Konrad-Sigismund Freiherr von Zedlitz und Neukirch (* 12. Februar 1931 in Liegnitz, Schlesien; † 28. Mai 2018 in Berlin) war ein deutscher Autor, Regionalhistoriker und Major. Er veröffentlichte vor allem zur Geschichte von Liegnitz und Niederschlesien. Von 1989 bis 2018 war er Vorsitzender der Historischen Gesellschaft Liegnitz. Seit den 1970er Jahren unterhielt er zahlreiche Kontakte nach Polen und engagierte sich insbesondere für die Beziehungen zwischen ehemaligen deutschen Liegnitzern und der heutigen Stadt Liegnitz (Legnica).
Leben Konrad-Sigismund von Zedlitz und Neukirch wurde am 12. Februar 1931 in Liegnitz geboren. Er wuchs teilweise in Schloss Eichholz bei Liegnitz, dem heutigen Warmątowice Sienkiewiczowskie, auf. Das dortige Schloss hatte seine Mutter Draga von Zedlitz, geborene von Olszewski, geerbt.
Sein Großvater mütterlicherseits war Alfred von Olszewski. Olszewski hatte polnische Vorfahren und bestimmte in seinem Testament den Schriftsteller und späteren Literaturnobelpreisträger Henryk Sienkiewicz unter bestimmten Voraussetzungen zum Erben von Eichholz. Sienkiewicz nahm das Erbe nicht an. Die Familiengeschichte der Olszewskis und Zedlitz wurde später auch Gegenstand von Veröffentlichungen Konrad-Sigismund von Zedlitz’ und polnischer Regionalhistoriker.
Im Februar 1945 floh die Familie vor der heranrückenden Roten Armee. Zedlitz lebte zuletzt in Berlin.
Die Deutsche Digitale Bibliothek führt Zedlitz als Autor und Major. Über Einzelheiten seiner militärischen Laufbahn liegen bislang keine ausreichend veröffentlichten Belege vor.
Kontakte nach Polen Bei der Gründung der Historischen Gesellschaft Liegnitz im Mai 1970 in Wuppertal gehörte Zedlitz dem Vorstand an.
Seit Beginn der 1970er Jahre reiste Zedlitz regelmäßig nach Polen. Nach Angaben der Stadt Liegnitz organisierte er seit 1971 auch Hilfssendungen nach Schlesien und Veranstaltungen zur Geschichte und Kultur der Region.
Im September 1975 organisierte Zedlitz eine Studienreise mit etwa 130 Teilnehmern nach Liegnitz und an weitere Orte Niederschlesiens. Die Reise stand unter dem Thema Denkmalpflege und historische Forschung. In Liegnitz fanden unter anderem Gespräche mit Tadeusz Gumiński statt, dem früheren Direktor des Kupfermuseums und damaligen Vorsitzenden der Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften zu Liegnitz.
Eine polnische Veröffentlichung schilderte bereits in den 1970er Jahren eine Begegnung mit Zedlitz in Warschau. Darin führte er sein Interesse an Polen auch auf die polnische Herkunft seines Großvaters Alfred von Olszewski und die in der Familie überlieferte Geschichte um dessen Testament zurück.
Operative Überprüfung „Baron“ Seine Reisen nach Niederschlesien und Kontakte in Polen gerieten auch in den Blick der Sicherheitsorgane der Volksrepublik Polen. Von 1975 bis 1978 wurde zu Zedlitz eine operative Überprüfung unter dem Decknamen „Baron“ geführt. Der Historiker Sebastian Rosenbaum nennt hierzu eine beim polnischen Institut für Nationales Gedenken überlieferte Akte des Sicherheitsapparates in Hirschberg mit der Signatur AIPN Wr., WUSW Jelenia Góra, 020, Nr. 264.Sebastian Rosenbaum: „Vorposten des Revisionismus“. Schlesische Landsmannschaften im Fokus der polnischen Sicherheitsorgane. In: Journal für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Band 3, 2022, S. 39–52.
Die Sicherheitsorgane prüften dabei den Verdacht einer gegen die Volksrepublik Polen gerichteten Tätigkeit. Rosenbaum behandelt den Vorgang im Zusammenhang mit der Überwachung westdeutscher Schlesienverbände und ihrer Kontakte nach Polen.
Historische Gesellschaft Liegnitz Nach dem Tod des bisherigen Vorsitzenden Otto-Hermann Paetzold wurde Zedlitz 1989 zum Vorsitzenden der Historischen Gesellschaft Liegnitz gewählt. Er übte dieses Amt bis zum Ende des Bestehens der Gesellschaft im Jahr 2018 aus.
Die Gesellschaft veröffentlichte unter anderem die Reihe Beiträge zur Liegnitzer Geschichte. Mehrere Bände dieser Reihe wurden von Zedlitz verfasst oder gemeinsam mit anderen Autoren herausgegeben.
Nach der politischen Wende in Polen intensivierten sich die Kontakte zu Institutionen in Liegnitz. Zedlitz arbeitete unter anderem mit der Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften zu Liegnitz, dem Kupfermuseum und weiteren polnischen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen zusammen. Die Stadt Liegnitz würdigte seinen Einsatz für die Partnerschaft zwischen Liegnitz und Wuppertal sowie für die deutsch-polnischen Beziehungen.
