Maistre Jhan (* um 1485; † nach 1538 vermutlich in Ferrara) war ein französischer Sänger und Komponist am Hofe der Este in Ferrara.
Leben Maistre Jhan wird in einem Dokument von 1538 als Nobilis vir Ma[gis]ter gianus filius q[uondam] Pauli del Mistro gallicus, magister cappellae Illustrissimi Domini Ducis genannt; er war demnach gebürtiger Franzose und offenbar adeliger Abstammung. Ansonsten ist sein Leben nicht nur sehr lückenhaft dokumentiert, die Forschungsgeschichte leidet auch unter einer Reihe von Verwechslungen des nur unter seinem Vornamen Jhan (Jan/Jehan/Jean) bekannten Komponisten mit zeitgenössischen Musikern, deren Namen ähnlich klingen. Unter anderem wurde sein Name zeitweise für ein Pseudonym von Jhan Gero gehalten. Robert Eitner widersprach dem entschieden, und verwechselte Maistre Jhan seinerseits mit Jean Lecocq.Robert Eitner: Metre Jhan oder Jehan. In: Monatshefte für Musikgeschichte. 18, 1886, S. 85–88; digitale-sammlungen.de. Auch mit Jan Nasco wurde er gleichgesetzt.
Alfonso I. d’Este engagierte Jhan aus Rom kommend 1512 für seine Sängerkapelle in Ferrara. Vermutlich 1535 wurde er dort zum Kapellmeister ernannt. Dass er im Oktober 1538 sein Testament verfasste, ließ die Forschung vermuten, er habe dies in Erwartung seines baldigen Todes getan, doch fehlen dafür dokumentarische Belege. Dagegen wurden auch nach diesem Zeitpunkt weitere Werke von ihm gedruckt, deren Titel nicht zwingend die Vermutung stützen, dass sie posthum erschienen seien: so wird er 1541 in einem Druck von fünf Madrigalen als „Maestro di Capella dell’Eccellentissimo Signor Hercole“ genannt.Cantus Il primo libro de i Madrigali, Di Maistre Jhan, Maestro di Capella, dello Eccellentissimo Signor Hercole Duca di Ferrara, & de altri Eccellentissimi Auttori. Novamente posto in luce. M.D. XXXXI. Non sine privilegio. Excudebat Venetiis, apud Antonium Gardane. 1541; . In einem Motettendruck von 1543 wiederum wird er „chori Ferrariae magistri“ genannt,Cantus Symphonia Quatuor Modulata Vocibus Excellentissimi Musici Joannis Galli alias Chori Ferrariae Magistri, quas vulgo (Motecta Metre Jehan,) nominantur, nuper in lucem edita. Apud Hieronymum Scotum. 1543; was nachweislich unzutreffend ist und wiederum die Glaubwürdigkeit der ersteren Nennung relativiert. Auch gehörte er der Ferrareser Kapelle spätestens 1542 sicher nicht mehr an, wie man aus den Gehaltslisten erkennen kann, deren lückenhafte Überlieferung allerdings eine genauere Datierung seines Ausscheidens nicht erlaubt.
Werke Von Maistre Jhan sind eine große Zahl von weltlichen Madrigalen sowie von Motetten überliefert, von denen viele einen persönlichen Bezug zu Familienmitgliedern des Hauses Este haben. Bezeugt ist auch die Komposition einer siebenstimmigen Messe (1532), die allerdings verschollen ist, sowie Einzelsätze zum Messordinarium. Frühe Werke Jhans lassen Einflüsse von Josquin Desprez erkennen, während er in späteren Werken die dichtere Satzweise der Komponistengeneration um Nicolas Gombert und Jachet de Mantua aufgreift.
Literatur Joshua Rifkin: Ercole’s Second-Hand Coronation Mass. In: Jessie Ann Owens (Hrsg.): Music in Renaissance cities and courts. Studies in honor of Lewis Lockwood. Harmonie Park Press, Warren, Michigan 1997, ISBN 0-89990-102-6, S. 381–389.
Joshua Rifkin: Jean Michel, Maistre Jhan and a Chorus of Beasts: Old Light on Some Ferrarese Music Manuscripts. in: Tijdschrift van de Vereniging voor nederlandse muziekgeschiedenis. 52, 2002, S. 67–102; .
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Einzelnachweise
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