Klaus Pfeiffer (* 1938 in Deutschland; † 3. Dezember 2022 in Chora, Naxos, Griechenland) war ein deutscher Maler, Bildhauer und Grafiker, der seit den 1970er Jahren auf der griechischen Insel Naxos lebte und arbeitete. Sein umfangreiches, von der Fluxus-Bewegung geprägtes Werk verbindet klassische Bildmotive, griechische Mythologie und gesellschaftskritische, insbesondere ökologische Themen.
Leben Klaus Pfeiffer wuchs in Deutschland auf, wo er auch seine künstlerische Ausbildung erhielt.Ιωάννα Γκομούζα: Ποιος είναι ο Klaus Pfeiffer, ο Γερμανός καλλιτέχνης που έγινε Ναξιώτης; In: Athens Voice, 6. Juni 2023, online. 1965 besuchte er gemeinsam mit seiner späteren Frau Marlene erstmals die Insel Naxos; in den folgenden Jahren kehrten beide jeden Sommer dorthin zurück, verbrachten die Winter jedoch weiterhin in Deutschland. 1974 entschieden sie sich, dauerhaft nach Naxos überzusiedeln, wo sie sich in einem alten venezianischen Herrenhaus im historischen Ortskern Chora niederließen.KLAUS PFEIFFER – The wings of Icarus. In: naxos.gr, online. 1980 wurden sie offiziell Bewohner von Naxos. Unter den Einheimischen war Pfeiffer unter dem Namen „Nikos“ bekannt.
Naxos wurde für Pfeiffer zu Lebensmittelpunkt, Arbeitsort und Quelle künstlerischer Inspiration zugleich. Ab 2001 war er eng mit dem Naxos Festival und dem dort ansässigen Bazeos-Turm (Pyrgos Bazaiou) verbunden, wo er sich als tatkräftiger Mitgestalter der künstlerischen Arbeit des Festivals einbrachte.
Pfeiffer starb am 3. Dezember 2022 im Alter von 84 Jahren in seinem Haus in Chora. Nachbarn hatten die Polizei alarmiert, nachdem er mehrere Tage lang nicht gesehen worden war und nicht auf Anrufe reagierte; eine gerichtsmedizinische Untersuchung ergab einen natürlichen Todesfall, Hinweise auf ein Fremdverschulden oder Suizid fanden sich nicht.Tasos Kokkinidis: Trove of Antiquities Found at Home of German Artist in Naxos, Greece. In: GreekReporter.com, 14. Dezember 2022, online.Ausländischer Künstler tot in seinem Haus auf der Insel Naxos aufgefunden. In: de.rua.gr, 14. Dezember 2022, online. Nach seinem Tod wurden in seinem Haus 48 Objekte aus Marmor, Ton und Kupfer sowie 215 Münzen gefunden, die laut einer Einschätzung der Ephorie für Altertümer der Kykladen unter den gesetzlichen Antikenschutz fallen; die Fundstücke wurden zur Untersuchung ihrer Herkunft beschlagnahmt. Pfeiffer vermachte einen großen Teil seines künstlerischen Nachlasses dem Naxos Festival, das ihn als kulturelles Erbe der Insel bewahrt.
Werk Pfeiffer wurde in seiner künstlerischen Prägung stark von der Fluxus-Bewegung der 1960er-Jahre in Deutschland beeinflusst. Auf Naxos verband er diese Prägung mit lokalen Bezügen – zum einen mit der griechischen Mythologie als unmittelbarem Bildthema, zum anderen mit der Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Fragen seiner Umgebung, insbesondere dem Naturschutz auf der Insel. Auch seine Materialwahl spiegelt diese Einflüsse wider: Sie reicht von klassischer Leinwand über naxiotischen Marmor bis zu Plastikmüll, den er im Flussbett des Potamia-Tals sammelte. Sein Œuvre umfasst Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle, Lithografien, Holzschnitte, Radierungen, Siebdrucke, Buchillustrationen, Videos, Installationen und Performances.
Ikarus und das Motiv des Fliegens Das Thema des Fliegens durchzieht Pfeiffers Werk als wiederkehrendes Motiv. Er griff dabei auf klassische kunsthistorische Vorbilder zurück; seine kinetische Arbeit Die Flugmaschine erinnert an Konstruktionszeichnungen Leonardo da Vincis. In seiner 2001 in Vilnius realisierten Performance First Human Powered Flight – in the History of Lithuania bezog er sich unmittelbar auf Emmett Williams, einen Mitbegründer der Fluxus-Bewegung.
Besonders intensiv beschäftigte sich Pfeiffer mit dem griechischen Mythos von Daidalos und Ikarus. In Zeichnungen und Skulpturen griff er das klassische Motiv der über griechischen Inseln fliegenden Figuren auf und variierte den Sturz des Ikarus, dessen Flügel beim Flug zu nah an der Sonne schmelzen. Seine Ikarus-Skulpturen, ebenso wie Darstellungen anderer mythologischer Figuren, etwa des Minotaurus, versah er mit weit ausladenden, regenbogenfarbenen Flügeln, verbunden mit dem programmatischen Motto „Don't kill the rainbow!“.