Zedlitz engagierte sich darüber hinaus in schlesischen Vereinigungen. Er war unter anderem zweiter Vorsitzender der Bundesgruppe Liegnitz und gehörte dem Vorstand der Stiftung Schlesische Heimatstuben an. Von 2005 bis 2014 war er Beisitzer im Verein der Freunde und Förderer der Stiftung Kulturwerk Schlesien.
Seit 1975 leitete Zedlitz zahlreiche Studienreisen nach Schlesien und in andere ehemals deutsche Gebiete im östlichen Europa. Daneben hielt er Vorträge über Geschichte, Kunst und Kultur Schlesiens. Für die Berliner Arbeitsgemeinschaft Ostmitteleuropa sind zwischen den 1980er- und 2000er-Jahren zahlreiche Lichtbildvorträge von ihm dokumentiert.
Auszeichnungen Zedlitz erhielt 1999 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Im Jahr 2000 wurde ihm das Schlesierkreuz der Landsmannschaft Schlesien verliehen. 2006 erhielt er die Ehrenbürgerwürde der Stadt Liegnitz für sein Engagement für die deutsch-polnische Verständigung.
Tod Konrad-Sigismund von Zedlitz und Neukirch starb am 28. Mai 2018 in Berlin im Alter von 87 Jahren. Er wurde auf dem Familienfriedhof von Schloss Weißenbach beigesetzt. Die evangelisch-augsburgische Gemeinde in Liegnitz, deren Kirche für ihn als Ort seiner Taufe und Konfirmation biografische Bedeutung hatte, erinnerte nach seinem Tod an sein langjähriges Engagement für die deutsch-polnische Zusammenarbeit.
Veröffentlichungen Zedlitz veröffentlichte seit den 1970er Jahren Bücher und Aufsätze über Liegnitz, Niederschlesien und das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen. Beiträge von ihm erschienen unter anderem im Schlesischen Kulturspiegel, im Liegnitzer Heimatblatt sowie in polnischen regionalhistorischen Publikationen.
2004 veröffentlichte der Schlesische Kulturspiegel seinen Beitrag Dem Verteidiger Europas. Ein Denkmal für Herzog Heinrich den Frommen von Schlesien in Liegnitz.
In der vom Towarzystwo Przyjaciół Nauk w Legnicy herausgegebenen Reihe Szkice Legnickie veröffentlichte Zedlitz einen Beitrag über seine Mutter Draga von Zedlitz, geborene von Olszewski. In demselben Band erschien ein Beitrag des polnischen Regionalhistorikers Franciszek Sikorski über die Familien Olszewski und Zedlitz.
Zedlitz schrieb auch literarische Texte. Bereits 1959 erschien seine Erzählung Ein Ring für Désirée in der Schlesischen Rundschau.Sigismund v. Zedlitz: Ein Ring für Désirée. In: Schlesische Rundschau. Die Zeitung aller Schlesier, Jg. 11, Nr. 23, 16. August 1959. Im Liegnitzer Heimatblatt erschien 2014 sein Gedicht Die Heide blüht.
Bücher und selbständige Veröffentlichungen
Liegnitz nach fast 30 Jahren. Ein Wiedersehen mit der Heimat. G. Weber, Lorch/Württemberg 1973. So sieht uns Polen. Das Bild vom Deutschen bei unserem östlichen Nachbarn. G. Weber, Lorch 1977. Kurzer Stadtführer durch das heutige Liegnitz. G. Weber, Lorch 1978. Der Landkreis Liegnitz in Niederschlesien. Henske-Neumann, Hofheim am Taunus 2007 (= Beiträge zur Liegnitzer Geschichte, Band 37). mit Walter Stein: Der Landkreis Liegnitz in Niederschlesien im Bild. Henske-Neumann, Hofheim am Taunus 2008 (= Beiträge zur Liegnitzer Geschichte, Band 38). Die Pilgerreise des Heinrich von Zedlitz nach Jerusalem 1493. Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn, Freiburg im Breisgau 2010. Liegnitz und sein Landkreis – 1944, 1945 und 1946. Zeitzeugenberichte. Henske-Neumann, Hofheim am Taunus 2011 (= Beiträge zur Liegnitzer Geschichte, Band 41).
Beiträge in polnischen Publikationen
Życiorys matki: Dragi von Zedlitz z domu von Olszewska. In: Szkice Legnickie, Band 15.
Literatur
Sebastian Rosenbaum: „Vorposten des Revisionismus“. Schlesische Landsmannschaften im Fokus der polnischen Sicherheitsorgane. In: Journal für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Band 3, 2022, S. 39–52. Franciszek Sikorski: Dwa rody Ziemi Legnickiej: hrabiowie Olszewscy i baronowie Zedlitzowie. In: Szkice Legnickie, Band 15.
Weblinks
Sigismund Zedlitz und Neukirch in der Deutschen Digitalen Bibliothek Historische Gesellschaft Liegnitz Einzelnachweise
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