Johanna „Jeanna“ von Lantingshausen, geborene von Stockenström (* 6. April 1754; † 29. Mai 1809), war eine schwedische Adelige und Hofdame (Statsfru). Sie ist vor allem als Initiatorin der politischen Demonstration adliger Frauen gegen Gustav III. bekannt, die sich gegen dessen Verfassungszusatz von 1789 richtete.
Biographie Herkunft und frühe Jahre Sie war die Tochter des Reichsgrafen Erik von Stockenström (1703–1790) und Johanna Bedoire und heiratete 1777 Baron Albrekt von Lantingshausen (1751–1820). Das Paar hatte drei Kinder, darunter der Militär und Gutsbesitzer Erik Albrekt von Lantingshausen (1781–1856). Johanna von Lantingshausen war eine beliebte Persönlichkeit der Gesellschaft und bekannt für ihre Auftritte im Amateurtheater Gustavs III. Zugleich war sie Hofdame von Sophie Magdalene von Dänemark und eine persönliche Freundin von Hedwig von Schleswig-Holstein-Gottorf und von Gustav III.
Konflikt mit dem Monarchen Auf der turbulenten Ständeversammlung 1789, auf der Gustav III. die Unterstützung benötigte, um den andauernden Russisch-Schwedischen Krieg fortzusetzen, geriet der Monarch in offenen Konflikt mit dem Adel, der gegen den Krieg und den sog. Unions- und Sicherheitsakte (: förenings- och säkerhetsakten) war, der dem Monarchen als Zusatz zur Schwedischen Verfassung von 1772 absolutistische Machtmittel einräumen sollte. Er nutzte die Stimmen der anderen Stände, um den Adel zu überstimmen, und ließ zahlreiche Adelsvertreter unter Hausarrest stellen und inhaftieren. Dies führte zu einem Bruch zwischen Gustav III. und dem Adel, der sich vor allem auch in einem sozialen Boykott durch die weiblichen Mitglieder des Adels äußerte. Johanna von Lantingshausen war die Anführerin dieser politischen Demonstration der Adligen und gilt als deren Initiatorin. Die Frauen demonstrierten ihre Ablehnung, indem sie alle offiziellen Einladungen des Königs zurückwiesen und im Gegenteil offizielle Termine mit Hedwig Elisabeth Charlotte von Holstein-Gottorp und Sophie Albertine von Schweden, die ebenfalls als Gegnerinnen Gustavs III. bekannt waren, wahrnahmen. Gustav III. nahm tiefen Anstoß an ihrer „Fronde,“ verglich die Art des politischen Protests der Adligen mit den „Poissarden“ der Französischen Revolution und äußerte die Befürchtung, sie würden ihn aus seinem Pavillon holen, wie früher im Jahr 1789 bereits Ludwig XVI. von französischen Volksmassen vom Versailler Schloss ins revolutionäre Paris gebracht worden war.
Als Reaktion auf den Widerstand verfasste und inszenierte er ein Theaterstück, in dem Johanna von Lantingshausen öffentlich verspottet wurde. Laut des Politikers Elis Schröderheim führte diese Demonstration dazu, dass Gustav III. seine früheren Freunde endgültig verlor und mehr Zeit mit seinen männlichen Günstlingen wie Georg Johan De Besche verbrachte, mit dem er sich in berüchtigten Orgien mit Prostituierten vergnügte.Gerd Ribbing: Ensam drottning. Sofia Magdalena 1783–1813. Alb. Bonniers Boktryckeri. Stockholm. 1959. S. 113–114. Die Demonstration führte im Herbst 1790 auch zu einem Konflikt mit der Königin. Aufgrund des gesellschaftlichen Boykotts blieb der König in diesem Jahr bis weit in den Herbst hinein in der Sommerresidenz Schloss Drottningholm. Schließlich kehrte die Königin ohne seine Zustimmung in die Hauptstadt zurück, woraufhin er ihr vorwarf, von den weiblichen Höflingen manipuliert worden zu sein, an der politischen Demonstration teilzunehmen, und ihm durch ihre Abreise die Gesellschaft ihrer Hofdamen verweigert zu haben.
Dieser Konflikt endete mit einer Machtdemonstration des Monarchen: 1790 statuierte er ein Exempel und verbannte Johanna von Lantingshausen, die als Anführerin des Widerstands galt, offiziell vom Hof und von allen Orten, an denen sie mit Mitgliedern des Königshauses in Kontakt kommen konnte. Die formelle Anweisung des Königs wurde Lantingshausen von dem Polizeibeamten Nils Henric Liljensparre in ihrem Salon vorgetragen, wo sie ihre Gäste als Zeugen versammelt hatte. Dieses Ereignis wurde in zahlreichen zeitgenössischen Memoiren, Briefen und Tagebüchern erwähnt und galt als Skandal, insbesondere da Liljensparre normalerweise Prostituierte verhaftete. Es trug zur Unbeliebtheit und zum Widerstand des Adels gegen Gustav III. in seinen letzten Regierungsjahren bei. Ihre Verbannung dauerte bis zu seinem Tod.
Literatur Gerd Ribbing: Gustav III:s hustru. Sofia Magdalena. Alb. Bonniers Boktryckeri. Stockholm. 1958. Gerd Ribbing: Ensam drottning. Sofia Magdalena 1783–1813. Alb. Bonniers Boktryckeri. Stockholm. 1959. Hedvig Elisabet Charlotta; Bonde Carl Carlson (Hrsg.): Hedvig Elisabeth Charlottas dagbok. Band 2: 1783–1788. Norstedt. Stockholm. 1903. Hedvig Elisabet Charlotta; Bonde Carl Carlson (Hrsg.): Hedvig Elisabeth Charlottas dagbok. Band 3: 1789–1792. Norstedt. Stockholm. 1907. Lantingshausen, släkt. Svenskt biografiskt handlexikon. Band 22. 1906. S. 262.
Einzelnachweise
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