Das Schiff der Narren Ausgehend von der aus Platons Politeia überlieferten Allegorie des „Schiffs der Narren“ – einem Sinnbild für ein von Unfähigen geführtes politisches System – griff Pfeiffer, in der Tradition von Hieronymus Boschs gleichnamigem Motiv, dieses Bild in Aquarellen und Installationen auf und bevölkerte sein Schiff mit vielgestaltigen, selbst erdachten Figuren.
Umwelt- und Gesellschaftskritik Pfeiffer setzte sich früh und auf spielerische Weise mit Umweltthemen auseinander. Er fertigte kinetische Objekte aus Getränkedosen, sammelte auf seinen Spaziergängen Zigarettenkippen und verarbeitete sie zu einem Mahnmal und griff in Performances das Thema Plastiktüten aus Supermärkten auf. In Experimenten mit Schuhen aus Plastikflaschen verband er das Thema Recycling mit einem Hinweis auf die Wasserknappheit der trockenen Insel Naxos.
Literatur und Poesie Pfeiffer hatte eine ausgeprägte Vorliebe für Poesie und ein breites literarisches Wissen. Er beschäftigte sich unter anderem mit dem griechischen Dichter Konstantinos Kavafis, dessen Texte er in Aquarelle integrierte, sodass Bildgedichte mit großer kompositorischer Freiheit entstanden. Umgekehrt illustrierte er auch literarische Werke, etwa den Gedichtband Twenty Views of Lachine Rapids der kanadischen Dichterin Susan Gillis, der die Stromschnellen von Lachine sowie das Verhältnis von Mensch und Natur in unterschiedlichen literarischen Formen – Prosa, Haiku, Sonett – behandelt; Pfeiffer setzte diese Themen in abstrakten Naturzeichnungen um.
Malerei und Stil Kennzeichnend für Pfeiffers Malerei ist der Kontrast zwischen kräftiger Farbigkeit auf Leinwand und zarten Farbverläufen auf Papier. In seinen Porträts griff er auf klassische Farb- und Formenlehre zurück, die er zugleich durch eine individuelle, zeitgenössische Bildsprache aufbrach.
Ausstellungen (Auswahl) Nach eigenen Angaben zeigte Pfeiffer seit 1973 mehr als 100 Einzel- und Gruppenausstellungen in Europa, den USA und Asien; seine Arbeiten befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen in zahlreichen Ländern, darunter den USA, Großbritannien, Kanada, Japan, Russland, der Türkei und Deutschland.Klaus Pfeiffer: Artist, Sculptor, Painter, Naxos, Greece. Archivierte Künstlerwebsite, flypfeifferfly.com bzw. Spiegelung auf geocities.ws. Er illustrierte zudem die Bücher For a Fort-Night on Naxos von P. Seuthe und Lukas von H. Voss.
Zu den Ausstellungsstationen zählen unter anderem: 1976: Städtische Kunsthalle Düsseldorf, Deutschland 1984: Galerie Hagenring, Hagen; Zehn-Jahres-Retrospektive, Haus Kley, Dortmund 1989/1997: Botschaft der Bundesrepublik Deutschland, Athen 1990: NN-Gallery, Athen-Kolonaki 1993: Zwanzig-Jahres-Retrospektive, Katholisches Kulturzentrum, Chora, Naxos 1996: Daedalos – Inspiration Takes Flight (Skulpturen), Katholisches Kulturzentrum, Naxos, sowie Black Mountain Gallery, Pawling, New York 1997: Birdmen (Skulpturen, Malerei, Installationen), Botschaft der Bundesrepublik Deutschland, Athen, sowie Barrett House Galleries, Poughkeepsie, New York 1999: Likes to Fly Away!, Plaza Gallery, Tokio, Japan 2000: Pteroenta Epea – Winged Words (mit Bettina Haller), Katholisches Kulturzentrum, Naxos 2001: Like a Featherless Bird, Venezianisches Museum, Naxos; Performance First Human Powered Flight – in the History of Lithuania zu Ehren Emmett Williams’ sowie die Installation Don't Kill the Rainbow (Hommage an Ay-O) im Modern Art Museum, Kaunas, Litauen 2023: Klaus Pfeiffer – Τα φτερά του Ίκαρου (Die Flügel des Ikarus), retrospektive Werkschau im Bazeos-Turm, Naxos, im Rahmen des Naxos Festival; kuratiert von Britta Breuers und Mario Vazaios, gezeigt wurden über 50 Werke aus Pfeiffers künstlerischem Nachlass.
Rezeption Nach seinem Tod würdigte das Naxos Festival Pfeiffer als der Insel und ihrer Kultur eng verbundenen Künstler, dessen Werk mythologische Motive, gesellschaftskritische Themen und klassische kunsthistorische Bezüge in einer farbintensiven, zeitgenössischen Bildsprache verbindet. Der 2022 erfolgte Fund zahlreicher antiker Objekte in seinem Nachlass sorgte international für Medienberichterstattung und wirft bislang ungeklärte Fragen zur Herkunft der Stücke auf.
Weblinks Website des Künstlers „The wings of Icarus“ – Ausstellungsseite naxos.gr Künstlerprofil bei der Galerie Eva Tömmel Website des Bazeos Turm und Naxos Festival
Einzelnachweise
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