mini|Die Pferdebahn um 1910 Die Pferdebahn Karlovasi verkehrte zwischen 1905 und 1939/40 in der Stadt Karlovasi (griechisch Καρλόβασι) auf der griechischen Insel Samos.
Geschichte Um 1900 hatten sich Gerbereien und Lederverarbeitung zum vorherrschenden Wirtschaftszweig von Karlovasi entwickelt und der Stadt einen gewissen Wohlstand gebracht. Rund 50 Gerbereien und Fabriken beschäftigten über 1200 Arbeiter. Karlovasi besaß damals rund 10.000 Einwohner und es entwickelte sich ein erhebliches Verkehrsbedürfnis zwischen dem Hafen, den Gerbereien und dem im Stadtteil Neo Karlovasi (Νέο Καρλόβασι) liegenden Stadtzentrum.
Am 25. September eröffnete daher ein italienischer Unternehmer namens Martini eine Pferdebahn zwischen Neo Karlovasi und dem Hafen. Die Strecke verlief vom Hafen entlang der Uferstraße, der heutigen Konstantinou Kanare, bis zum Stadtteil Ormos. Hier zweigte eine etwa einen Kilometer lange Stichstrecke entlang der Uferstraße zu den dort angesiedelten Gerbereien und Lederfabriken ab. Die Pferdebahn verlief weiter durch die Straßen Agiou Nikolaou, Panepistimiou und Ippokrate Zaime zum Stadtplatz (Kentrike Plateia Karlobasou). Personenverkehr wurde nur auf der insgesamt fünf Kilometer langen Strecke zwischen dem Hafen und dem Stadtzentrum durchgeführt. Die Stichstrecke diente dem Gütertransport zwischen den Gerbereien und dem Hafen. Am Hafen erhielt die Pferdebahn ein kleines Depot mit zwei Gleisen, Stall und Schmiede.Robert Peschkes: Auch in Griechenland fuhren Straßenbahnen. Teil 1: Die Provinzbetriebe. In: Straßenbahn Magazin 76, Mai 1990, S. 119–131, hier S. 124–127 Die Spurweite der Strecke ist nicht genau bekannt, nach alten Fotos betrug sie wahrscheinlich 1000 mm (Meterspur).
Bald nach der Eröffnung verkaufte Martini die Pferdebahn an einen griechischen Betreiber namens Chatzidakis. Die ursprünglich florierende Lederindustrie von Karlovasi befand sich in den 1930er Jahren im Niedergang und war Ende dieses Jahrzehnts fast verschwunden. Damit verlor auch die Pferdebahn zunehmend an Nachfrage und Chatzidakis stellte den Betrieb seiner Bahn in den Jahren 1939/40 schließlich ein. 1947 wurden die Gleise verkauft und aus den Straßen entfernt. Das Depot war bis mindestens Ende der 1980er Jahre noch erhalten.
Eine Besonderheit der Bahn von Karlovasi war die Verwendung von Straßenbahnmünzen, die in Griechenland sonst bei keinem Betrieb verwendet wurden. Auf der Vorderseite war der Tarif eingeprägt (ursprünglich 10, später 20 und schließlich 40 Paras), auf der Rückseite ein offener Pferdebahnwagen mit zwei Pferden sowie der Name der Bahn und des Betreibers.
Fahrzeugpark Die Pferdebahn besaß vier Wagen mit den Nummern 1 bis 4. Wagen 1 besaß einen geschlossenen Wagenkasten, die Wagen 2 und 4 waren offene Sommerwagen und Wagen 3 war ein dem Gütertransport dienender Flachwagen. Es ist nicht bekannt, wie viele Pferde für den Betrieb vorgehalten wurden. Die Wagen im Personenverkehr wurden jeweils von zwei Pferden bespannt.
Literatur Robert Peschkes: Auch in Griechenland fuhren Straßenbahnen. Teil 1: Die Provinzbetriebe. In: Straßenbahn Magazin 76, Mai 1990, S. 119–131, hier S. 124–127
Weblinks ΤΡΑΜΒΑΓΕΡΗΣ: TΡΟΧΙΟΔΡΟΜΟΣ KΑΡΛΟΒΑΣΙΩΝ ΣΑΜΟΥ (1905-1939) (griechische Seite, mit verschiedenen Bildern der Pferdebahn) Bilder von Straßenbahnmünzen der Pferdebahn Karlovasi auf worldofcoins.eu
Einzelnachweise
Kategorie:Dytiki Samos Karlovasi Kategorie:Verkehr (Nördliche Ägäis) Karlovasi