Quélern ist ein Weiler der Gemeinde Roscanvel im Departement Finistère in Frankreich und hauptsächlich wegen der Befestigungslinien seines Verteidigungssystems bekannt.
Bezeichnung Nach einer landläufigen Erklärung soll Quélern vom Bretonischen Ker ar Louarn („Fuchsdorf“) kommen, weil es in der Gegend sehr viele Füchse gegeben habe.
Die Familie Le Gentil de Quélern Der aus einer Adelsfamilie von der Halbinsel Crozon stammende Junker Tanguy Le Gentil, Herr von Pencran, heiratete am 7. Juli 1659 die Erbin von Kerlern (Quélern), Esther Françoise Goulhezré. Das Paar nahm danach den Namen Le Gentil de Quélern an. Tanguy Le Gentil de Quélern nahm an der Schlacht von Camaret (1694) teil, bei der er zwei Kompanien der Marinegarde und der Küstenwache mit insgesamt 1300 Mann befehligte. Er verstarb am 1. Februar 1736 in Crozon.
Sein Ur-Ur-Enkel Emmanuel Le Gentil de Quélern (1773–1843) nahm im Alter von 25 Jahr als Absolvent der École polytechnique an der ägyptischen Expedition Napoleons teil. Als Maréchal de Camp wurde er im Februar 1824 von Ludwig XVIII. zum Baron von Quélern erhoben.
Das Herrenhaus von Quélern existiert bis heute.
Lignes de Quélern Die Verteidigungslinien von Quélern (Lignes de Quélern) befinden sich heute auf militärischem Sperrgebiet und gehören dem Verteidigungsministerium. Der Zutritt ist nicht gestattet und das Fotografieren ist verboten.
Die Funktion der Lignes de Quélern besteht darin, die die Meerenge von Brest kontrollierende Pointe des Espagnols gegen eine mögliche rückseitige Einnahme von der Landseite zu verteidigen. Sie sind die einzigen erhaltenen außerstädtischen Verteidigungslinien in Frankreich.
Quélern als Element der Verteidung von Brest Die Landung von spanischen Truppen an der seitdem Pointe des Espagnols genannten Landzunge im Jahr 1594 brachte in Frankreich zum Bewusstsein, dass für eine effiziente Verteidigung von Brest die gesamte Reede in den Blick genommen werden muss. Als erster entwarf Vauban einen Verteidigungsplan für die Gesamtheit der Reede und schlug den Bau einer Festung vor, die die Rückseite der Geschützstellungen auf der Halbinsel von Roscanvel decken sollte.
Die Arbeiten wurden ab 1695 (in der Folge der englisch-niederländischen Land am Strand von Trez-Rouz 1694) unter Vaubans persönlicher Leitung begonnen. Auf der Grundlage der Empfehlungen des Ingenieurs der Marine-Pioniere Dajot wird ein großes, vom Marquis de Longeron entworfenes Befestigungsprogramm 1776 begonnen, um Hafen und Aresenal von Brest zu sichern. Die Arbeiten werden zwischen 1777 und 1785 aus Anlass des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges umgesetzt.
Die Verteidigungslinien von Quélern bilden einen konkaven Bogen von 1220 Metern Länge. Der Gürtel umfasst zwei Bastionen und zwei halbe Bastionen, von denen eine auch der Verteidigung der Bucht von Camaret dient. Die Garnison bestand aus 900 Mann, die von 300 Mann der Küstenwache verstärkt wurden. Im Fall einer Belagerung konnte die Mannstärke auf über 3000 erhöht werden. Die theoretisch mögliche Bewaffnung liegt bei 65 Geschützen, Mörsern und Haubitzen, es wurden aber nur 21 tatsächlich in Stellung gebracht. Über 17 Tonnen Pulver wurden eingelagert. Nach Schätzungen von Offizieren wären 10.000 bis 12.000 Mann für eine erfolgreiche Belagerung erforderlich gewesen.
Die Lignes de Quélern haben immer noch eine strategische Bedeutung, sind immer noch militärisches Gelände, und für die Öffentlichkeit ist der Zutritt nach wie vor verboten. Der Zugang erfolgt über das obere Tor, die Porte de Camaret, und das untere Tor, die Porte de Crozon, die im Lauf des Zweiten Weltkriegs beide zerstört wurden.
Zu den Befestigungsanlagen gehört eine zwischen 1852 und 1854 erbaute, Réduit de Quélern genannte Festung. Sie beruht auf modizifierten Plänen Vaubans. Der Reduit ist eine quadratische und mit einem Graben umgebene Festung mit Bastionen.
Das Fort wird nach wie vor genutzt und ist Eigentum des Verteidigungsministeriums. Der Zutritt und auch Fotoaufnahmen sind verboten.
Das Fallschirmspringerzentrum zum Training für maritime Operationen (CPEOM) als maritime Komponente des Service Action der DGSE ist dort verortet. Die zuvor in Aspretto auf Korsika stationierte Einheit wurde infolge der Affäre um die Versenkung der Rainbow Warrior 1985 dorthin verlegt.
Fontaine de Quélern Unterhalb der Kaserne von Sourdis befindet sich am Rand der Klippen ein Bauwerk, das als Fontaine de Quélern („Brunnen von Quélern“) bezeichnet wird und aus Quadersteinen gemauert ist. Er verfügt über eisenreiches Wasser, das wohl aus einer Spalte im Landrücken von Quélern kommt, die auch die Brunnen mehrerer Höfe versorgt.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, zwischen 1880 und 1890, hatte ein Apotheker aus Brest die Idee, den Brunnen zu bauen und das eisenreiche Wasser unter dem Namen Eau de Quélern zu vermarkten. Erdrutsche haben die gemauerte Brunnenfassung verschoben, aber die Quelle fließt neben der Brunnenfassung weiterhin, ist allerdings heute bedroht.
Sonstiges Die einzige Straße nach Roscanvel führte früher an der Westküste der Halbinsel entlang. Militärische Erfordernisse führten während des Ersten Weltkriegs zum Bau einer Deichstraße, die den Etang de Kervian vom Meer abgrenzt. Dieses früher verschlickte Feuchtgebiet wird stark von Vögeln angenommen.
Einzelnachweise
Literatur
Kategorie:Bauwerk von Sébastien Le Prestre de Vauban Kategorie:Roscanvel Kategorie:Festung in Frankreich