Der HAL Rudra (wörtlich: „der Heulende oder Brüllende, der Rote“), auch bekannt als ALH-WSI, ist eine bewaffnete Version des Mehrzweckhubschraubers HAL Dhruv, der vom indischen Luft- und Raumfahrthersteller Hindustan Aeronautics Limited (HAL) entwickelt und hergestellt wird.
Entwicklungsgeschichte Im Zuge der Entwicklung des HAL Light Combat Helicopter, einer auf Angriffseinsätze spezialisierten und modifizierten Variante des Mehrzweckhubschraubers HAL Dhruv, kamen Vertreter der indischen Armee kamen zu dem Schluss, dass die Beschaffung einer bewaffneten Version des Dhruv sinnvoll sei. Durch die bewusste Vermeidung nicht unbedingt notwendiger größerer Änderungen an der ursprünglichen Zelle konnte dieser bewaffnete Dhruv relativ schnell entwickelt und ausgeliefert werden. Das Konzept wurde zunächst als Dhruv WSI (Weapons System Integrated) bezeichnet. Später wurde der Name Rudra gewählt. Die Entwicklung des Rudra wurde im Dezember 1998 offiziell genehmigt.
Der Rudra verfügt über integrierte Sensoren, Waffen und eine Ausrüstung für die elektronische Kriegsführung. Außerdem ist er mit einer weiterentwickelten Version des im HAL Dhruv Mk III verwendeten Glascockpits ausgestattet. Zu diesen Sensoren gehören stabilisierte Tag- und Nachtkameras, Infrarot-Bildgebung sowie Laser-Entfernungsmessung und -Zielmarkierung. Er verfügt über eine „Integrated Defensive Aids Suite“ (IDAS) von Saab AB mit einem Selbstschutzsystem für die elektronische Kriegsführung, das vollständig in das Glascockpit integriert ist. Zu den bordeigenen Selbstverteidigungssystemen gehören Radar- und Raketenwarner, IR-Störsender sowie Chaff- und Flare Werfer. Der Hubschrauber kann sowohl in unbewaffneten als auch in bewaffneten Einsatzrollen eingesetzt werden, darunter Luftaufklärung, Truppentransport, Panzerabwehr und Luftnahunterstützung.
Im Juli 2005 wurde der Projektumfang erweitert, um die Integration weiterer Systeme sowie die Einbindung eines leistungsstärkeren Modells der HAL/Turbomeca-Shakti Turbine einzubeziehen. Nach der Überarbeitung beliefen sich die Kosten des Rudra Programms im April 2007 Berichten zufolge auf 710,29 Cr Rupien (64,8 Millionen Euro). Zu diesem Zeitpunkt wurde als geplantes Fertigstellungsdatum der Juli 2008 angegeben. Am 16. August 2007 absolvierte der Rudra Prototyp seinen Erstflug.
Im September 2011 durchlief der Rudra Integrationsversuche ihrer Bewaffnung und elektrooptischen Systeme, zu denen auch Waffenabschussversuche gehörten. Beispielsweise mit der M261 20 mm Maschinenkanone in einem Nexter THL-20 Kinnturm, sowohl 70 mm-Raketen als auch MBDA Mistral Luft-Luft-Raketen wurden im November 2011 ebenfalls testweise abgefeuert. Berichten zufolge übertraf der Hubschrauber sowohl die Anforderungen an die Nutzlast als auch an die Leistungsfähigkeit, während er in einer Höhe von 6 km flog.
Im September 2012 wurden Bodentests mit dem ersten Serienmodell des Rudra abgeschlossen. Er war mit einem Turmgeschütz, Raketen und Luft-Luft-Raketen bewaffnet und konnte Luft-Boden-Raketen wie die vom Hubschrauber abgefeuerten Panzerabwehrraketen vom Typ Nag, die Luft-Boden Version wird HELINA oder Dhruvasta benannt, tragen. Dementsprechend erhielt HAL einen Sammelauftrag für über 76 Rudra Hubschrauber. Sie sowohl für die indische Armee, als Hauptkunden dieses Typs, als auch für die indische Luftwaffe (IAF) bestimmt sind.
Zwischen 2012 und 2013 durchlief der Rudra im Auftrag der indischen Marine eine Reihe von Flugtests. Dabei stellte sich heraus, dass der Hubschrauber für Küstenüberwachungsoperationen geeignet war. Die Marine war Berichten zufolge beeindruckt von der Fähigkeit der Sensorik, die in der Lage ist Schiffe in einer Entfernung von bis zu 14 km zu verfolgen. Die Bildqualität der Sensoren wurde als so gut beschrieben, dass man in diesen Entfernungen sogar die Namen der Schiffe entziffern konnte. Die Marine war sehr daran interessiert, mindestens 20 Hubschrauber für eigene Zwecke zu bestellen. Vor dieser Testreihe war der Rudra bereits für den Einsatz in der U-Boot-Bekämpfung (ASW) evaluiert worden. Die Waffentests hatten das Abfeuern von Torpedos und Wasserbomben umfasst, was Berichten zufolge erfolgreich abgeschlossen worden war.
