Ruben Brandt (Originaltitel: Ruben Brandt, a gyűjtő; internationaler Titel: Ruben Brandt, Collector) ist ein ungarischer Animationsfilm von Milorad Krstić aus dem Jahr 2018. Der englischsprachige Kriminalthriller erzählt von einem Psychotherapeuten, der von Figuren aus berühmten Gemälden in Albträumen heimgesucht wird und die betreffenden Bilder daraufhin mit vier seiner Patienten aus den Museen der Welt stehlen lässt.

Der Film ist der erste abendfüllende Film des Malers und Multimediakünstlers Krstić, der 1995 für seinen Kurzfilm My Baby Left Me auf der Berlinale mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet worden war. Er wurde am 9. August 2018 auf der Piazza Grande des Filmfestivals von Locarno uraufgeführt und kam am 29. Oktober 2020 in die deutschen Kinos.

Handlung Der Psychotherapeut Ruben Brandt behandelt in einem Sanatorium in den Schweizer Bergen Patienten aus der Halbwelt mit einer Variante der Kunsttherapie. Seit dem Tod seines Vaters leidet er selbst unter Albträumen, in denen ihn Figuren aus berühmten Gemälden angreifen – unter anderem die Infantin aus einem Bild von Diego Velázquez und eine Gestalt aus Edward Hoppers Nighthawks.

Zu Brandts Patienten gehört die Einbrecherin Mimi, die unter Kleptomanie leidet, nachdem sie bei einem Auftrag im Louvre statt des vereinbarten Objekts einen Fächer gestohlen hat. Nach dem Grundsatz ihres Therapeuten, man müsse sich seine Probleme aneignen, um sie zu überwinden, beschließt sie, Brandt von seinen Albträumen zu befreien, indem sie ihm die Bilder beschafft. Gemeinsam mit den Mitpatienten Bye-Bye Joe, Membrano Bruno und Fernando bildet sie eine Bande, die nacheinander dreizehn Gemälde aus Museen und Privatsammlungen entwendet.

Die Presse nennt den unbekannten Täter „den Sammler“; da sich die Bilder nicht einmal auf dem Schwarzmarkt verkaufen lassen, vermutet man einen Täter, der ausschließlich für sich selbst sammelt. Versicherungen setzen eine hohe Belohnung aus und beauftragen den Privatdetektiv Mike Kowalski, der selbst ein Sammler von Filmrequisiten ist. Auch der Verbrecher Vincenzo Delangello sucht nach dem Sammler.

Kowalski findet heraus, dass Brandts Vater Gerhard als Wissenschaftler mit unterschwelligen Botschaften gearbeitet und seinem Sohn als Kind entsprechend präparierte Filme vorgeführt hat – daher rühren die Albträume. Zugleich stellt sich heraus, dass Gerhard Brandt auch Kowalskis Vater war und die beiden Männer somit Halbbrüder sind. Nach dem letzten Coup, dem Diebstahl eines Warhol-Bildes in Tokio, sitzt Ruben Brandt erneut im Zug; ob das Geschehen Traum oder Wirklichkeit war, lässt der Film offen.

Die dreizehn Gemälde Im Zentrum der Handlung stehen dreizehn reale Gemälde:

Frédéric Bazille: Porträt Renoirs (1867) Sandro Botticelli: Die Geburt der Venus (um 1486) Frank Duveneck: Whistling Boy (1872) Paul Gauguin: Frau, eine Frucht haltend (1893) Vincent van Gogh: Der Postbote Joseph Roulin (1888) Hans Holbein der Jüngere: Bildnis des Antoine, Herzog von Lothringen (um 1543) Edward Hopper: Nighthawks (1942) René Magritte: Der Verrat der Bilder (1929) Édouard Manet: Olympia (1863) Pablo Picasso: Frau mit Buch (1932) Tizian: Venus von Urbino (1538) Diego Velázquez: Infantin Margarita Teresa in blauem Kleid (1659) Andy Warhol: Elvis I and II (1964)

