinen Lehrer zum „Supreme Grandmaster“ (Obersten Großmeister) und verlieh ihm den 10. Dan (Schwarzgurt). Wiedenman und eine Handvoll weiterer Ausbilder, die bei Lee Nam-suk trainiert hatten, leiten bis heute traditionelle Trainingseinheiten an verschiedenen Standorten in Südkalifornien und Arizona. George Fullerton, Tony Barnes, David Johns, Rome Saura, Wilson Wong, Cosmo Magiliozzi und Darrell Cook sind einige der Schüler, die Nam Suk Lees Lehrtraditionen und Formen aktiv fortführen.

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