Karl Clemens Nossent (* 12. Dezember 1914 in Glain, Belgien; † 17. Juni 1996)Traueranzeige im Weser-Kurier vom 2. Juli 1996https://ezeitung.weser-kurier.de/titles/weserkurier/6594/publications/70173/pages/18Bremisches Jahrbuch, hrsg. von der Historischen Gesellschaft zu Bremen, 1992, S. 360 war ein belgischer NS-Kollaborateur.
Leben Nossent wurde in Glain geboren – heute ein Stadtteil von Lüttich.Glain war bis 1977 eine selbstständige Gemeinde und wurde am 1. Januar 1977 nach Lüttich eingemeindet Er studierte an der dortigen Universität Geschichte.https://www.google.de/books/edition/La_Vie_wallonne/DxUjAQAAIAAJ?hl=de&gbpv=1&bsq=KaRL%20Nossent&dq=KaRL%20Nossent&printsec=frontcover
Er war Mitglied der AGRA (Amis du Grand Reich Allemand/Freunde des Großdeutschen Reichs), einer extrem kollaborierenden nationalsozialistischen Organisation im besetzten Belgien, die am 13. März 1941 in Lüttich gegründet wurde. Ihr Ziel war die Errichtung eines faschistischen Regimes in der Wallonie als Teil eines „großdeutschen Raumes“. Sie lehnte demokratische Strukturen ab und vertrat eine aggressiv antisemitische und antikommunistische Haltung.
Nossent war als belgischer Gestapo-Agent im nationalsozialistisch besetzten Belgien stellvertretender Leiter der Sicherheitspolizei (SiPo) in Lüttich, die zusammen mit dem Sicherheitsdienst (SD) ab 1940 als nationalsozialistische Terror- und Überwachungsbehörde aktiv war. Sie unterstanden dem Reichssicherheitshauptamt in Berlin und waren maßgeblich für die Verfolgung von Widerstandskämpfern, politischen Gegnern und für die Deportation der jüdischen Bevölkerung verantwortlich. Die Sipo-SD ihrerseits konzentrierte sich auf die Verfolgung der Juden und den Kampf gegen die sogenannten „Reichsfeinde“.Louis Fortemps et Vincent Gabriel, Geheime Feldpolizei et Sipo‑SD en Belgique. Considérations historiographiques et analytiques sur deux acteurs de la répression allemande Geheime feldpolizei en Sipo‑SD in België. Historiografische en analytische beschouwingen over twee actoren van de Duitse repressie, 2021 s. https://journals.openedition.org/temoigner/10454
Prozess und Todesurteil Am 3. September 1944 wurde Belgien von der deutschen Besatzung befreit. Es folgten juristische Untersuchungen gegen ca. 100.000 Personen, die für die Kollaboration verantwortlich gemacht wurden. 53.000 Beschuldigte wurden durch die Militärgerichte zumeist mit Freiheitsentzug, Geldbußen, Beschlagnahmungen und Schadenersatz zur Rechenschaft gezogen – in einigen Fällen wegen der Beteiligung an zahlreichen Tötungsdelikten auch mit der Todesstrafe, die in 242 Fällen vollstreckt wurde.
Nossent soll sich während seines Prozesses als äußerst geschickter Manipulator erwiesen haben, dennoch wurde er am 30. Januar 1948 in Lüttich zum Tode verurteilt. Die Strafe wurde am 12. Oktober 1950 in lebenslange Haft umgewandelt, die er im Zuchthaus St. Gilles bei Brüssel zu verbüßen hatte.
Gnadenerlass Der Verband der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermisstenangehörigen Deutschlands bat am 15. Dezember 1960 in einem Glückwunschtelegramm anlässlich der Vermählung des belgischen Königs Baudouin (Belgien) um Freilassung von vier deutschen Kriegsverbrechern, darunter auch Nossent.https://ezeitung.weser-kurier.de/titles/weserkurier/6594/publications/315053/pages/12 Er wurde nach 1961ggf. im Jahr 1962 wie auch der ebenfalls zum Tode verurteilte Bernhard Schubring, s. https://www.erinnerungskultur-duisburg.de/2024/03/07/in-politischer-hinsicht-nur-das-beste-fuehrungszeugnis/#sdendnote2sym vom belgischen König begnadigt, ohne dass die strafrechtliche Schuld damit aufgehoben wurde. Dieser königliche Gnadenerlass änderte nichts am Urteil über die Schwere der Schuld und betraf ausschließlich die Vollstreckung der verhängten Strafe. Unklar ist, ob Nossent tatsächlich deutscher Staatsangehöriger war.
Ab 1962 Nossent wurde in die Bundesrepublik Deutschland abgeschoben und arbeitete bis 1979 als Bibliotheksangestellter in der Abteilung Geschichte bei der Stadtbibliothek Bremen. Handbuch der Öffentlichen Büchereien : 1970 / [hrsg. durch den Deutschen Büchereiverband e.V.], Berlin 1970, S. 262https://ezeitung.weser-kurier.de/titles/weserkurier/6594/publications/67038/pages/14 Am 28. Dezember 1967 heiratete Nossent in Bremen Jenny Joseph Louise Tetaert.https://ezeitung.weser-kurier.de/titles/weserkurier/6594/publications/291524/pages/14
Literatur Eric Paquot, Sicherheitspolizei-Sicherheitsdienst Lüttich et organisation policière allemande à Liège (1940-1944), mémoire de master en histoire, Université de Liège, 1985.
Einzelnachweise
Kategorie:Person (belgische Kollaboration) Kategorie:Zum Tode verurteilte Person (NS-Kriegsverbrechen) Kategorie:Gestapo-Agent Kategorie:SD-Personal Kategorie:Belgischer Emigrant in Deutschland Kategorie:Belgier Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1914 Kategorie:Gestorben 1996 Kategorie:Mann