Produktion Krstić, der zuvor vor allem als Maler und Multimediakünstler gearbeitet hatte, verantwortete Idee, Drehbuch, Regie und Ausstattung des Films und war zudem als Produzent und Cutter beteiligt. Das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit seiner Frau Radmila Roczkov. Nach eigener Aussage entstand der Film über mehrere Jahre; die Bilder zeichnete er zunächst von Hand und übertrug sie anschließend zur Weiterbearbeitung in den Computer. Technisch verbindet der Film moderne 3D-Animation mit traditioneller 2D-Technik.

Der Name der Titelfigur ist aus den Namen der Maler Rubens und Rembrandt zusammengesetzt. Krstić zufolge enthält der Film mehr als 150 Verweise auf Werke der Film- und Kunstgeschichte; er selbst nennt unter anderem Alfred Hitchcock, Ingmar Bergman, Charlie Chaplin, Akira Kurosawa, Luis Buñuel und Stanley Kubrick. Die Filmmusik stammt von Tibor Cári; darüber hinaus werden Stücke von Schubert, Puccini, Strawinsky, Mozart und Tschaikowski sowie der Titel Šu, šu, Šumadijo der serbischen Sängerin Olivera Katarina verwendet.

Veröffentlichung Die Uraufführung fand am 9. August 2018 auf der Piazza Grande des Filmfestivals von Locarno statt. In Deutschland kam der Film am 29. Oktober 2020 durch den Verleih Drop-Out Cinema in die Kinos; wenige Tage später mussten die Kinos im Zuge der COVID-19-Pandemie schließen. Am 29. Januar 2021 erschien der Film auf DVD und Blu-ray, am 1. Juli 2021 wurde er in den deutschen Kinos erneut gestartet.

Rezeption Das Lexikon des internationalen Films urteilte, der Film imitiere „in der Gestaltung der Hintergründe und der Figuren die Stilepochen klassischer Gemälde“ und vermische diese „mit meisterhaft choreografierten Actionsequenzen“. Der „vor Fabulierfreude überquellende Film“ verbinde „spielerisch Einflüsse der bildenden Kunst mit der Liebe zum Kino“. Das Gesamturteil lautete „sehenswert ab 16“.

Michael Meyns bescheinigte dem Film in der taz, es gebe „viel zu entdecken in Milorad Krstić’ Wunderkammer, praktisch jedes Bild ist mit einer Referenz an Film, Kunst oder Pop-Kultur angereichert“. Die Geschichte selbst nannte er allerdings „verwirrend, manchmal auch verworren“. Dennoch sei der Film „mehr als nur eine zwar originelle, aber beliebige Zitatspielerei“: Krstić erzähle „von den psychologischen Folgen des Kalten Krieges, den Obsessionen, die hinter dem Eisernen Vorhang wuchsen“.

Auszeichnungen (Auswahl) Anim’est, Bukarest 2018: Bester Langfilm Europäisches Filmfestival Sevilla 2018: Bestes Drehbuch (Milorad Krstić und Radmila Roczkov) sowie Art-Cinema-Preis der CICAE Annie Award 2019: Nominierung in den Kategorien Bester unabhängiger Animationsfilm und Schnitt Filmfestival Triest 2019: Sky-Arte-Preis Anima, Brüssel 2019: BeTV-Preis für den besten Animationsfilm Animafest Zagreb 2019: Grand Prix im Langfilmwettbewerb

Der Film gehörte zudem zu den 25 Filmen, die für die Kategorie Bester Animationsfilm der Oscarverleihung 2019 eingereicht wurden.

Weblinks

Ruben Brandt im Filmdienst

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2018 Kategorie:Ungarischer Film Kategorie:Computeranimationsfilm Kategorie:Kriminalfilm Kategorie:Thriller Kategorie:Independent-Film Kategorie:Heist-Movie