Einsatzgeschichte mini|HAL Rudra der indischen Landstreitkräfte in der Frontansicht (2022) Es wurde erwartet, dass der Rudra bis Ende 2012 die vorläufige Einsatzfreigabe (Initial Operational Clearance, IOC) erhalten würde, während die Auslieferung der Serienhubschrauber bis 2013 beginnen sollte. Am 4. Februar 2013 wurde auf der Fachmesse Aero India bekannt gegeben, dass der HAL Rudra Mk IV die IOC erreicht habe und dass zwei Hubschrauber an die indische Armee übergeben worden seien. Die indische Armee nahm weiterhin Lieferungen dieses Typs entgegen. Bis 2017 waren Berichten zufolge 22 bewaffnete Rudras an die Streitkräfte ausgeliefert worden.
Die indische Luftwaffe hat bis 2017 zudem acht bewaffnete Rudra erhalten. Bis 2021 gab es Berichten zufolge trotz der Verfügbarkeit des vielseitigeren LCH Prachand weiterhin Nachfrage nach weiteren Rudra Hubschraubern, da deren Stückkosten vergleichsweise niedriger waren. Im April 2022 wurde eine geplante Beschaffung von 48 russischen Mil Mi-17V5 Hubschraubern im Wert von 950 Millionen Euro. Die für die indische Luftwaffe, das Bundesinnenministerium und verschiedene paramilitärische Einheiten bestimmt waren. Welches im Rahmen einer Initiative (Buy India Kampangne) zum Kauf der lokal produzierten Modelle „Dhruv“ und „Rudra“ gestrichen. Es wurde berichtet, dass die indische Luftwaffe etwa 14 bis 16 Hubschrauber im Einsatz hatte und die Anschaffung von drei weiteren Staffeln dieses Typs plante. Die Armee hatte unterdessen 65 Rudra erhalten und wartete auf die Auslieferung von 13 weiteren Einheiten.
Im Jahr 2026 wurde Hauptmann Hansja Sharma vom 251. Hubschraubergeschwader der Armee die erste Pilotin eines HAL Rudra.
Varianten
Mark III - Diese Version verfügt über elektronische Kriegsführung, Gegenmaßnahmen, Sensoren und Zielerfassungssysteme, ist jedoch nicht mit Waffen ausgerüstet. Einsatzbereiche der Verteidigungskräfte, die für Operationen in großer Höhe geeignet sind. Mark IV - Diese Version verfügt über ein französisches M261 20 mm Turmgeschütz von Nexter, belgische 70 mm Raketen, Mistral Luft-Luft-Raketen sowie die Panzerabwehrrakete Nag. Bewaffnete Variante für Angriffseinsätze, Luftnahunterstützung und Einsätze in großer Höhe.
Einsatzländer Luftwaffe: 16 geplant
Heer: ungefähr 60 bis 2023 geliefert, 78 geplant
Marine: 20 geplant
Unfälle Am 3. August 2021 stürzte eine Maschine der indischen Armee in der Nähe des Ranjit Sagar Stausees ins Wasser. Der Hubschrauber gehörte zum in Pathankot stationierten Geschwader 254 Army Aviation Squadron. Er führte einen routinemäßigen Trainingsflug durch, bei dem er in geringer Höhe über den Stausee flog. An Bord befanden sich zwei Offiziere, Oberstleutnant A. S. Bath und Hauptmann Jayant Joshi. Der Absturz führte zu ihrem Tod. Ihre Leichen wurden 12 bzw. 76 Tage nach dem Vorfall aus dem Wasser geborgen. Da es sich um einen Hubschrauber der Armee handelte, verfügte er nicht über eine Notschwimmausrüstung (EFG). An der Such- und Rettungsaktion waren Spezialtaucher sowie Dhruv und Cheetah Hubschrauber beteiligt. später schloss sich auch ein Chinook der Suche an. Am 21. Oktober 2022 sürzte eine seit 2015 in Dienst stehender Rudra der indischen Armee ab. Dabei kamen beide Piloten und drei Soldaten an Bord ums Leben. Der Absturz ereignete sich südlich des Gebiets Tuting im Bezirk Upper Siang in Arunachal Pradesh gegen 10:43 Uhr IST. Es wurde eine gemeinsame Such- und Rettungsaktion von Armee und Luftwaffe eingeleitet. Als Ursache für den Absturz wurden technische Probleme angegeben.
Technische Daten KenngrößeDatenTypbewaffneter MehrzweckhubschrauberBesatzung 1 bis 2 Piloten 4 bis 12 PassagiereGesamtlänge15,87 mRotordurchmesser13,20 mHöhe4,98 mKabinenvolumen7,33 m³max. Startmasse5800 kgNutzlast2600 kgTreibstoffkapazität1055 kgTurbinenzwei Ardiden 1H/Shakti mit je 1068 kW von TurbomecaHöchstgeschwindigkeit280 km/hMarschgeschwindigkeit245 km/hSteigrate10,3 m/sDienstgipfelhöhe6100 mEinsatzreichweite590 km (oder 3,8 h)Überführungsreichweite630 km
Bewaffnung 1 × 20 mm Kanone vom Typ M621 auf einem Nexter THL-20 Kinnturm 4 × Mistral 4 × FZ275 LGR Werfer 8 × HELINA Panzerabwehrraketen
Weblinks
Rudra auf der Herstellerwebseite
Einzelnachweise
Kategorie:Militärische Ausrüstung (Indien)